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Dark Birds Eye

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Gawith & Hoggarth Dark Bird's Eye

(Pfeifentabak)

Markenname:Gawith & Hoggarth
Hersteller:Gawith & Hoggarth
Mischung:Virginias
Schnittbreite:1 mm Feinschnitt
Typ:naturbelassen
Stärke:stark
Verpackung:Bulk
Preis:8 CHF/ 50g

Michael Horstmann

Der DB nimmt unter den Virginiatabaken aus dem Lake-District eine Sonderstellung ein, ist er doch der einzige, der rauchfertig daherkommt. Es handelt sich um einen langfaserigen Feinschnitt. Das Tabakbild ist recht einheitlich tiefbraun, das Ganze erinnert sehr stark an holländische Zigarettentabake der dunklen Richtung. Der Pouchgeruch verstärkt diesen Eindruck, er ist geprägt von dunklen, erdigen, leicht rauchigen Aromen.
Nach einigem Experimentieren mit Pfeifengröße und Stopftechnik verfahre ich mittlerweile wie folgt: Als Pfeifen kommen eigentlich nur solche mit kleinem Füllvolumen in Betracht, etwa DH Gruppe 2-3 oder Peterson 999 oder 03. Zum Stopfen zupfe ich in etwa die Tabakmenge, die man zu Drehen einer Zigarette benötigt, aus dem Tabakknäuel, drehe daraus eine lose Kugel und fülle diese in die Pfeife, den Vorgang wiederhole ich noch 2, 3 mal. Die oberste Lage wird ganz leicht angedrückt. Anzünden lässt sich der Tabak erwartungsgemäß sehr leicht, ein halbes Zündholz reicht völlig, um ihn ganzflächig zum Glimmen zu bringen. Überraschend hingegen ist die Tatsache, dass er gegen alle Erwartungen dabei nicht auf der Zunge brennt. Obwohl er recht flott abbrennt, raucht er sich nicht heiß, man sollte nur recht häufig nachstopfen. Geschmacklich ist das Kraut eins der Vielschichtigsten, das mir bis dato untergekommen ist: der Grundeindruck ist der von cremiger Süße, gepaart mit einem leicht rauchigen Einschlag, der allerdings ganz anders daherkommt als bei Latakias. Ein Gutteil der Va's ist wohl Fire-Cured, nur wird dabei wohl ganz anderes Holz als bei den Latakias verwendet. Es hat einige Zeit gedauert, bis mir eingefallen ist, woher ich diesen Geruch kenne: frischgeschnittenes Gabun riecht so ähnlich.
Aber zurück zu den Geschmackseindrücken: mitunter erinnerts mich an schwarz maturierte Zigarren, manchmal bemerke ich einen Anflug von Aromen a la Condor oder Erinmore, zum Ende hin kommt ein leicht stahliger Geschmack hinzu. Stärkemässig würde ich den DB etwas unterhalb der ganz heftigen Twists von Gawith einordnen. Nichts für die Morgenstunden, wohl eher als Abrundung eines üppigen Mittagessens, zusammen mit einem starken Kaffee oder Cognac, wenn man möchte. Am liebsten rauche ich ihn allerdings in der letzten Pfeife spätabends, besonders gern als Begleiter zu einem Schluck Malt. Damit harmoniert er ganz hervorragend, viel besser als Latatakiamixturen. Der ideale After-Dinner-Smoke also? Nach gut 100 g des Tabaks bin ich mir immer noch nicht sicher. Die oben beschriebenen, für mich absolut faszinierenden Geschmackseindrücke stellen sich leider nicht immer so ein. Das Kraut ist irgendwie kapriziös, verträgt sich mit manchen Pfeifen, die von der Größe her eigentlich geeignet sein müssten überhaupt nicht, der Tabak wirkt dann kratzig und schlägt auf die Bronchien, der metallische Geschmackseindruck herrscht während der ganzen Füllung vor. Es hat immer etwas von einem Abenteuer, sich an dem Kraut zu versuchen.

