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Ryszard Kulpinski
Marius Zmuda
Bei der Beschäftigung mit polnischen Pfeifenmachern und ihrer Geschichte stellt man schnell fest, dass diese mit der Stadt Przemysl eng verbunden ist. Wann genau hier die erste Pfeife geschnitzt worden ist, kann nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Doch eine Auflistung aus dem Jahr 1870 benennt vierundzwanzig Einwohner der Stadt als Pfeifenmacher. Die nächsten Jahrzehnte mit ihren politischen und wirtschaftlichen Wirren brachten einen schrittweisen Niedergang des Pfeifenhandwerks in Przemysl mit sich. Erst im Jahr 1908 begann die Rückkehr zur alten Tradition und Kunstfertigkeit - Wincenty Swoboda, ein Tscheche, gründete eine Firma, welche zum Vorläufer des modernen Pfeifenwesens in Polen wurde. Hier erlernten die künftigen Meister ihr Handwerk: Ludwik, Jan und Michal Walat sowie Ludwik Winiarski. Zurzeit werden in Przemysl Pfeifen und Zigarrenspitzen von mehr als zehn Firmen hergestellt.
Ryszard Kulpinski zählt zu den herausragenden Pfeifenmachern der Stadt Przemysl. Die ersten Handgriffe an einer Pfeife machte Kulpinski 1956 in der Werkstatt der Gebrüder Walat. Hier erlernte er das Handwerk und schlug sich mit den wirtschaftlichen und politischen Widrigkeiten des kommunistischen Polens herum - wie z.B. Mangel an guten Rohstoffen und Versuche der Verstaatlichung des Pfeifenhandwerks. Bis in die 60er Jahre wurden polnische Pfeifen vor allem aus dem Holz des Birnbaums und der Walnussgewächse hergestellt. Etliche polnische Pfeifenmacher greifen immer noch auf diese Materialien zurück. In den Jahren 1971 bis 1981 hatte Kulpinski Anteil an dem großen Erfolg der Firma Walat und ihren Pfeifen, der sog. "Walatówka". Nach dem Tod Ludwik Walats gründete Kulpinski mit einem anderen Walat-Schüler Ryszard Filar - einer weiteren Größe der polnischen Pfeifenmacherszene - eine Firma. 1983 trennten sich ihre Wege und Kulpinski führte seine Arbeit nun alleine fort. 1985 wurde er mit dem besonderen Titel "Meister des Kunsthandwerks" ausgezeichnet. Diese Nominierung ist insofern bedeutsam, als dass sie von dem damaligen polnischen Kunst- und Kulturministerium verliehen wurde und das polnische Pfeifenhandwerk in den Kreis des Kunsthandwerks erhob. Ryszard Kulpinski stellte seine Arbeit auf zahlreichen Messen und Ausstellungen in Polen und dem Ausland vor.
Sein Betrieb, "Wytwórnia fajek i cygarniczek", produziert seit 1984 Pfeifen, sowohl Serienpfeifen als auch zahlreiche und außergewöhnliche Freehands. Positiv wirkten sich auch die 1997 aufgenommenen Kontakte mit Portugal, Spanien und Albanien bezüglich der Bruyere-Lieferungen aus. Zum Sortiment Kulpinskis gehören Freehands (unter der Bezeichnung "Autograf" geführt), welche mit einer abgekürzten Unterschrift auf dem Mundstück oder auch dem Holm versehen werden. Eine Besinnung auf alte Tradition ist die Herstellung von Pfeifen mit langem Holm, der mit Schnitzarbeiten und verschiedenen Elementen in Handarbeit gestaltet wird. Es überwiegen hierbei Pflanzen- und Jagdmotive, zudem Applikationen aus Edel- und Halbedelmaterialen, wie z.B. Horn, Bernstein, Elfenbein, Kokosnussschalen, Silber, Gold. Ferner tauchen zum Biss hin stark gebogene Mundstücke auf. Die Serienpfeifen orientieren sich an klassischen Formen. Mudstücke werden aus Stilamid, Acryl und Parakautschuk hergestellt. Neben der 9mm Bohrung für Filter gibt es viele Pfeifen mit einem Metallfilter, welche die Gestaltung besonders schlanker Pfeifen erlaubt. Neben Pfeifen werden Pfeifenbestecke und interessante Pfeifenständer sowie Zigarrenspitzen produziert.
Link: http://www.fajki.przemysl.pl/
(11.12.2004)
Bilder
Im Bild eine schöne Dublin-Bent mit einem Hirsch aus Silber. Die Pfeife ist ordentlich gefertigt, in der Qualität ähnlich französichen Modellen....
(Manfred Arenz)
Pfeife oben - Spanisches Bruyere-Holz, Parakautschukmundstück, in Handarbeit geformt
Pfeife unten - Spanisches Bruyere-Holz
(Marius Zmuda)
"Autograf" Nr. 0100, Biss aus Elfenbein
(Marius Zmuda)
Pfeife links - Nr. 160, Bruyere-Holz, 9mm Filter, Bruyere-Pfeifenständer
Pfeife rechts - Nr. 166, Bruyere-Holz, Rustizierung in Handarbeit, 9mm Filter,
Pfeifenständer mit Stopfer und Dorn aus Bruyere-Holz
(Marius Zmuda)
Serienpfeifen Nr. 63a / 62a 9mm-Filter, Stilamidmundstück
(Marius Zmuda)