daft.de

.

Aktuelles

Termine

Pfeifen

Tabak

Schnupftabak

FAQ

Artikel

Bücher

Download

Läden

Linklisten

Zigarren

Hilfe

Mailingliste

Kontakt

Impressum


Early Morning Pipe

zurück

Dunhill Early Morning Pipe

(Pfeifentabak)

Markenname:Dunhill
Hersteller:Dunhill
Mischung:Orientals, Virginia, Latakia
Schnittbreite:Mixture fein/kurzfaserig
Typ:englisch
Stärke:medium
Verpackung:50 g
Preis:10,50 Euro

Thomas Weller

Ein Wort vorab: Latakia scheidet die Geister ähnlich wie wahrscheinlich "Fisherman's Friend", "Vegamite" oder Zimt-Kaugummis: man hasst sie oder liebt sie. Nicht verzagen: Jede Empfindung ist rein persönlich, es wird genügend Leser finden, die meine Auffassung überhaupt nicht teilen können (zwei der Allerliebsten teilen Tisch, Stuhl und Bett mit mir...). Wer nicht nach der Regel lebt "Wat de Buer nich kennt, das freed er auch nich", sollte lesen und vielleicht auch probieren. Ich persönlich halte mich eher an folgende Weisheit: "Wat dem een sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall".

Äußerlich verspricht Dunhill's "Early Morning Pipe" einiges: Ein edler Herstellername, die Suggestion mit dem Hahnenschrei sich dieser Mixture zu bedienen und auch ein Preis, der Qualität verheißt...

Wer bei diesen Prädikaten jetzt an Walzer und Opernball denkt, wird nach erstmaligen Öffnen vielleicht eher an Armdrücken und Hafenspelunke erinnert: gleich einem Gewürz-Basar vereinen sich Düfte ferner Länder, dominant und direkt geben sich Orientals und vor all Dingen Latakia die Ehre. Da man die nicht pur rauchen kann - oder sollte - befindet sich auch noch "Trägerstoff" in Form von Virginia in der Dose. Früher Morgen und diese Gewalt lassen jetzt allerdings doch leichte Zweifel ob der Namensgebung aufkommen... Aber im Ernst: Dose auf und Du weißt, was kommt - keine Lügen, keine unnötige Show, Schminke oder Stöckelschuhe. Wer also morgens unrasiert im Bademantel vor dem Spiegel steht und die Zahnpasta-Tube in der Hand hat, findet in EMP eine Alternative der völlig entgegengesetzten Seite.

Typisch für die Dunhill Feinschnitte lässt sich der Tabak sehr gut und einfach stopfen. Idealerweise ist man jetzt unter toleranten Menschen oder allein mit seinem Streichholz und zündet die ganze Geschichte an.

Mit dem Duft lasse ich mich in jeden beliebigen, alten Hafen dieser Welt treiben. Der Geruch erinnert stark an geteertem Hanf- oder Sisal- Tauwerk, Ölpfützen und rostigem Metall. Eine für meine Begriffe immer wieder andere Erfahrung, so unterschiedlich wie Wasser mit all seinen Wellen, Farben und Schönheit. EMP ist ähnlich vielfältig. Wenn man den Latakia beiseite drängt, wartet eine Fülle von orientalischen Kostbarkeiten erkundet zu werden. Fein nuanciert ist ein weites Feld der verschiedensten Geschmäcker erkundbar auch ohne die Wissenschaft oder einen Chromatographen zu Rate zu ziehen. Wer jetzt noch raucht, kann sich zurücklehnen, genießen, seine eigenen Assoziationen schaffen (und bitte uns allen mitteilen) und ohne Hast die ganze Ladung bis auf ein wenig weiße Asche reduzieren. Auf diese Weise genossen, belohnt diese Lady unter den Tabaken einen mit Geschichten aus 1001 Nacht, die mit einer kühle Brise aus der Pfeife den Genießer in den Bann ziehen können.

Ich würde EMP stärkemäßig zusammen mit "Balkan Sobranie" einstufen, eine Einstellung, die vielleicht nicht viele teilen. Doch deutlich milder als "Nightcap" oder "Mixture 965" ist EMP allerdings kein Schwächling. Für mich der ideale "everyday - everytime smoke", ja auch Morgens - draußen, wenn sich die Nebelschwaden lichten und die Vögel ihren Tag beginnen. In meiner persönlichen Hitliste führt EMP das Feld der "englischen" an, dies sollte gerade derjenige Leser wissen, der Kontakt zum Linksverkehr und vertauschten Wasserhähnen sucht. Jeder mag hier seinen eigenen Weg nach England finden, meiner führte über "Larsen No. 50" als Botschafter der dänischen Richtung über meinen "Transfer- Tabak", die "Elizabethan Mixture" aus dem gleichen Hause wie meiner Favoritin: "Early Morning Pipe".