(04.03.2001)


Detlev Büscher

"Ihr seid des Gewöhnlichen müde, bereit, es mit dem Unvergleichlichen zu versuchen? Ihr scheut das schnelle Urteil, geht den Dingen lieber auf den Grund und sucht die Rose in der dornigen Hecke? Einem "Fisherman's Friend"-Verminzten unterstellt Ihr, nicht mehr richtig zu Tic Tac(en) und ein Schluck Tabasco erscheint Euch wie ein milder Sangrita? Dann, mein Freund, solltet Ihr den Dark Bird's Eye versuchen."

So oder ähnlich hätte vor langer Zeit ein englischer Gentleman einem befreundeten Pfeifenraucher vielleicht den Dark Bird's Eye empfohlen.
Und auch diese Besprechung wird, soviel sei schon mal verraten, auf eine, wenn auch nicht uneingeschränkte, Empfehlung hinauslaufen. Doch gleichzeitig muss der Verfasser dieser Zeilen jegliche Schadenersatzansprüche ablehnen. Wer es mit diesem Tabak aufnehmen will, sollte es aus freien Stücken und in jedem Fall auf eigene Gefahr tun. Allenfalls die kostenlose Entsorgung verschmähter Tabakreste könnte übernommen werden, sofern sie noch nicht in der Pfeife waren.

Seinen Namen hat der Dark Bird's Eye von den "Vogelaugen", die das Tabakbild zwar nicht beherrschen, jedoch recht häufig zu sehen sind. Bei Pfeifentabaken findet man sie normalerweise eher selten, aber wer mal einen Zware Shag oder einen Halfzware Shag aufmerksam betrachtet hat, wird sie schon gesehen haben. Diese "Vogelaugen" entstehen, wenn die grösseren Rippen der Tabakblätter in feine Scheibchen geschnitten werden. Der Tabak selbst ist dunkelbraun, wenige Fasern und einige "Vogelaugen" leuchten goldbraun in der Dunkelheit.

Für einen Pfeifentabak ist der Dark Bird's Eye aussergewöhnlich schmal geschnitten und langfaserig. Auf den ersten Blick meint man, es mit einem Selbstdreh-Zigarettentabak zu tun zu haben. Doch im direkten Vergleich dürften die meisten Zigarettentabake noch deutlich feiner geschnitten sein. Rein technisch gesehen, sollte das Drehen von Zigaretten mit Dark Bird's Eye keine Schwierigkeiten machen. Das Rauchen vielleicht schon eher; der Rauch dieses Tabaks dürfte einem Inhalierenden recht schnell neue Erkenntnisse vermitteln und neue Wege aufzeigen. Selbst wenn es nur der schnellste Weg zur Toilette ist.
Aber genug davon. Zigaretten sind ja eher etwas zum Abgewöhnen. Und dabei könnte der Dark Bird's Eye vielleicht sogar behilflich sein. Sollte nämlich jemand von den Zigaretten nicht lassen können, weil er glaubt, das Nikotin zu "brauchen", kann er es ja ruhig mal mit Dark Bird's Eye versuchen. Ein paar Gramm dieses Tabaks, verteilt auf vielleicht fünf 30-Minuten-Pfeifen, würden sicher genügen, um den ganzen Tag im Nikotin-Koma zu verbringen.

Der Duft ist zartbitter, süßlich, rauchig und hat dabei eine deutliche Tabaknote, die vielleicht ein wenig an Zware Shag erinnert, aber letztendlich sehr eigenständig ist. Tabakfremde Aromen sind nicht zu erkennen und dürften bei einem derart intensiv schmeckenden Tabak auch fehl am Platz sein.

