zurück
Oldenkott
Lutz Boden
Viel ist leider nicht mehr über dieses einst traditionsreiche Unternehmen zu erfahren, bekannt für Qualitäts-Serienpfeifen aus gut gelagertem Holz in verschiedensten Ausführungen.
Von der einfachen Gebrauchspfeife bis zum Designermodell, mit und ohne Filter, reichte die Produktpalette; es gab auch mal Oldenkott Pfeifentabak.
Die bekannte Porsche-Pfeife, eine Bruyerepfeife mit Alu-Kühlrippen, wurde ebenfalls von Oldenkott gefertigt.
Die Fabrikationsgebäude (Hallen) von Oldenkott waren recht groß, es gab sogar Werkswohnungen. Aus heutiger Sicht wirkt das damalige Werksareal für die Pfeifenproduktion deutlich überdimensioniert.
Dies ist auf den allgemeinen Niedergang der Rauchkultur zurückzuführen, der die Reihen der Pfeifenraucher arg gelichtet hat. Dieser Niedergang hat auch der Fa. Oldenkott das Aus gebracht.
Im April 1992 hat diese Traditionsfirma beim Amtsgericht Kleve leider Konkursantrag stellen müssen. Zum Leidwesen der Raucher verblieb als einziger großer deutscher Pfeifenhersteller Vauen in Nürnberg.
Heute hat man noch hin- und wieder das Glück, bei einigen Händlern ungerauchte Restbestände von Oldenkotts zu bekommen. Teilweise werden diese Restbestände zu einem - gemessen an der Holzqualität und den Raucheigenschaften - sehr niedrigen Preis abgegeben.
Ich habe beispielsweise eine kittfreie Bulldog für 24,90 DM (12,50 Euro) erwerben können.
Wer bei seinem Händler noch Oldenkotts findet sollte zugreifen.
Gregor Freckmann
Henric's Oldenkott sen. & Co.
Der Firmenname Oldenkott stammt ursprünglich aus Amsterdam. Das Unternehmen wurde 1760 von Hermann Oldenkott gegründet. Die Amsterdamer besaßen auch Filialen in Deutschland, z.B. in Ahaus ab 1819.
Im Jahre 1838 gründete der Kaufmann August Kersten in Rees (Niederrhein) die Firma Henric's Oldenkott sen. & Co. Er kaufte dazu Anteile der Firma Heinrich Oldenkott in Elten (Niederrhein) und Weesp (Holland). Diese neue Firma entwickelte sich zu einem der größten und bedeutendsten Tabakunternehmen in Deutschland. Die Kiepenkerl-Tabake wurden als Tabak mit Weltruf gehandelt. Ab 1895 ließ Oldenkott das Wappen der Familie Kersten sowie zwei rauchende Eichhörnchen auf die Packungen drucken und zum Schutz gegen unlauteren Wettbewerb gerichtlich eintragen.

Nach dem 1. Weltkrieg baute Oldenkott zwei Zigarrenfabriken in Straelen und Anholt (Niederrhein). 1921 entstand in Rees eine der modernsten Tabakfabriken Deutschlands mit Werkstätten, eigener Druckerei und Gleisanschluss. Zwischen 1924 und 1928 wurde ein fünfstöckiges Betonhochhaus zur Lagerung von Rohtabaken gebaut. Für Stammarbeiter wurden Wohnhäuser errichtet. Die Gründung einer firmeneigenen Sparkasse, einer Krankenkasse sowie einer Pensionskasse zeugte ebenfalls von sozialer Verantwortung.
1929 wurden die Werke der Firma Hermann Oldenkott in Neuss und Ahaus von Oldenkott (Kersten) übernommen. Kerstens Motto lautete: "Zum guten Oldenkott-Tabak die gute Oldenkott-Pfeife!" Daher begann man 1932 mit der Herstellung anspruchsvoller Pfeifen aus Bruyère-Holz. Oldenkott wurde zum führenden deutschen Hersteller von Pfeifentabak. Im 2. Weltkrieg wurde die Tabakfabrik teilweise und die Pfeifenfabrik völlig zerstört.
Bereits 1945 wurde in anderen Räumen die Pfeifenherstellung wieder aufgenommen. Die Produktpalette umfasste 60 Modelle und Oldenkott wurde mit 40% Marktanteil zum Marktführer in Deutschland. Den absoluten Beschäftigungshöhepunkt erreichte Oldenkott 1950 mit 500 Arbeitskräften. Durch den Vormarsch der Zigarette verringerte sich die Pfeifenproduktion. 1959 brachte man die sog. Piparillo-Pfeife (für kurze Stumpenstücke) auf den Markt.
Als Folge des Terry-Reports von 1964 (Zigarettenraucher bekommen Krebs durch Lungenzüge) stieg die Pfeifennachfrage wieder an, so dass es zwischen 1968 und 1970 zu Überstunden und langen Lieferzeiten kam. Pfeifenrauchen war salonfähig geworden. Mit über 40.000 Pfeifen pro Monat und 70% Marktanteil in Deutschland wurde Oldenkott zum größten Pfeifenhersteller in Europa.
Wegen rückläufiger Tabakproduktion entstand eine Vertriebskooperation mit Niemeyer (Holland). 1972 kam es zum Verkauf der Firma Oldenkott an Niemeyer. Die Produktion von Oldenkott-Tabaken wurde 1974 eingestellt und die Pfeifenherstellung reduziert. In Rees stellten noch 36 Pfeifenmacher jährlich 150.000 Pfeifen her.
1987 kaufte Peter Kersten das Unternehmen zurück. Doch das Ende der Pfeifenfirma zeichnete sich bald ab. Im letzten Betriebsjahr stellten 16 Pfeifenmacher noch 58.000 Pfeifen her. 1992 mußte der Betrieb aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden. Die Familie Kersten leitete das Unternehmen über fünf Generationen. In Rees erinnert die Statue eines Pfeife rauchenden Kiepenkerls an die große Zeit der ehemaligen Firma Henric's Oldenkott sen. & Co.
Quelle: Heimatmuseum Rees
(13.07.2002)
Bilder
Diese hübsche Pot habe ich in Diez/Lahn für ein paar Euro erstanden
(Manfred Arenz, 11.02.2009)
Billiard glatt
(Lutz Boden)
Billard silk
(Lutz Boden)
Bulldog
(Lutz Boden)
Freehand
(Lutz Boden)
Stand Up Poker
(Lutz Boden)
Bent Army
(Wolf-Rüdiger Jürgens)