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Capstan Medium Navy Cut

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Imperial Capstan Medium Navy Cut (blau)

(Pfeifentabak)

Markenname:Imperial
Hersteller:Imperial Tobacco Liverpool England
Schnittbreite:Flake
Typ:naturbelassen
Stärke:medium
Verpackung:50 g Dose
Preis:EUR 9,85 (März 2011)

Wolfgang Wörner

Dieser Tabak ist in relativ große Streifen geschnitten (ca. 4,5 x 7,5 cm), die etwas mehr als einen mm dick sind und die ganze Dose ausfüllen.
Die Scheiben sind sehr stark gepresst und miteinander verklebt, so dass es etwas Mühe bereitet sie aus der Dose zu lösen. Bein Öffnen der Dose ist nur ein relativ schwacher Geruch wahrnehmbar, den ich allerdings nicht genau zuordnen kann (irgendetwas fruchtiges, grasiges).

Ich habe den Flake nur leicht aufgerieben und die Pfeife mit den recht groben Fasern gestopft. Wenn der Tabak in Brand gesetzt wird entwickelt sich schon nach wenigen Zügen ein angenehm schokoladig/cremiger Geschmack . Gelegentlich ist ganz schwach das "Bulldog"-Aroma wahrnehmbar (Richtung Parfum/ Rasierwasser/Seife). Allerdings ist es nur so dezent wahrnehmbar dass es keinesfalls störend wirkt. Der Tabak verändert seinen Geschmack auch Ende der Pfeife nicht sonderlich und verbrennt zu relativ grober, dunkler Asche. Der Tabak ist nicht zu schwach aber auch kein "Hammer", obwohl er IMO reichlich Nikotin enthält.

Fazit:
Ein Flake den man zwar rauchen kann, den ich aber nicht in meinen ständigen Bestand aufnehmen werde weil er nicht die Geschmacksfülle entwickelt wie manche andere Flakes.


Frank Nicolai

Der blaue Capstan ist vom Anblick her eindeutig der dunklere Bruder des Capstan gelb. Tabakschnitt und Konsistenz entsprechen dem des gelben; hier jedoch nicht ganz so klebrig; so dass sich der Tabak auch Knicken und Falten und Stopfen lässt.
Wenn ich den Geruch des Capstan gelb als "Sommerheu mit einer Spur von spritziger Säure" beschrieb, so assoziiert der blaue etwas wie Herbst. Das Heu beginnt schon weich und feucht zu werden und in den Geruch mischt sich etwas Dumpf-dunkles. Die Säure scheint durch die längeren Presszeiten des Tabaks fast vollständig verloren gegangen zu sein (vorausgesetzt, es ist der gleiche Grundtabak). Dafür hat der Tabak einen höheren Nikotingehalt.

Im Geschmack dominiert der reine Tabak, untermalt von einer Würze, die das Gefühl von Fülle gibt. Der Tabak erinnert mich etwas an den Skippers; ohne jedoch die manchmal anwesende Strenge dessen zu haben. Der Capstan blau ist eher weich und insgesamt runder; was ihn andererseits aber auch ein bissel langweiliger als den Skippers macht. Der Abbrand ist vorbildlich. Nach einem ziemlich langen Rauchgenuss bleiben einige Krümel unverbrannten Tabaks über, die in der feinen Asche liegen.

Fazit:
Der Capstan Medium Navy Cut (blau) ist ein hochwertiger Tabak, den ich gern im späteren Verlauf des Tages rauche. Wenn ich mir beim gelben Capstan nicht sicher bin, ob ich ihn immer wieder kaufen werde, weil es bei den leichteren VA-Flakes viele gute Sorten gibt; beim blauen bin ich mir dessen sicher.

(16.03.2001)


Björn Hollensteiner

Angeregt durch einige Reviews diesen Tabak betreffend und angesichts der Tatsache, dass es sich um einen Virginiaflake handelt, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, mal ein Döschen vom Capstan "Blau" aus Köln mitzubringen. Auch konnte ich nicht widerstehen, dieses noch am selben Tag zu öffnen und den Inhalt zu probieren, obwohl ich doch schon so viel Tabak offen habe. Bereut habe ich es nicht.

Der Capstan wird soweit mir bekannt (da kann man sich aber auch derbe täuschen) noch in England hergestellt und von Orlik vertrieben. Er ist in einem recht unscheinbaren Döschen verpackt. Mittlerweile wecken solche Döschen meine Aufmerksamkeit, da es der Inhalt offenbar nicht nötig hat, durch eine schreiend bunte oder überstilisierte Verpackung den Pfeifenraucher zum Kauf zu animieren.

In der Dose liegt ein Block, von helleren Fasern durchzogenen, ebenholzfarbenen Flakescheiben, welche etwas dicker als typische Kohlhaase-/DTM-Flakes sind, aber das Gawith-Gardemaß noch nicht erreichen. Somit stellen sie, was die Aufbereitungsmaßnahmen angehen, einen guten Kompromiss zwischen den beiden genannten Formen dar. Der Geruch aus der Dose ist tabakecht heuig, säuerlich mit dezenten Fruchtnoten, die von einem Casing herrühren dürften. Ich empfehle, den Tabak aufzurubbeln, bevor er in die Pfeife kommt. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist der Capstan Blau ein ziemlich langsam glimmender Tabak. Eine kleine Füllung kann durchaus länger als eine Stunde dauern. Zum anderen geht der Tabak schnell und gerne wieder aus, was durch zu große unaufgerubbelte Tabakstücke noch unterstützt wird.

