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Schneiderwind Banbridge
(Pfeifentabak)
| Markenname: | Schneiderwind |
| Mischung: | Virginia, Burley, Perique |
| Schnittbreite: | Flake |
| Typ: | leicht aromatisiert |
| Stärke: | medium-stark |
| Verpackung: | Rechteckdose 100gr. |
| Preis: | 15,50 Euro |
Jim Brendel
Wer sich bisher mit Ashton`s "Old London", Orlik`s "Dark Strong Kentucky" oder auch Mac Baren`s "Stockton" - ja, der Liga insgesamt sehr gern befriedete, wird im "Banbridge" einen Freund finden, den er zu entsprechenden Anlässen sicher nicht mehr missen möchte. Hier präsentiert sich ein Flake in bester Manier wie es sich der Virginialiebhaber wohl hier und da wünscht und eigentlich auch der wollende Aromatist seine Freude finden und haben könnte.
Understatement kommt die eckig goldene Büchse mit einem nicht ganz verlorenen Aufkleber daher. Gar nicht so recht angetan, im Geschäft erstanden zu werden. Nach dem Öffnen der Dose erinnert mich der Duft sofort an getrocknete Aprikosen und Rosinen, die sich in leichter Gärung befinden. Geradezu verleitend, den Inhalt anderweitig zu verkosten. Rehbraun mit heller Spränkelung zeigt sich der sauber eingelegte Flake in seinen Strängen. Das jedoch vom Hersteller auf dem unterseitig angebrachten Aufkleber angekündigte Nougataroma, erahne ich vorerst nicht einmal. Die Feuchtigkeit hält sich entsprechend in Grenzen, so dass dem sofortigen Rauchvergnügen nichts im Wege steht.
Auf geht`s also: Gezupft und gedreht eingebracht, sind die ersten Züge nasal prickelnd und erfrischend, gerade so, wie ich dieselben immer wieder beim OGS finde und mag. Dann wird es sehr schnell vollmundig, auch rauchig; Virginia, unterlegt mit der raffinierten Süsse seiner selbst und des Aromas. Und dennoch bleibt beides unterscheidbar! Ich kann hier durchaus von Schokoladenanklängen reden, in der absteigend weicher Kakao die Oberhand behält, ohne dabei bitter zu werden. Das mittlere Drittel hält alles bis dahin Erschmecktes, wobei hier wohl auch dem geübten Raucher der bis dato guthin spürbare Nikotinanteil feilich nicht verborgen geblieben sein wird. Für ganz früh am Tage oder einen Mittelwächter ist der "Banbridge" nicht geeignet. Der bisherigen Würze gesellt sich im weiteren Verlauf ein Aroma hinzu, das ich am "Dark Strong Kentucky" schätzen gelernt habe und auch bei manchem Rattray oder Asthon nicht suchen muss, sondern schlicht und ergreifend finde: Lakritz. Diese Variationen vereinen sich nun im letzten Drittel zum Schmankerl, das insofern seinesgleichen sucht.
Bei all der Glorie raucht sich der Tobak ohne Brennen oder Sottern, er glimmt ohne seitlich verkohlte oder im Nachhinein erst schwelende Strünke ab, so dass auch die oftmals zuletzt erfahrene Bitternis guterdings ausbleibt. Einen schnellen, kräftigen Zug, zu dem er jeweils verleiten mag, bestraft er nicht. Die letztendlich zurückbleibende hellgraue bis weisse Asche verrät obendrein die Güte des Tobaks.
Um nicht vollends in Rage zu geraten, sei gesagt: coram publico schneidet der "Banbridge" leider weniger gut ab. Mag es meinethalben am Burley oder auch an der Relativität liegen. Wahr ist, die Büchse dichtet nach dem Öffnen sehr schlecht, also umpacken.
Fazit:
Ein sehr guter und raffinierter Flake, der sich im "Blenden" an vielen bewährten Virginias orientiert, ohne dabei eine deutliche Eigenständigkeit nicht unter Beweis stellen zu können. Für den
Alltag eher untauglich, so bleibt er eher für bessere und ruhigere Stunden reserviert - ein Spitzentobak allenfalls. Daumen hoch und damit "sehr empfehlenswert".
(27.06.2004)