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Wehde Calabash
(Pfeifentabak)
| Markenname: | Wehde |
| Hersteller: | früher Wehde, jetzt Kohlhaase und Kopp |
| Mischung: | Bright Virginia, Kentucky, Perique (Latakia(?)) |
| Schnittbreite: | Ribbon Cut, mittel- und kurzfaserig |
| Typ: | naturbelassen |
| Stärke: | leicht-medium |
| Verpackung: | 50g Runddose |
| Preis: | 6,15 Euro |
Rolf Öttking
Manchmal ist das Neuste nicht auch das Beste. in diesem Falle ist es besser eine ältere Version (hier: 1986) des Tabakbreviers zu besitzen. Holtappels und Blank schreiben nämlich über den ursprünglichen WD Calabash:
"Hauptsächlich US- Virginia- Tabake aus Virginia, Carolina und Georgia. Zur Würze tragen Kentucky, dark-fired Virginia Perique und Latakia bei. Ganz dezent rauchig, verhältnismäßig neutral. Für Raucher, die eine ganz leichte englische Mischung bevorzugen."
Mir liegen, neben dem Dosentext und der Version 1996 des Tabakbreviers, insgesamt drei Besprechungen vor und nach meiner Meinung kommt diese dem Tabak am nächsten.
Beginnen wir aber von vorn: Die Dose beinhaltet einen Tabak, der wirklich sehr dezent, aber trotzdem spürbar, Latakia beinhaltet. Ein Flavour ist nicht zu bemerken. Im tabakbild herrschen die mittelbraunen Anteile vor, von denen sich die dunklen Würztabake und die hellen Virgina-Anteile (insgesamt etwa 10-15%) abheben. Der Schnitt ist gleichmäßig mittel- und kurzfaserig mit wenigen langfaserigen Anteilen.
Der Tabak ist gut konditioniert und bleibt in der Runddose auf diesem Niveau, wenn man diese gut verschließt. (Ich verwende häufig Isolierband, um angebrochene Dosen neu zu verschließen. Die Tabake halten dann ihre Kondition recht lang, nur in den Momente des Befüllens verfliegt ein wenig Feuchtigkeit, was aber vernachlässigbar ist.) Das Befüllen ist ebenso unkompliziert wie das Entzünden, auch aus der frisch geöffneten Dose entnommener Tabak brennt sofort an und glimmt unkompliziert ab. Ein Casing ist offensichtlich nicht vorhanden. Ein Anzeichen dafür ist, daß die Oberfläche des Tabaks nicht verbackt, wie dies bei vielen, häufig süß soßierten Tabaken der Fall ist. In den ersten Momenten schon eröffnet sich ein netter, süßlicher Tabakgeschmack mit ganz dezent rauchigem Aroma (also doch Latakia (?), auch wenn weder auf dem Dosentext (siehe dort), noch im neuen Holtappels davon die Rede ist). Nach kurzer Zeit entwickelt sich neben der Rauchigkeit eine leicht fruchtige, an Pflaumen erinnernde Note, wird zu Beginn der zweiten Hälfte auch stärker. Dominant während der gesamten Füllung ist aber der Virginia-Geschmack, der sich mit den geringen Kentucky- und Darkfired-Anteilen gut mischt. Zum Ende der Füllung wird der Tabak ein wenig herber, ohne aber bitter zu werden. Das Abbrandverhalten des Tabaks ist während der gesamten Füllung unkompliziert, man kann ohne Anstrengung und ohne Nachfeuern trocken abrauchen und findet dann mittel- bis hellgraue trockene Asche in der Pfeife vor.
Geraucht: 50gr + die Review-Füllung in div. Latakia- gewohnten Pfeifen, aber auch in Kalabash (Nomen est Omen ;-) sowohl mit AKF als auch oFi.
Fazit:
Ein unkomplizierter Tabak, der gut schmeckt und problemlos handzuhaben ist. Sicherlich kein Highlight an Komplexität und ob seiner Leichtigkeit eher für den Vormittag geeignet, aber auch zum Einrauchen neuer Pfeifen. Als Alltagstabak vielleicht ein wenig zu harmlos, aber durchaus für Anfänger als Einstieg in die Welt der englischen Tabake geeignet. Bedingt empfehlenswert, oder mit der Daumensprache: eher waagerecht bis aufwärts (30°).
