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Samuel Gawith Cob Plug
(Pfeifentabak)
| Hersteller: | Samuel Gawith, UK |
| Mischung: | Virginia |
| Schnittbreite: | Plug |
| Typ: | naturbelassen |
| Stärke: | extra-stark |
| Preis: | 50g CHF 8,- |
Adrian Schmidtke
Der Cob Plug aus dem Hause Samuel Gawith war der zweite Plug, den ich geraucht habe und er ist nach meiner Einschätzung der mit Abstand diffuseste, am schlechtesten einzuschätzende. Geliefert wird er in einem schlichten Ziplock-Beutel, dem ein sehr eigenartiger, schlecht beschreibbarer Geruch entströmt. Sicherlich kann man auch die typisch heuigen und süßlichen Anklänge eines vollen, qualitativ hochwertigen Virginia-Tabaks ausmachen; vordergründig riecht der Cob Plug jedoch vor allem etwas muffig, mit leicht holzigen und modrigen Untertönen: eigenartig, wenn auch nicht unangenehm. Auf jeden Fall sehr viel weniger gefällig, als der satte süße Virginia-Duft des Kendal Plug oder die unvergleichlichen Basar-Düfte des RB.
Von der Konsistenz ist der Cob Plug, wie alle Plugs, ein glatter Quader gepressten Tabaks; vom Kendal Plug und RB unterscheidet er sich in einer geringeren Dichte und deutlich weniger homogenen Konsistenz. Beim genaueren Hinschauen lassen sich ganze Blattstrukturen ausmachen; im Schnitt erscheint er gummiartiger und die abgeschnittenen Scheibchen zerfallen, wenn das Messer nicht sehr scharf ist, schnell in ihre Einzelteile. Über die Zubereitung von Plugs in einen rauchbaren Zustand ist schon viel geschrieben worden. Sehr komfortabel finde ich den von Joachim Acker ausführlich beschriebenen Würfelschnitt, ziehe es dennoch häufig vor, den Plug ganz zu zerreiben. Dabei schneide ich mit einem sehr scharfen Messer wirklich hauchdünne Scheibchen ab und zerbrösele diese sorgfältig. Der Abbrand wird so noch unproblematischer und der Geschmack IMO direkter. Auf den Boden der Pfeife lege ich zuvor einige Kristalle, was Abbrand und Zugverhalten noch einmal deutlich verbessert.
Das Anzünden gestaltet sich beim Cob Plug aufgrund seiner vergleichsweise lockeren Konsistenz als recht unproblematisch, der Abbrand ist sauber und gleichmäßig. Wenn man wirklich starke Tabake gewöhnt ist und über eine gute Rauchtechnik verfügt, lässt sich der Cob Plug sicher sehr komfortabel bis auf einen Rest sehr feiner, sehr heller Asche herunterrauchen. Wer jedoch mit starken Tabaken nicht vertraut ist und sich vor wahrhaft starken Tabak-Erfahrungen scheut, dem rate ich, vom Cob Plug die Finger zu lassen, denn noch nie habe ich ein derart starkes Kraut geraucht. Beinahe würde ich sagen, dass dieser Tabak - darin unterscheidet er sich von Kendal Plug und RB, die ja wahrhaftig keinen Waisenkinder sind -schlichtweg ZU stark ist und der unglaubliche Nikotin-Gehalt einen wirklichen Genuss zumindest erheblich erschwert.
Geschmacklich gibt mir der Cob Plug ohnehin echte Rätsel auf. Manchmal bin ich schlichtweg begeistert angesichts eines satten und beinahe reinen Virginia-Aromas; gelegentlich kommt er mir dann wieder ein wenig zu neutral und einfach nur sehr stark vor und in seltenen Fällen bin ich von seinem Aroma richtiggehend abgeschreckt. Über den Zusatz von Aromen bin ich mir nicht 100%ig sicher; ich würde eher dazu tendieren, den Cob Plug als naturbelassen zu bezeichnen.
Sicher ist, dass der Cob Plug, hat man sich an die Stärke erst einmal gewöhnt, einen ganz ungewöhnlich milden und weichen Charakter offenbart. Da kratzt nichts und brennt nichts auf der Zunge. Der Rauch ist kühl und rund und die Qualität des/der verwendeten Tabaks/Tabake ist sehr hoch. Zu Beginn gibt sich der Tabak geschmacklich sehr mild, ohne erkennbare Höhen und Tiefen mit leicht nussigen und honig-artigen Untertönen. Spürt man die ungeheure Stärke des Cob Plug sehr schnell, so bedarf es hingegen einiger Zeit (10+ Minuten), bis der Cob Plug seinen vollen Geschmack offenbart. Dieser ist, hat man genug Zeit und Muße, jedoch überaus angenehm. Gerade zum Ende hin offenbart der Virginia eine herrlich weiche, runde Süße, mit charakteristischen heuigen Untertönen. Die Süße, die durch o.g. Honig- und Nussanklänge verstärkt wird, ist jedoch nie penetrant, sondern bleibt stets etwas undurchschaubar, so als wäre da "noch mehr", was ich aber beim besten Willen nicht in Worte fassen kann. Ganz zum Schluss wird er dann auch ein klein wenig pfeffrig, was ich aber als durchaus nicht unangenehm empfunden habe.
An schlechten Tagen - die leider nicht so selten sind - schmeckt der Cob Plug hingegen im besten Fall fad und muffig, im ärgsten modrig, sauer und scharf (vor allem bei zu heftigem Ziehen, was einen entsetzlich pelzigen, langanhaltenden Geschmack auf der Zunge hinterlässt), so dass ich mich mit einer abschließenden Beurteilung sehr schwer tue. Mit der Raumnote lassen sich ohnehin keine Blumentöpfe gewinnen: wirklich Entrüstung wurde nicht kundgetan, jedoch sehr deutlich artikuliert, dass "dieses Zeug" alles andere als gut röche.
Ohne Zweifel verfügt der Cob Plug über seine spezifischen Qualitäten, die weit über Nikotin- Grenzerfahrungen hinausreichen. Ich finde ihn sehr eigen und interessant (Daumen diagonal nach oben); empfehlen würde ich ihn einem Plug-Neuling (wie auch ich genaugenommen ja einer bin) hingegen nicht. Für Arbeit, Gesellschaft oder zum nebenher Rauchen ist der Cob Plug absolut ungeeignet. Ich rauche ihn, wenn überhaupt, in ruhigen, vornehmlich späten Stunden, wenn ich keine Lust auf einen sicheren all-day-smoke, sondern echtes Interesse am Ungewöhnlichen habe.
Erhältlich u.a. bei Synjeco in der Schweiz: http://www.synjeco.ch
(07.08.2001)