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Sillem's Black
(Pfeifentabak)
| Markenname: | Sillem's |
| Hersteller: | Kohlhaase & Kopp |
| Mischung: | Latakia, Black Cavendish, Burley, Virginia |
| Schnittbreite: | wild cut |
| Typ: | aromatisiert |
| Verpackung: | 100 Gramm Dose |
| Preis: | 19,80 Euro |
Peter B. Schmidt
So, es kommt die schöne Weihnachtszeit, das Rauchen am offenen Fenster wird immer schwieriger und die Nasen der "Umgebung" immer empfindlicher - es muss halt nach Weihnachten riechen. Also Zeit, statt meiner heißgeliebten Vriginia-Perique-Latakia-Orient-Rauhbeine mal etwas Raumbeduftendes auszuprobieren.
Bei einer Hausmesse bei Schneiderwind duftete mir eine ganze Weihnachtsbäckerei entgegen, aber ein bisserl Tabak war doch noch irgendwie da. Gefragt, antwortete der für den Raumduft Verantwortliche, es sei Sillem's Black, was da so duftet, und es sei eine /Latakia/ Mischung. Das ist schräg, das muss ich haben!
Flugs ein schmuckes Döschen erworben. Aus der Dose kommt ein - Weihnachtsduft. Sogar schon ungeöffnet ;-) Latakia? Um den zu riechen, musste mir Herr Offermanns erst einmal die K&K "Weihnachtskugel" (ähnlich sauciert?) unter die Nase halten - OK, Latakia ist im Sillems doch riechbar drin. Doch was auf der Dose steht, dass Latakia der Hauptbestandteil sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Es duftet sehr (extrem!) süß nach Weihnachtsbäckerei mit irgendwie Frucht.
Faszinierend, Captain! Muss ich das Räuchermännchen nicht für den Advent rauskramen, wie schön!
Amaretto, Zitrus, Gewürze - fast zu viel für meine englisch vernsnobbte Nase. Darf ich den Tabak eigentlich "Glühlatakia" nennen? Hier am Weihnachtsmarkt gibt's schliesslich auch "Glühwein" und "Glühbier"! Aber ich wollte es ja nicht anders: Auf zum Selbstversuch!
Der Schnitt ist "wild" - einige gigantische Virginia-Streifen von mehreren (4+) Millimetern Schnittbreite werden begleitet von munter bunt zerkleinertem Black Cavendish Stückchen und Bröseln und irgendwo dazwischen krümelt Orient, Burley und Latakia in verschiedenen Streifchen. Der Latakia ist eher klein im Blatt.
Skeptisch nehme ich erst einmal ein Tonpfeifchen (wegen des Crossovers), das war sogar eine gute Wahl, die beiden passen irgendwie zusammen (wer hat mich da gerade "Weckmann" gebrüllt ;-)? ). Die großen VA Stücke lassen sich noch ganz passabel stopfen, der Rest schlüpft in den Pfeifenkopf wie ein gut geöltes Frettchen. Nur die Feuchte... Aber bei der dichtungslosen Schmuckdose war das bald kein Thema mehr. Bei zu kleinen Köpfen gibt es Probleme mit den VA Streifen, man sollte schon nicht unter "mittel" gehen.
Das Zünden ist ebenfalls eine Wonne: einmal in Brand gesetzt, glimmt der Sillem's Black dienstbeflissen dem Pfeifenboden entgegen und verlöscht erst, wenn der erreicht ist. Der Brand ist trotz der Feuchte aus der Dose direkt einwandfrei, das ist wohl dem BC zu verdanken - es bleibt recht helle, trockene Asche. Auch Sottern kann ich nicht wirklich beklagen, das hält sich im BC typischen Rahmen - für einen so stark aromatisierten Tabak ist das überraschend!