Der Flake kann problemlos ohne Filter geraucht werden, er ist ein ausgesprochener Zungenschmeichler, ohne dabei zu leicht zu sein. Im Geruch ist er sehr tabakecht, er duftet heuig-süß, wobei im Gegensatz zum Gawith Best Brown die Süße stärker und das Heuige geringer ausgeprägt ist. Der Capstan "Blau" ist da ähnlicher dem Full Virginia Flake. Der Rauch hat Volumen und Charakter, im Abgang entwickelt sich ein sehr angenehmer seidiger Geruchseindruck. Man sollte sich die Zeit nehmen, den Tabak ruhig ein paar mal ausgehen zu lassen, der Tabak schmeckt nach jedem Anzünden wieder gut. Gegen Ende der Füllung wird der Rauch etwas herber, was wohl an der langen Rauchdauer liegen mag. Übrig bleibt dunkelgraue Asche.

Fazit:
Ein qualitativ hochwertiger Virginia-Flake, den ich bedenkenlos empfehlen kann. Sieht man mal von den Brandeigenschaften ab, bietet der Tabak eigentlich alles, was sich der Liebhaber wünscht. Er erreicht zwar nicht ganz die Qualitäten von Samuel Gawith, ist aber deutlich im oberen Drittel der Virginiaflakes angesiedelt.

(03.04.2001)


Klaus Schmidt

Als ich den Capstan das erste mal kaufte, das sollte Anfang der 90er Jahre gewesen sein, war mein erster Gedanke beim Schnüffeln nach dem Öffnen der Dose: „Oh Gott – Nivea!“.
Als ich diese Dose geraucht hatte, blieb es auch bei dieser einen Dose: ich war eigentlich ein Ein-Tabak-Raucher, zu der Zeit rauchte ich beinahe ausschließlich Dunhill London Mixture, und für gelegentliche Ausflüge in die Welt des Virginias gab es den unerreichten Sobranie-Flake, da kam der Capstan damals nicht annähernd bei mir ran.

Einige Jahre später, angeregt durch daft, war‘s vorbei mit der Herrlichkeit: Eine Menge Tabake wurden probiert, und die Richtung wurde gewechselt: Ich schoss mich auf VA und VA/Pe Flakes ein. Viel wurde probiert, einiges aus der Schweiz geordert, es wurde verglichen und geschnüffelt. In diesem Prozess – der mich am Ende sogar todesmutig RB in eine irgendwas schubsen ließ – wurde ich deutlich unempfindlicher gegen die Soapy Aromen, im Gegenteil: Sie begannen mir zu gefallen, und ich wurde geradezu süchtig nach dem Seifenkick.

In dieser Zeit fiel mir dann bei PH wieder eine Dose Capstan in die Hände, und es war – sozusagen – um mich geschehen: „Mhmm – Nivea!“

Der Capstan ist von seiner Konsistenz ein klassischer englischer Flake, wobei anzumerken wäre, dass die SG und GH Flakes eigentlich eher betonartig gegen die Klassiker der Szene wirken. Dünne, feste, aber mit leichtem rubbeln locker zerfallende Flakescheiben liegen in einer blauen Dose. Der Geruch ist oberflächlich in der Tat an Nivea erinnernd, bei genauem Schnüffeln lassen sich aber sowohl Trauben als auch Heuaromen erriechen. Den dunklen Geruch, den einige VA_Flakes verströmen, der an geröstetes Brot und Trockenpflaumen erinnert, sucht man beim Capstan vergeblich. Er ist sozusagen ein Yoda und kein Darth Vader Virginia Flake.

Ich selbst rauche den Capstan leicht aufgerubbelt, locker in kleine und mittlere Pfeifen appliziert. Er hat gerne Luft, das heißt: zu festes Stopfen quittiert er, indem er die ihm sonst eigene hervorragende Süße versagt, und auch ansonsten seine Aromenkomplexe lieber bei sich behält. Es tut ihm Geschmacklich unglaublich gut, wenn man durch die Pfeife atmet, und ihn nur ab und an etwas leicht nippend dazu auffordert, etwas mehr Rauch abzugeben. So geraucht ist er im Abbrand problemlos.

Der Capstan beginnt nach dem Anzünden sehr „hell“, also eher heuig harmlos, aber von Beginn an sind süße Obertöne vorhanden, die den gesamten Rauchprozess über vorhanden sind. Das Schöne und Komplexe am Capstan aber ist, dass er sich beinahe Millimeter um Millimeter die der Abbrand sich dem Boden nähert, in seinen Aromen verändert:

Die Süße wird dunkler und erdiger, das Heuige tritt in den Hintergrund und macht einem Geschmack, der an Trauben erinnert Platz, der in der Mitte von vanillinen Tönen begleitet wird. Immer wieder vermischen sich diese Aromen zu einer noch nicht wahrgenommen Geschmacksexplosion, die auch gelegentlich nach einigen 100 Capstanpfeifen überraschen kann.

Der Tabak hat Nikotin, aber nicht im Übermaß. Er ist immer der erste, den ich am Morgen auf dem Weg zur Arbeit oder am Wochenende auf dem Spaziergang mit dem Hund rauche. Er macht munter, und was kann einem in der Frühe schon besseres passieren, als seine Zunge und seinen Kreislauf auf Touren zu bringen.

Fazit:
Tja – ich bin ein Fanboy, wie soll man Fazit schon aussehen? Wozu in die Ferne schweifen, ist der Capstan doch so nah‘! Daumen nach oben, der Capstan will geraucht, erschlossen und genossen werden und bietet meiner Meinung nach dem Aromatenraucher so viel Abwechslung wie den VA-Flake Experten. Sollte es mal keinen Capstan mehr geben, werde ich den Schuldigen finden, und dann wird er gepöschelt.

(25.03.2011)

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