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Chateau Henri No 44

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Peter Heinrichs Chateau Henri No. 44

(Pfeifentabak)

Markenname:Peter Heinrichs
Hersteller:Kohlhaase & Kopp ?
Mischung:Virginia, Kentucky
Schnittbreite:Flake
Typ:naturbelassen
Stärke:medium
Verpackung:100g
Preis:15,20 Euro

Andreas Berberich

Beim Öffnen der Dose offenbart sich mir ein wunderbarer Anblick: unterschiedlich große, schwarze, durch einige wenige helle Einschüsse aufgelockerte Flakescheiben lugen mich an. Diese sich optisch offenbarende "schwarze Kraft" wird nur durch den Geruch übertroffen: schwer, dunkel; Aromen von Pumpernickel und Torf kommen mir entgegen, Assoziationen mit regendurchtränkten, sattgrünen Hügeln steigen auf; Meer, das mit Urgewalt gegen eine zerklüftete Steilküste schlägt, wird sichtbar. Nichts ist jetzt wichtiger, als meine Pfeife mit diesem Tabak zu stopfen: Ich nehme die Flakescheiben und zerreibe sie vorsichtig, da diese fest gepresst wurden, und leicht zu krümeln drohen. Unten die größeren Stücke, nach oben die kleineren, die ich zum Schluss fest eindrehe. Dadurch lässt sich die Pfeife mit einem Streichholz auf ganzer Fläche anzünden. Der Tabak ist von Beginn an ein Genuss. Voll fließt er in meinem Mund, und er scheint sich an Gaumen und Zunge anzuschmiegen. Tabakgewordenes Guinnes: Stark und Kraftvoll, und doch mit einer hintergründigen Süße ausgestattet, welche im Zusammenspiel mit dem Latakia ein Feuerwerk von Geschmacksnuancen bereithält: Geröstetes Brot Anklänge von Honig, Ingwer und Ale. Wenn ich den Rauch aus meinem Mund lasse, erwarte ich, dass er sofort wie ein schwerer Nebel heruntersinkt, und sich über dem Boden ausbreitet. Der Tabak lässt sich kühl rauchen, und seine Komplexität an Aromen verlangt dies auch. Noch langsamer als sonst rauche ich die Pfeife zu Ende. Ohne Gesotter oder Bitternis lässt der Tabak dies mit sich machen. immer wieder kommen neue Nuancen zum Vorschein. Ein eleganter, auf keinen Fall zu junger Port war der ideale Begleiter. Der Chateau No. 44 ist eine einmalige Mixture. Hier ist das Wort angebracht: Der Chateau 44 ist eine Delikatesse. Daher auch kein Tabak für jeden Tag: Er verlangt nach einem entspannten Abend, der es einem ermöglicht, seine ganze Aufmerksamkeit diesem Tabak zukommen zu lassen. Dies ist der Tabak, mit dem man nach dem Weihnachtsessen vor der Verwandtschaft in ein ruhiges Zimmer flieht, und mit welchem man dann 2 bis 3 Stunden alleine sein will. Ein Anfängertabak? Auf jeden Fall!! Denn wo steht geschrieben, dass man sich erst jahrelang Pfeife und Zunge mit schlechten Tabaken a la P.. ruinieren muss, ehe man zu den wirklichen Highlights des Raucherlebens kommt? Der No. 44 lässt sich besonders gut aus Pfeifen mit einem großen Füllvolumen rauchen (Dieser Tabak ist der Grund weshalb ich mir beinahe einmal eine Pfeife von Manger Marke "Nashorntotschläger" gekauft hätte ;-)) Die Raumnote ist tabakecht, und es überwiegt hierbei der Virginia. Die Stärke ist zwischen Medium und Stark.

