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Gerhard Wilhelm

Gerhard Wilhelm
Karl-Heinz Krebs
Gerhard Wilhelm hat sich die zur Herstellung von Tabakspfeifen notwendigen Fertigkeiten selbst beigebracht. Im Laufe der Jahre entwickelte er seinen eigenen Stil, andere Freehander zu kopieren, liegt ihm fern. Er hat "seine" Form gefunden. Pfeifen mit großen Köpfen, die sich wohlig in die Hand schmiegen. Gemeinsam haben sie eine Eigenschaft, der Pfeifenkopf ist unten abgeflacht und verhilft der Pfeife dadurch zu einem sicheren Stand.
Bis vor wenigen Monaten fertigte Gerhard Wilhelm nur Pfeifen mit 9 mm Filterbohrung. Seine ersten Versuche, normalgebohrte Pfeifen anzufertigen, eröffneten dem umtriebigen Gernsheimer neue Gestaltungsmöglichkeiten. Diese schlugen sich in einem viel schlankeren Pfeifenholm nieder, was seinen Pfeifen zu einem eleganteren und schwungvollerem Aussehen verhalf.
Nun ist Gerhard Wilhelm in seinen Ansichten, was "seine" Form betrifft, etwas konservativ ;-)
Doch bin ich mir sicher, über kurz oder lang wird er sich auch an anderen Formen versuchen.
Die Pfeifen, die die Werkstatt von Gerhard Wilhelm verlassen, zeugen von seinem handwerklichen Können. Sie sind hervorragend verarbeitet und lassen keine Macken erkennen. Die Pfeifen werden mit einem schwungvollen "W" auf dem Holm gestempelt. Sein Holz beschafft er in Dänemark, das Mundstücksmaterial kommt aus Italien.
Mehr Informationen zu Gerhard Wilhelm findet man auf seiner Website:
http://www.pfeifenwilhelm.de/
Nils Thomsen
Zwei Tage mit Gerhard in Thüringen während des "Ruhlaer Tabakpfeifensymposiums" - eine nette Zeit. Auffällige Eigenschaft auf den ersten Blick: Spitzbübischer Humor ist dem Gerhard eigen, schon an den Lachfältchen und Grübchen zu erkennen, gepaart mit einem südlichen angenehmen Eigensinn - (raucht z.B. keine Pfeifen-Fremdfabrikate ... :-)) u.v.m.). Er hat feste Standpunkte, die ohne missionarischen Eifer dargelegt werden und durch Fachwissen gut unterlegt sind, z.B. zur Frage Kitt, rustizieren, Filterjanein, eigene Handschrift, Beteiligung an Diskussionen u.a. Letztendlich konnte man nicht viel ernsthaft einwenden gegen das, was er kundtat. Kommen wir zu den ca. 20 Pfeifen, die er mitbrachte (ohne das an die grosse Glocke zu hängen). Man erkannte, als sie nebeneinander lagen, schnell eine gefestigte Handschrift, ohne dass sich die Pfeifen glichen wie Klone. Sie sind glatt poliert und in der Regel dunkel in verschiedenen Brauntönen gefärbt. Handschmeichlerische runde Formen vereinen sich mit filigranen Holmen und Mundstücken. Die Maserung war Ausgangsüberlegung der Form, die dann wiederum der Handschrift entsprechend auf den Klotz zugeschnitten wurde. Man erkennt gut, dass Gerhard eine gewisse Zeit über die Pfeife nachdenkt, bevor er anfängt zu arbeiten. Dieselbe Überlegtheit bemerkt man auch im Gespräch, das nur am Rande. Wenn die Form gefunden und grob herausgearbeitet ist, werden die größeren Spots gepflockt, also durch Holzteile verdübelt, die kleineren bleiben stehen. Die Köpfe sind fein verschliffen, alle Ansätze und Übergänge sind organisch verbunden und lassen keine Facetten erkennen. Da sind einige Bemühungen mit der Hand und kleinen Schleifpapieren erkennbar, das macht keine Schleifscheibe. Dieses Finish entspricht meiner Meinung nach auch wirklich Gerhards Naturell: Fertig heisst bei Gerhard gelungen, oder es ist eben nicht fertig. Ich sehe ihn im Geiste im Garten sitzen und mit feinem Schleifleinen wieder und wieder über die Pfeife fahren, bis sie wirklich rund und Ansatz-und kantenfrei fertig zum Beizen und Polieren ist. Dafür spricht auch, dass Gerhard einige Klötze mit der Handsäge vorschneidet, damit durch den langsamen Schnitt noch Zeit zur Korrektur bleibt ... Die Bohrungen sitzen exakt, die Tabakräume sind verschliffen und ausgeblasen. Die Mundstücke sitzen plan und gleiten mit polierten Zapfen in den Holm. Gerhard lässt die Form und das Material selbst sprechen, Verzierungen wie Ringe oder andere Applikationen sind seine Sache nicht. Sind wohl auch nicht nötig.
Fazit
Respekt, Gerhard. Erwähnen möchte ich noch, dass er spontan zwei seiner Pfeifen als Preis für den Wettbewerb spendete. Die Geste überzeugte ebenfalls. Da ich die Freude hatte, gestern und heute eine von den Pfeifen mit dem "W" einzurauchen, kann ich auch die Raucheigenschaften (zumindestens dieser Pfeife) loben. Danke, Gerhard, auch für die Diskussion einiger Fragen, die gewissermassen die "Betriebsgeheimnisse" der Zunft streiften.
Bilder
(Karl-Heinz Krebs)
(Karl-Heinz Krebs)
(Karl-Heinz Krebs)
(Wolf-Rüdiger Jürgens)
(Karl-Heinz Krebs)
(Karl-Heinz Krebs)
Eine kugelige Pfeife, die mich irgendwie an einen Fisch erinnert. Sie ist so ausbalanciert, daß sie sich aus fast jeder Lage aufstellt. (Nur aus fast jeder Lage - Gerhard hat die Wette, daß man sie nicht hinlegen kann, ohne daß sie sich wieder stellt, gegen meine Frau verloren ;-))
(Manfred Arenz)
Ein weiteres originelles Modell, grazil und doch mit Schwung - gut, daß Gerhard nicht mehr nur Filtermodelle fertigt ;-)
(Manfred Arenz)
Eine der Archetypen von Gerhard Wilhelm
(Manfred Arenz)