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G.L. Pease Cumberland
(Pfeifentabak)
| Hersteller: | G.L. Pease |
| Mischung: | Virginia, Kentucky, Perique |
| Schnittbreite: | Mixture |
| Typ: | leicht aromatisiert |
| Stärke: | medium-stark |
| Verpackung: | 100 g |
| Preis: | ca. $ 10.50 |
Daniel Wegehaupt
Ich fasse mich heute etwas kürzer, da ich vom Cumberland nur eine Probe zur Verfügung hatte und die "Testphase" dementsprechend kurz ausgefallen ist.
Dosentext: "Robust and possessing a subdued sweetness, cumberland is a delightfully orchestrated suite of american tobaccos, featuring a rare and exquisite mahogany kentucky, aged in bales for twenty years. Red and matured virginias establish a theme: the kentucky and a pianissimo of perique create the variations. Pure, natural tobacco flavors are harmonized by delicate arpeggios and underscored by deep, resonant tones. The coda is lovely and lingering - a perfect finish to a rich performance. Best savored slowly."
Ein Blick in die Dose offenbart mir trotz des überschwenglichen Textes kein Bachsches Oratorium, sondern einen herbstlich braunen, von hellen Sprenkeln durchsetzten Tabakhaufen. Der Tabak ist schmal geschnitten, was leichtes Stopfen verspricht, der Duft ist (ganz typisch) der eines schweren würzigen Virginias.
Nach dem Anfeuern entwickelt sich ein schöner, kräftiger, dunkler Virginiageschmack, eingerahmt von ebenfalls etwas dunkel zu nennender VA-Süße. Kein Heu! Säuerliches habe ich ebenfalls nicht feststellen können. Der Tabak ist kräftig, würzig, wobei ich die Würze dem Kentucky zuschreibe. Es dominiert eine gewisse Herbheit, die Süße ist eher unterschwellig zu spüren. Ich mag mich aber auch irren.
Nach dem ersten Drittel der Füllung, entwickelte sich ein würzig-nussiger Geschmack, so als beginne der Tabak sich allmählich in der Pfeife wohlzufühlen. Der Duft des goldenen Herbstes und der fallenden Blätter entströmt der Pfeife des Rauchers...
Mit dem Abbrand hatte ich keine Probleme. Die Stärke (Nicotin) würde ich IMO auf der stärkeren Seite von medium ansiedeln. Das einzig Negative: Ein bißchen auf der Zunge geprickelt hat er mir schon. Ich habe die Proben allerdings auch alle oFi geraucht.
Fazit:
Ich bin durchaus positiv überrascht, denn ich hatte bei "full-bodied Virginia" etwas anderes erwartet. Etwas sehr starkes, kräftiges, kantiges. Aber der Cumberland ist auch für mich ein rauchbarer Tabak, von dem ich ab und zu mal eine Pipe schmöken würde.
Alles in Allem ein schöner VA, an dem Naturliebhaber sicher ihre Freude haben können. Meinen geliebten Süßkram konnte er mir allerdings nicht ausreden.
(16.09.2002)
Björn Hollensteiner
Greg Pease ist für seine eher "US-untypischen" und recht individuell gehaltenen Tabakmischungen bekannt. Vormals unter dem Namen "Friedman & Pease" bekannt, firmiert er seit ca. 2 1/2 Jahren alleine unter seinem Namen. Aus seiner Herstellung kommen wirklich klassische Latakiamischungen, die es in Ihrer Qualität meiner Meinung nach mit allen etablierten europäischen Herstellern aufnehmen können. Weiterhin stellt er aber auch Mischungen wie Cairo, Haddo´s Delight und eben Cumberland her, in denen der Latakia fortgelassen wurde und die sich durch ein sehr individuelles und manchmal gewöhnungsbedürftiges Geschmackserlebnis auszeichnen.
Wie oben zu lesen besteht Cumberland aus Virginia, kombiniert mit den beiden Würztabaken Kentucky und Perique, die beide geeignet sind, einem Tabak Volumen und Ausdruck zu verleihen. Auf der Dose ist zu lesen, daß der zur Verwendung gekommene Kentucky bereits 20 Jahre in Fässern gereift sei. "Weiterhin beschreibt der Hersteller in sehr wohlgesetzen Worten den Tabakgeschmack als ausgesprochen subtil, von "dunklen Noten" untermalt."
Beim Öffnen der Dose strömt einem in der Tat ein "dunkles", schweres Tabakaroma entgegen, das ein wenig an die braunen "Ropes" von Samuel Gawith erinnert. Es läßt, wie auf der Dose vermerkt, auf einen gehaltvollen Tabak schließen. Die dominierende Farbe ist dunkelbraun, nur vereinzelt finden sich dazwischen einige ebenholzfarbene Tabakfasern.
Als Mixture ist der Tabak problemlos zu stopfen, da er schon eine Weile offen ist, ist er aufgrund seiner geringen Feuchtigkeit auch gut zu entzünden. Der Mund füllt sich nahezu sofort mit einem dichten, fülligen Rauch, der im ersten Moment vielleicht ein wenig herb scheint. Schon nach den ersten Zügen macht sich der erhebliche Nikotinanteil bemerkbar, erninnert mich der Tabak an den etwas anders aromatisierten "St. Bruno Flake". Raucht man langsam und gemächlich weiter, so ist der Tabak trotz seiner Fülle nicht völlig überwältigend, eine noch nicht vor allzu langer Zeit genossene Mahlzeit vorausgesetzt. Der Rauch duftet schwersüß, die anfängliche herbe Note bleibt immer erhalten. Erstaunlicherweise gehört der Tabak zu den "Schnellbrennern", für eine mittlere Füllung ist in etwa eine Dreiviertelstunde zu veranschlagen. Und das ist auch gut so, denn danach dürfte sich auch bei ausgesprochen nikotintoleranten Personen ein "Sättigungsgefühl" eingestellt haben. Selbstredend ist der Abbrand des Tabaks vorbildlich.
Fazit:
Ein kräftiger "Abendtabak", den man nicht rauchen sollte, wenn man danach noch etwas anders vorhat, als seinen Cognacschwenker auszutrinken und dem Kamin beim Brennen zuzusehen.
(19.01.2003)