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Van Halteren Black and Mild
(Pfeifentabak)
| Markenname: | Van Halteren |
| Hersteller: | Planta |
| Mischung: | Black Cavendish |
| Schnittbreite: | Größtenteils schmal und recht kurz |
| Typ: | aromatisiert |
| Stärke: | leicht |
| Verpackung: | 50g Pouch, 100g u. 200g Dose |
| Preis: | 9,25 / 18,25 / 36,00 DM |
Detlev Büscher
Da ich diesen Tabak mittlerweile seit etwa 20 Jahren kenne und immer noch rauche, ist es wahrscheinlich an mir, ein erstes Review zu Black and Mild zu schreiben.
Ich fange mal ganz sachlich an: Der Tabak ist (fast ganz) schwarz und mild auf der Zunge, sofern man nicht gerade seine allererste Pfeife raucht. Eine Aromatisierung ist zwar nirgendwo explizit erwähnt, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ein selbst im Black Cavendish-Verfahren hergestellter Tabak, ohne weitere Aromatisierung auf diese Art und Weise zu schmecken imstande ist.
Er ist, wie schon erwähnt, nahezu schwarz. Sieht man genau hin, entdeckt man in sehr geringem Maße dunkelbraune Anteile. Nicht allzu breit und ziemlich kurz, fast krümelig geschnitten. Man findet aber auch wenige etwas längere, härtere Stängelanteile, die beim Stopfen nicht weiter stören. Nikotinmäßig empfinde ich den Tabak eher als leicht, ein ganz klein wenig in Richtung "medium" tendierend.
Ganz genau kann ich es nicht mehr nachhalten, aber Ende der siebziger, spätestens Anfang der achtziger Jahre wurden mir zwei neu auf den Markt gekommene Tabake von meiner derzeitigen Tabakhändlerin empfohlen. Es handelte sich um Black and Mild und Black and Bright von Van Halteren. Black and Bright wurde etwas später in Black and Blond umbenannt. Ich entschied mich erst mal für Black and Mild. Die 50g Rechteck-Dose kostete damals übrigens 6,00 DM; heute gibt es 50g nur noch im Pouch. Zuhause öffnete ich die Dose, schnupperte daran, fiel fast hintenüber und meinte "Boah ej, watt is' datt denn???" (Man verzeihe mir den Slang, Ruhrgebiet.) Einen derartigen Geruch, fast in der Nase stechend, wenn man direkt nach dem Öffnen riecht, hatte ich bislang noch nicht kennengelernt. Ich stopfte eine Pfeife, zündete den Tabak an und konnte es kaum fassen: Der Tabak schmeckte während des Anzünd-Vorgangs bereits besser als so manche andere während ihrer besten Phase. Mit anderen Worten: Schmeckt sogar schon direkt beim Anzünden. Ich rauchte und rauchte und bemerkte ab und an, dass ich den einen oder anderen Zug ausließ, da ich aufgrund meines begeisterten Grinsens einfach nicht die Lippen zusammen bringen konnte. Natürlich ist dabei zu berücksichtigen, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch kein allzu tabak-erfahrener Pfeifenraucher war; der Tabak ist als Nummer 13 in meiner Gesamtliste aufgeführt.
Etwa bei der dritten Füllung bemerkte mein Vater sehr nachdrücklich (ich war damals knapp 20 und wohnte noch bei meinen Eltern), dass ihm der Geruch des Tabaks Atembeschwerden verursachen würde, obwohl ich in einem anderen Zimmer mit geschlossener Tür rauchte. Er verbot (!) mir, diesen Tabak erneut zu rauchen. Meine Mutter dagegen beurteilte die Raumnote als sehr angenehm. Gefiel ihr besser als alles, was ich bis dahin geraucht hatte. Da ich annahm, dass die Atembeschwerden evtl. eingebildet waren, machte ich nach jeweils längeren Zeitabständen noch zwei Versuche, wurde aber eines Besseren belehrt...
Wie schmeckt er denn nun: Es ist immer schwierig, Vergleiche aus dem Bereich "Essen & Trinken" heranzuziehen. Aber auch mit anderen Tabaken kann ich ihn nicht vergleichen. Liegt möglicherweise daran, dass ich bislang erst gut siebzig Tabake probiert habe. Mit etwas Phantasie kann man eine gewisse Parallele zu der Füllung von belgischen Pralinen mit alkoholischer Komponente erkennen, obwohl der Vergleich sehr subjektiv ist und auf heftiger Überlegung basiert. Auch die letzten Krümel einer Füllung empfindet der kundige Raucher, obwohl etwas schärfer werdend, aber im Geschmack nicht nachlassend, als angenehm. Das setzt allerdings voraus, dass sie nicht zu heiß abgefackelt werden. Langsam geraucht entsteht eine sehr helle, fast weiße Asche. Die Raumnote wird von verschiedenen Leuten nach wie vor widersprüchlich beurteilt, obwohl später niemand mehr über Atembeschwerden klagte.