(26.05.2003)
Detlev Büscher
Die Tabakbeschreibung auf der Unterseite der 50g Rund-Dose listet eine ganze Reihe von Mischungsbestandteilen: Bright Tobaccos (Virginia, Georgia, Carolina usw.) ein leichter Zusatz von Kentucky, eine geringe Beigabe von Perique und eine geringe Soßierung. Zusaetzliche Aromen (Flavourings) sollen aber nicht verwendet worden sein. Somit gehoert die Finest Calabash Mixture zu den naturbelassenen Tabaken.
Passend zur Beschreibung wirkt das Mischungsbild ziemlich lebhaft. Verschiedene Brauntoene von mittel bis hellbraun und einige schwarze Tabakfasern sind zu entdecken. Mixturetypisch laesst sich der Schnitt als eher schmal bezeichnen. Der Duft des nicht angezuendeten Tabaks ist tabakig-suesslich-pikant (die Herstellerbeschreibung spricht durchaus treffend von "weinartig - blumig") und weckt das Interesse durch eine dezent wuerzige, rauchige Note, die den etwas erfahreneren Raucher umgehend an Latakia denken laesst, obwohl dieser Wuerztabak nicht in der o.g. Tabakbeschreibung vorkommt. Aber zu diesem Thema hat Rolf ja bereits einiges geschrieben.
Die Calabash Mixture ist im Vergleich zu anderen Tabaken von K&K nicht zu feucht, haelt diese Feuchte aber trotzdem gut, auch bei einem etwas laengeren Verbrauchszeitraum. Aufgrund des unkomplizierten Schnitts und der optimalen Konditionierung sind die Stopf- Anzuend- und Raucheigenschaften nahezu vorbildlich.
Nur der Wahl der Pfeife sollte eine gewisse Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ich rate trotz des offensichtlichen Latakiaanteils zu einer Pfeife, die an naturbelassenen Virginia oder an Virginia/Orient-Mischungen gewoehnt ist. Nur in einer solchen Pfeife kann die Calabash Mixture ihre Vielschichtigkeit, ihren Aromenreichtum und ihre Nuancen zeigen. Bereits die ersten Zuege sind ein ganz besonderer Genuss. Ein Duftcocktail, weich-sueffig und pikant-rauchig, den man sich bei vorsichtiger, zurueckhaltender Rauchtechnik gut und gern bis zur ersten Halbzeit bewahren kann. Bei dieser Mixture wurde der Wuerztabak tatsaechlich im urspuenglichen Wortsinn eingesetzt, um naemlich dem Gesamtgeschmack eine gewisse rauchig-wuerzige Komponente zu verleihen. Im Vergleich zu vielen latakiadominierten Mischungen empfinde ich die Finest Calabash Mixture tatsaechlich als etwas Besonderes. Trotzdem ist hier der Latakia immer noch deutlicher wahrzunehmen als beim "Latakia Blend" von Mac Baren. Im weiteren Verlauf der Fuellung wird der Geschmack dichter, die verschiedenen Aromen verbinden sich staerker zu einem Gesamteindruck, der etwas weniger "aufregend", aber selbstverstaendlich immer noch angenehm ist. Ein Nachlassen des Geschmacks oder ein Bitterwerden gibt es nicht.
Doch wieso rate ich nicht zur Verwendung einer Latakiapfeife? Ich habe es natuerlich auch mal mit einer solchen probiert, doch das Ergebnis war verblueffend: Das Latakiacrossover war deutlich staerker als das Latakiaaroma, das dem Tabak von Haus aus zu eigen ist. Dadurch wurde das, was ich an dem Tabak schaetze, groesstenteils ueberdeckt und der Geschmack entsprach dem eines durchschnittlichen Englaenders. Nicht unbedingt schlecht, aber leider auch nichts Besonderes mehr.
In wie weit die Raumnote vom Latakia bestimmt wird, kann ich leider nicht sagen. Die Leute, denen ich ueblicherweise etwas vorrauche, moegen auch den Duft von Latakia. Demzufolge hat sich auch bei der Calabash Mixture niemand beschwert. Die Raumnote wurde immer als angenehm beschrieben.
Obwohl es die Finest Calabash Mixture schon lange gibt, war der Tabak fuer mich eine echte Entdeckung. Dadurch wurde meine Aufmerksamkeit auch mal wieder auf latakiahaltige Tabake gelenkt, die aber trotzdem nicht mit Latakiaanteilen von 40% oder mehr aufwarten.
Fazit:
Wenn es mal etwas dezent Rauchiges sein darf, sollte man es ruhig mit der Finest Calabash Mixture probieren.
(07.11.03)