(28.08.2000)


Willi Albrecht

Chateau No. 44 wird in der Heinrichs-typischen 100g-Dose geliefert in der sich verschieden große Flake- Stücke und -Scheiben befinden. Schwarz mit ganz wenigen hellen Anteilen offenbart sich ein Tabak, den ich mit keiner, mir bekannten Mixture vergleichen kann. Der Geruch ungeraucht wird bestimmt von einem teerigen, schweren Duft, der gleich den Appetit auf einen Islay-Malt oder/und einen starken Espresso aufkommen lässt. Ein einziger, wenn auch unzulänglicher Anhaltspunkt, wäre Holly´s Discovery. Da die Flakes sehr hart gepresst sind, besteht die Gefahr, das der Tabak beim Stopfen leicht zu Staub zerfällt. Vorsichtig fülle ich also einige kleinere Teile in die Larsen und drehe dann längere Streifen zu Kugeln, um die Pfeife randvoll zu füllen. Eine andere Art, den Chateau No. 44 aufzubereiten, wäre, ihn mit dem Messer in kleine Würfel zu schneiden (cube-cut). Nach dem etwas (flakebedingten) umständlichen Anzünden offenbart sich gleich dieser teerige Duft und Geschmack wie im ungerauchten Zustand. Aber mild ist dieser Flake auf der Zunge, herrlich vollmundig und weich, kräftig zugleich, mit einer Süße, die auf die hohe Qualität der Grundtabake zurück zu führen ist. Kentucky und Virginias vereinigen sich in diesem Flake zu einem vollendeten Genuss, der sehr schwer zu beschreiben ist. Von diesem Geschmack kann ich nicht genug bekommen und muss aufpassen, die Füllung nicht zu "verschlingen". Sehr langsam muss der No. 44 geraucht werden, damit sich alle Komponenten voll erschließen. Lieber einmal neu anzünden, als zu hektisch und heiß zu rauchen. Im letzten Drittel macht die Süße dem weichen Kentuckygeschmack Platz, was aber nicht unangenehm ist. Zum Schluss bleiben bei mir meist ein paar kleine, verhärtete Stückchen übrig, die aber der Pfeife nicht schaden, da sich der Tabak gut trocken rauchen lässt. Die Raumnote wird sicherlich vom reichlich vorhandenen Latakia geprägt, im Gegensatz zu Dunhills wie z.B. EMP oder Nightcap kamen aber von der Oberleitung bisher keine Klagen.

Fazit: Sicherlich kein Anfänger-Tabak, doch für den Kentucky- oder Va/Per-Fan eine köstliche Abwechslung. Kein All-Day-Smoke, dazu benötigt er zuviel Aufmerksamkeit, aber in den ruhigen Abendstunden geraucht, ein absoluter Genuss, der seines gleichen sucht.

(28.08.2000)


Detlef Steinbrenner

Meine erste Begegnung war bei einem Mini-Daft-Treffen in Niederaussem, als mir die Rauchschwaden aus Georg Pohl´s Pfeife in die Nase kam. Was für ein Duft! Auch heute noch, nach 150 g, genieße ich es, wenn ich kurz den Raum verlasse und zurückkomme, die großartige Raumnote, die dieser Tabak hinterlässt. Der Blick ins innere der Dose ist schon verheißungsvoll: ein langer, dicker Flakestreifen, mehrfach gerollt, mit einer dunkelbraunen, fast schon schwarzen Farbe. Diese dunkle Färbung kommt durch den Anteil Kentucky. Das Stopfen ist problemlos, wenn man den Flake klein genug bröselt. Dies ist nicht so einfach, da der Tabak etwas "klebrig" ist und sich während dieser Prozedur irgendwie störrisch verhält. Das Anzünden ist problemlos, und schon beim 1. Zug offenbart sich dieses wunderbare Kraut: ein Aroma, dass einen an offene Kaminfeuer erinnert, an Torffeuer in Irland, oder an den Duft von dunklem irischen Brot. Ich entdecke immer wieder neue Geschmacksnuancen. Dabei ist der Tabak nicht stark, sondern erstaunlich weich. Der Abbrand des CH #44 ist eigentlich sein einziges Manko. Durch seine leichte Klebrigkeit geht die Pfeife häufig aus, und man muss immer wieder nachfeuern. C´est la vie, was solls? Man muss bei diesem hochwertigen Flake einfach Muße und Zeit mitbringen. Es ist kein Tabak, den man nebenbei rauchen sollte (dafür ist er viel zu schade). Ich für meinen Teil habe ein Mittel entdeckt, um den Tabak etwas brennfähiger zu machen: ich packe mir eine Ration für mehrere Tage in meinen Tabaksbeutel, wo der Tabak bald etwas trockener wird und so problemloser abbrennt. Außerdem darf man ihn nicht feste stopfen. Ich fülle ihn vorsichtig ein, stopfe erst nach, wenn der Pfeifenkopf voll ist und klopfe noch mal vorsichtig mit dem Fingerknöchel gegen den Pfeifenkopf (ähnlich wie bei Plugs). Dann ist eigentlich ein guter Abbrand gewährleistet.