Für die ersten Versuche (und vielleicht auch für die späteren) sollte man auf jeden Fall eine kleine Pfeife wählen. Zuerst zupft man (durch die langen Fasern hat der Tabak einen gewissen inneren Zusammenhalt) eine kleine Menge Tabak ab und läßt sie, zu einem lockeren Kügelchen gerollt, in die Pfeife fallen. Danach nimmt man eine etwas größere Menge und bringt die langen Fasern kreis- bzw. spiralförmig in die Pfeife ein. Dabei bleibt man mit den Fingern am oberen Rand des Pfeifenkopfes. Der Druck auf den unten liegenden Tabak sollte nur durch Tabak erfolgen, um den Dark Bird's Eye nicht zu fest zu stopfen. Bevor man den Tabak abschliessend auf "Rauchhöhe", vielleicht 2mm unter den Rand hinunterdrückt, sollte man auf jeden Fall den Zug prüfen. Ist man beim Griff ins Tabakglas etwas zu großzügig gewesen, kann man den nicht benötigten Tabak einfach abzupfen und ins Vorratsgefäß zurück befördern.

Ein derart fein geschnittener Tabak gerät natürlich leicht in Brand. Mit einem einzigen langen Zug unter Feuer läßt sich die Pfeife schon in Gang bringen. Die Züge während des Rauchens sollten ebenfalls auf dieses glimmfreudige Abbrandverhalten abgestimmt werden. Produziert man dichte grosse Rauchwolken, und das würde einem mit diesem Tabak sehr leicht gelingen, droht die Gefahr, am Dark Bird's Eye keinen Gefallen zu finden.

Dark Bird's Eye benötigt auf jeden Fall eine Kennenlernphase, denn der Geschmack ist in gewissem Sinne einzigartig und will erst erschlossen werden. In einem solchen Fall scheint das menschliche Gehirn zuerst nach gespeicherten geschmacklichen Parallelen zu suchen und führt den unerschrockenen Raucher ein wenig in die Irre. Man fühlt sich teilweise an Zware Shag oder auch an Zigarillos erinnert, doch diese Vergleiche treffen kaum noch zu, wenn man den Tabak besser kennt. Das erste Drittel einer Füllung ist bereits den "Eintrittspreis" wert. Der Geschmack ist fett und cremig und lockt mit einer zart-herben, rauchigen Suesse, die den Duft des unverbrannten Tabaks widerspiegelt. Nach und nach wird wird es rauchig-pikant, die Süße tritt in den Hintergrund, das typische Aroma versinkt fast in der mehr und mehr zunehmenden Würze und Rauchigkeit. Der Rauch ist so gehaltvoll, dass es gelegentlich sogar zum Niesreiz kommen kann. Ausserdem transportiert er eine erhebliche Menge an Nikotin, welches sich im Mundraum niederschlaegt und mit dem Speichel in den Magen gelangt. Man spürt es deutlich in der Kehle und manchmal kommt es sogar zu körperlichen Reaktionen wie z.B. Schluckauf und einem Gefühl, das einer Unterzuckerung nicht unähnlich ist. Die letzten Züge tendieren zu tabakrauchiger Schärfe, ohne jedoch wirklich ins Negative abzugleiten.
Dark Bird's Eye ist sicher nicht jedermanns Sache. Für einen Vanilla-Supermild Anhänger dürfte dieser Tabak der rauchgewordene Albtraum sein. Doch für einen erfahrenen Raucher, der seine Nikotintoleranz einigermaßen einschätzen kann, bietet dieser Tabak ein reizvolles Geschmackserlebnis für gewisse Gelegenheiten.

Die Raumnote läßt eher an eine Rauchware aus der Zigarrenabteilung denken als an einen Pfeifentabak. Sie sollte eigentlich angenehm und interessant wirken, aber sicher wird es kein Problem sein jemanden zu finden, der sich auch darüber aufregt.

Fazit: Ein aussergewöhnlicher Tabak, der einen daran erinnern kann, dass Pfeiferauchen mit dem "richtigen Gegner" auch nicht unbedingt der gesündeste Sport ist.

(05.01.2003)

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