Immer wenn es in meiner langjährigen "Pfeifenraucherkarriere" eine Pause gab, brachte mich die Erinnerung an Black and Mild dazu, meine Pfeifen erneut zu reaktivieren. Gerade nach einer Pfeifenabstinenz von ein paar Monaten "schraubt" sich der Geschmack dermaßen in die Wahrnehmung, dass man wirklich begeistert ist (harmlos ausgedrückt). Als erfahrener, wohlmöglich latakiagestählter Pfeifenraucher wird man Black and Mild sicher gelassener beurteilen.
Fazit:
Neueinsteigern und Rauchern, die sich beim Gedanken an aromatisierte Tabake nicht direkt schütteln müssen, möchte ich Black and Mild gerne empfehlen. Würztabakerprobte Naturburschen mögen für diesen Tabak vielleicht nur ein müdes Mundwinkelzucken übrig haben. Was mich angeht: Immer wenn Black and Mild leer ist, muss ich zum Tabakladen.
Uwe Hesse
Nomen est omen: die Sortenbezeichnung dieses "Luxury Black Tobacco" aus der berühmten Berliner Tabakmanufaktur ist Programm, schwarzer und dunkler Black Cavendish relativ breit geschnitten (keine harte BC-Kohle) und eine Milde, die einen vergessen lässt, vorgeblich Tabak zu rauchen.
Aus dem Pouch schlägt mir ein deutlicher Fruchtduft entgegen, ähnlich dem diverser Holger Danske Billigaromaten aus gleichem Stall. Einmal angezündet, brennt die Ladung fast von selbst ab. Für Raucher, die so wie ich manchmal Probleme mit dem Inganghalten der Pfeife haben, ist diese Sorte diesbezüglich die ideale Alternative. Selbst fünf Minuten die Pfeife wegstellen macht der Glut nichts aus, da hat der Planta- Brandbeschleunigermeister ganze Arbeit geleistet. Ein Tipp am Rande: Falls in der Grillsaison die Glut nicht gelingen will, einfach einige Pfeifenfüllungen Black & Mild dazu streuen und dann klappt es auch mit dem Grillvergnügen, mit der NachbarIn, später in der Nachtbar ...
Aber ich schweife ab, zurück zum Rauchvergnügen, davon kann ich leider kaum Positives berichten. Das ursprünglicher Tabakgeschmack durch meinen Stanwell-Filter strömt, habe ich nicht erwartet, diese Charakteristik teilt dieser schon lange erhältliche Aromat der untersten Preislage mit fast allen modernen Mild & Light BC-Tabaken. Negativ ist die konstant chemisch schmeckende Grundnote als ob ich muffige getrocknete Pilze in der Pfeife rauchen würde, diese würde zumindest dem o. g. Grillgut eine besondere aromatische Note geben. Eine andere Beschreibung die mir passend erscheint, ist der Geschmack nach stundenlang geköchelter Champignoncremesuppe aus der Kantine. Die Raumnote riecht schon fast penetrant süß nach Vanille o. ä. und ist so kräftig, dass man den Black & Mild Raucher im Umkreis von Hunderten Metern problemlos orten kann. Meine schöne Nachbarin schaute gerade besorgt herüber, ob mir vielleicht ein Chemieunfall in meinem Privatlabor passiert sei? Der Tabak verbrennt mit relativ wenig Kondensat zu blütenweißer (Dunhill-) Asche, wobei ich diese nicht wirklich positiv deuten kann. Übrigens, der Tabak ist ein "Knacker", nicht wegen seines Alters, sondern wegen seiner vereinzelt lauten Geräusche beim Abbrand der enthaltenen Tabakstrünke, wie ich sie jeweils nur bei billigen Planta- und Poescheltabaken erlebt habe, soviel zur Qualität der Tabakgrundlage, die aber bei BC ohnehin sekundär ist.
Fazit:
50 Gramm Grillanzünder kann man günstiger einkaufen. Ich muss jetzt schließen, und meine Nachbarin beruhigen - dann kann Black & Mild doch noch seine eigentliche Bestimmung bei der nächsten Grillparty finden ;-))
(23.06.2002)