Fazit: ein Tabak der Spitzenklasse. Mit dem CH 44 bin ich mich am liebsten völlig allein, dazu eine Tasse Tee oder einen (nicht zu starken) Single Malt Whiskey. Schöner kann imo Pfeiferauchen nicht sein.

(07.09.2001)


Björn Hollensteiner

Ich habe schon viel Gutes vom Chateau Henri #44 hier gelesen, natürlich musste ich ihn auch mal testen. Er kommt in einer 100 g Runddose mit schlichtem Aufdruck, preislich recht moderat für 24,- DM. Laut Beschreibung handelt es sich um einen Virginia-Kentucky Flake, der recht kräftig und herb sein soll. In der Dose findet sich ein tiefschwarzer, teilweise aufgerubbelter Flakestrang, dessen verbackene Konsistenz kaum mehr an normale Flakes erinnert. Er ist sehr klebrig, hinterlässt an den Fingern einen bräunlich schmierigen Belag, einzelne Tabakfasern kann man kaum noch erkennen. Vermutlich ist er das, was die Engländer als "stoved" bezeichnen. Das bedeutet, dass die Grundtabake in der Flakepresse lange, unter hohem Druck und unter Zugabe von Wärme lagern und dadurch nachfermentieren. Es entsteht hierdurch der sogenannte Cavendish-Tabak. Mit ziemlicher Sicherheit ist ein Lakritzecasing beigefügt, welches aus der Dose einladend duftet. Die Zusammensetzung, Konsistenz und das Aussehen, sowie die Herkunft aus Dänemark und der Vertrieb über Kohlhaase & Kopp lassen mich an den Orlik Dark Strong Flake denken, möglicherweise ist der Chateau Henri #44 der dunkle Anteil des zweifarbigen Dark Strong. Durch die Konsistenz ist der Tabak nicht sehr leicht zu handhaben. Rubbelt man ihn zwischen den Finger auf, klebt er zusammen, so dass sich kleine schwarze Kügelchen bilden. Diese sollten etwas aufgelockert werden, bevor sie in die Pfeife kommen. Man kann auch den Flake wenig zerbrochen in die Pfeife füllen, sollte dann aber zum Anzünden etwas gelockerten Tabak auf die Füllung legen. Nach dem Anzünden, welches sich recht schwierig gestaltet, entströmt der Mundstücköffnung ein ziemlich nichtssagender, herber, ja fast schon bitter schmeckender Rauch, der mir nicht besonders zusagt. Das Casing ist vernehmbar, aber nur noch ausgesprochen unterschwellig. Es ersetzt wenigstens ein bisschen der Virginiasüße, die dem Tabak offenbar zu fehlen scheint. Dem Rauch fehlt die seidige Note anderer dunklerer Virginiaflakes wie Marlin Flake oder Full Virginia Flake völlig. Der Tabak geht häufig aus. Über die Füllung hinweg kommt nur wenig Vergnügen auf, ich bin ziemlich enttäuscht. Die Kondensatbildung ist gering, der Tabak wird auch nicht zu schnell heiß. Die Stärke würde ich als medium einschätzen.

Fazit: Wolf nannte den Chateau Henri #44 mal "gepresste Rauchlakritze". Dem kann ich zustimmen. Vermutlich liegt es an meiner momentanen Vorliebe für hellere, frischer schmeckende Virginiaflakes, dass mir die #44 nicht zusagt. Die Tabakpartie ist vielleicht nicht schlecht, bringt aber zu wenig Geschmack. Falls es wirklich der dunkle Anteil des Dark Strong ist, so vermag er einen helleren Virginia sehr gut zu ergänzen, ihm Herbe und Tiefe zu vermitteln, für sich geraucht schmeckt er mir einfach nicht.

(01.10.2001)

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