Die ersten Züge bestätigen alle Alarmsignale der Nase: Süß! Süß! Süß! Aber - oh Wunder: Da ist ja auch Latakia! Zimt, Amaretto, Nelken und eine Spur von Zitrus meine ich auch zu erschnüffeln, etwas Burley macht daraus "Gebrannte Paradiesmandeln mit 'nem Glas Glühwein", doch der "Tabakfreie" Geschmack anderer Aromaten wird wirkungsvoll durch den Latakia verhindert. Sahnig, rund und fruchtig - wie all die Schweinereien, mit denen man zu Weihnachten auch sonst das Kampfgewicht aufbessert. Je näher man dem Pfeifenboden rückt, desto mehr meldet sich die nun richtig anständig scheinende Tabakbasis - schön! Ich kenne das von billigeren Mischungen nur, dass am Ende eine Pampe von abgeduftetem Cavendish in karamellisertem Zucker kokelt, das ist beim Sillem's Black definitiv nicht der Fall.
Ich habe sogar noch einen Filter gefunden (AkFi) und in eine uralte Polo gepackt, die Aromatisierung und der Tabakgeschmack werden davon gedämpft, es kommt eine etwas "staubige" Geschmacksnote dazu (wie lange lag der Filter eigentlich...? Ach, egal ;-) ) - wer die echte Aromabombe haben will, kann den Filter IMHO ruhig weglassen. Die Polo (meine zweite Pfeife überhaupt!) hat noch einige weitere Füllungen "verduften" lassen, aber oFi - mir schmeckt das einfach besser so, das ist halt die pure Breitseite.
Irgendwie schwanke ich zwischen Faszination und Entsetzen: Eigentlich ist das genau so eine Aromabombe, gegen die ich mit meiner wackeren Stute Rosinante in die Schlacht ziehen wollte, aber ... (nnnnnngh!) aber ... (nnnnnnngh!) ... aber (nnnghsprkrz!) aber ...... /der ist ja gar nicht schlecht/ (puh)!
Also so als "Naschi", so ganz im Geheimen, werde ich wohl die Dose leersündigen - danach wird Weihnachten wohl vorbei sein und ich kann mich als geheilt entlassen, aber nächsten Advent... wer weiß, wer weiß.... Es sind jedenfalls bedenklich viele Füllungen verduftet, wo ich doch eigentlich keine Aromaten zu mögen meine...
Fazit:
Ich werde sicherlich die Adventszeit mit weiteren Rauchopfern aus der schwarzen Schmuckdose "versüßen". Erstes Urteil: Ein klarer Jahreszeiten-Tabak, den kann ich mir nicht im Liegestuhl am Strand vorstellen - aber wenn die Heizung wohlig bollert, werde ich gerne noch mehr davon genießen, und da ja auch Latakia drin ist (und zu schmecken ist!), hab ich gar ein Alibi für's Süßkramnaschen. Der Daumen stützt gerade die Tonpfeife, wo der sonst wäre, vermag ich gar nicht so recht sagen - der Tabak ist nicht billig, aber irgendwie auch sehr speziell und für schlecht gemacht halte ich ihn nicht. Also Daumen ... verflixt, jetzt ist die Tonpfeife hin!
(24.11.2006)
Manfred Arenz
Der Empfehlung Peter`s möchte ich mich als Süßkram-Liebhaber mit englischen Seitensprung-Gelüsten anschließen.
Der Tabak kommt vom Schnitt her den zur Zeit üblichen Wild-Cut Mischungen nahe, die Aromanote ist deutlich und süß Richtung Amaretto/Kirsch, mit einer deutlich rauchigen Note welche aber weder scharf noch dumpf wirkt.
Ein wenig erinnert der Sillems Black mich an den Blackberry von Ermuri, auch hier sind die süß-aromatische mit der rauchigen Komponente fein ausbalanciert, so daß Liebhaber beider Richtungen (so sie denn dies Crossover versuchen möchten) auf ihre Kosten kommen.
Fazit:
Eine hochwertige Mischung, die sehr gut beide Seiten der Macht bedient und keine dieser Richtungen vermissen läßt!
(11.02.2007)