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Peter Hedegaard
Thomas Schoke
Der Freehandkünstler Peter Hedegaard hat seine Werkstatt in Helsingör im Nordosten der Insel Seeland, in unmittelbarer Nähe des Schlosses Kronborg.
Von Peter Hedegaard ist eine nette Anekdote im Umlauf, für die gilt, daß eine gute Geschichte allemal mehr wert ist als jede Aneinanderreihung langweiliger Wahrheiten.
So wird berichtet, daß der gelernte Maler Hedegaard eines Tages seine Liebe zu Pfeife und Tabak entdeckte und vor dem Geschäft von W.Ø. Larsen auf dem Ströget in Kopenhagen die ausgestellten Pfeifen bewunderte.
Ob er Pfeifenmacher sei, soll ihn ein Larsen Mitarbeiter gefragt haben und Hedegaard gab zurück:
"Nein, aber ich wäre gerne einer..."
So soll Hedegaard zu seinem Engagement bei der traditionsreichen Firma W.Ø. Larsen gekommen sein...
Dass sich die Geschichte tatsächlich so abgespielt hat, darf bezweifelt werden, unzweifelhaft ist hingegen, dass Peter Hedegaard von 1976 bis 1979 für die Firma Larsen gearbeitet hat.
Anschließend machte er sich selbständig und fertigt seitdem in seiner kleinen Werkstatt etwa 100 Pfeifen pro Jahr. Die geringe Zahl zeigt, dass Pfeifen von Hedegaard echte "Handmades" sind, also alle formgebenden Arbeitsschritte von Hand ausgeführt werden. Hedegaard arbeitet die äußere Form der Pfeife an der Schleifscheibe heraus, wobei er sich von der Maserung des Holzes inspirieren lässt.
Kein Vergleich mit den angeblichen "Handmades" vor allem italienischer Hersteller, die mehrere tausend Pfeifen pro Jahr auf den Markt werfen und bei denen viele Arbeitsschritte einschließlich der Formgebung automatisiert sind.
Die geringe Stückzahl, die Hedegaard pro Jahr herstellt, findet ihren Niederschlag logischerweise im Preis.
Pfeifen von Hedegaard sind unter 500,- Euro kaum zu bekommen.
Wie bei allen dänischen Freehandkünstlern ist die Preisspanne nach oben offen und orientiert sich aufbauend auf einem "Grundpreis" im wesentlichen an der Qualität des Holzes.
Das Grading ist bei Hedegaard nicht leicht zu durchschauen. Früher kategorisierte er seine Pfeifen mit den Buchstaben "OP" und einer Zahl zwischen 1 und 4. Seine Topqualitäten waren mit "OP1" gestempelt.
Die Bedeutung der Buchstaben "OP" ist unbekannt.
Seit einigen Jahren sind auch Pfeifen von Hedegaard mit den Grades "A" und "AA" im Umlauf.
Ob die "A" - Qualitäten eine Steigerung der "OP's" darstellen oder ob Hedegaard sein Grading-System insgesamt verändert hat, ist mir nicht bekannt.
Im Laufe der mittlerweile über zwanzigjährigen Schaffenszeit von Peter Hedegaard haben sich sowohl sein Stil wie auch sein (Lieblings-) Finish mehrfach verändert. Rolf Joachim Rutzen schreibt in seinem Buch "Pfeifen", es gäbe einen Hedegaard Stil, der von Fachleuten jederzeit erkannt würde.
Die Aussage ist für die heutige Schaffensphase sicherlich nicht ganz falsch, lässt sich aber nicht für die vergangenen 25 Jahre verallgemeinern.
Peter Hedegaard begann wie viele andere Pfeifenmacher als "junger Wilder" und schuf eine große Zahl verschiedener Freehandformen, die zu ihrer Zeit avantgardistisch wirkten. Im Laufe der Jahre hat bei Hedegaard ein Wandel hin zu klassischen Formen stattgefunden, viele seiner heutigen Modelle sind Variationen einer Bulldog, Bent Apple oder Bent Rhodesian.
Letztlich ist es bei Hedegaard nicht anders wie bei vielen andern dänischen Pfeifenmachern auch: Er hat sich ständig weiterentwickelt und in jeder Schaffensphase unterschiedliche Formen und Farben bevorzugt.
Eine "typische" Hedegaard gibt es meines Erachtens daher nicht.
Seit einigen Jahren stellt Hedegaard auch Pfeifen mit 9mm Filterbohrung her, der Anteil dieser hauptsächlich für den deutschen Markt bestimmten Pfeifen dürfte knapp 50 Prozent ausmachen.
Signum
Peter Hedegaard + Handmade in Denmark + Grade
Michael Karrengarn
Peter Hedegaard wurde 1951 geboren. Er verstarb am 08. April 2007.
Bilder
Ein knuffeliger "Blowfish" / nach-rechts-blickende-Sphinx
(Manfred Arenz, 11.02.2009)
Eine für Hedegaard typische flache Bent Rhodesian.
Das Mundstück ist aus verflüssigtem und geformtem Bernsteinpulver gefertigt,
vom Aufwand fast gleichzusetzen einem echten Bernsteinmundstück ...
(Manfred Arenz, 20.12.2007)
Eine hübsche, kompakte Billiard der Qualitätstufe FP2 mit enger, leicht gewellter Straigt-Grain Maserung.
Typisch für Hedegaard ist das kurze Mundstück und die kompakte Form. Trotzdem raucht diese Pfeife sich nicht heiß, da Hedegaard die Bohrungen sehr präzise ausführt und die Übergänge Holm - Mundstück anfast.
So können kaum Kondensat bildende Verwirbelungen entstehen.
(Manfred Arenz)
(Thomas Schoke)
Sandgestrahlte Hedegaard in Ei-Form, Markierung BPC
(Manfred Arenz)
Hedegaard OP3
(Jan Peter Theurich)
Eine Giant-Calabash von Hedegaard, ohne Gradierung.
Das MundstÜck ist typisch für Hedegaard ausgeformt.
(Manfred Arenz)
Eine wunderschön gemaserte Calabash, Grade OP 3. Darüber liegen nur noch die Sondergrades.
(Manfred Arenz)
(Heinz G. Martinek)
(Heinz G. Martinek)
(Karl-Heinz Krebs)
(Hans-Jürgen Rieger)