Matthias Kohrs

Dem IMO ausgezeichneten Review von Thomas Weller ist eigentlich kaum etwas hinzuzufügen, ich versuche trotzdem meine Eindrücke noch mal mit meinen eigenen Worten zu schildern: Eine Mischung aus kurzen, nicht zu groben Fasern von mittelbraun bis fast schwarz mit einigen hellbraunen Sprenkeln dazwischen, der Duft aus der Dose haute mich beim allerersten reinriechen fast um, was ich inzwischen aber überhaupt nicht mehr nachvollziehen kann: jetzt finde ich den Duft würzig-rauchig, intensiv aber nicht penetrant und sehr eindeutig darauf hinweisend um was es geht. Der Tabak lässt sich einfach stopfen und brennt sehr unproblematisch ab ohne viel Kondensat zu entwickeln, der Geschmack ist für mich recht "hell", ohne dass ich genau beschreiben könnte was hell in dem Zusammenhang bedeutet; vom ersten Zug an sehr ausgewogen, kräftig und markant, ohne ein ganz so massives Fundament zu haben wie Nightcap oder Balkan Sobranie. Der Geschmack bleibt so bis zum Schluss, es sei denn ich rauche den Tabak beim spazieren gehen: offenbar rauche ich dann etwas hastiger, was zur Folge hat dass der Tabak gegen Schluss etwas säuerlicher wird und auch der Filter anschließend nass ist. Das ist aber nichts was man dem Tabak anlasten könnte, er ist trotzdem sehr unkompliziert, schmeckt auch beim Wiederanzünden und hat nicht die Eigenschaft mancher Virginias dass man sich mit einigen zu hastigen Zügen eine ganze Weile den Geschmack versau(er)t. Neben dem sehr ähnlichen Peterson "Old Dublin" mein Favorit.

(14.04.2001)


Ingo Gebert

Die Dose mit der morgendlichen Sonne und dem Hahn dürfte den meisten Pfeifenrauchern zumindest vom Anblick her bekannt sein. Viele Pfeifenraucher sind von diesem Kraut angetan, und es mehr oder weniger der Inbegriff des klassischen Engländers. Endlich hatte ich mir auch einmal eine Dose hiervon zugelegt.

Der Tabak in der Dose hat einen dünnen, langfaserigen Schnitt, der Geruch ist tabakecht, und der Latakia ist sehr gut wahrnehmbar. Auf Grund des Schnitts gibt es mit der EMP keine „Handlingprobleme“, und einmal in Brand gesetzt, braucht man dem Tabak auch keine allzu große Aufmerksamkeit mehr zu schenken. Nach den ersten Zügen dominiert ganz klar die Latakianote, ohne jedoch allzu herb zu wirken, so wie es z.B. Graf-Adolf Nr. 40 der Fall ist. Hinzu kommt noch eine hintergründige Würze, welche meine Meinung nach von den Orientals bestimmt wird. Der Virgina ist zwar zu erschmecken, aber die Süße kommt hierbei nicht so stark heraus wie z.B. bei Rattray’s Highland Targe. Diese Mischung von Dunhill ist in sich stimmig, und zu keinem Zeitpunkt unfreundlich zur Zunge.

Die Raumnote ist ebenfalls gut wahrnehmbar Englisch, ob dieser Duft von den passiven Nichtpfeifenrauchern als angenehm empfunden wird, dürfte von dessen persönlichen Neigungen abhängen. Latakiaempfindliche BH werden zumindest die Nase rümpfen und es kann durchaus sein, dass der Pfeifenfreund aus dem Zimmer hinauskomplimentiert wird.

Fazit:
Daumen hoch, der EMP wird bei mir sicher seinen festen Platz auf meiner Engländerliste finden.

(07.01.2003)


Frank Nicolai

Der Early Morning Pipe von Dunhill gehört für mich zu den Standard-Engländern. Erstaunlich deshalb, wie selten er auf meiner Speisekarte steht. Sicherlich liegt das vor allem auch an dem wirklich happigen Preis. 10 1/2 Euro für 50 Gramm Tabak ... die gibt man nicht bedenkenlos aus.

Andererseits... der EMP ist ein Tabak, für den man ab und an schon mal tiefer in die Brieftasche greifen sollte. Denn es lohnt sich.

Die farbenfroheste Dose unter den Dunhills läßt auch in ihren Inneren einen schönen Anblick zu: Virginia in Gelb- und Brauntönen; Orient mit einem Stich ins Grüne und kontrastreich der schwarze Latakia. Alles als typisch langfaserigen Mixture geschnitten und in der Dose so gepreßt, dass selbst die letzten Füllungen noch aufzulockern sind. Ein schöner Anblick und ein noch besserer Duft. Hier gibt es nichts künstliches, hier gibt es nur Tabak.

Das Stopfen und Entzünden gelingt mit zwei Versuchen. Der Tabak bäumt sich zu Beginn etwas auf - der Stopfer beendet den Fluchtversuch.

Der Geschmack ist eine Melange aus der Süße der Virginia, der angedeuteten Säure des Orientblattes und der Würze des Latakias. Niemals herrscht eine Komponente vor und niemals verliert der Tabakgeschmack an Konstanz. Was aber nicht bedeutet, dass der Tabak nuancenlos und langweilig ist. Ganz im Gegenteil ist der Rauch ein Spiel der Sinne und eine Freude für die Geschmacksnerven. Selbst zum Ende der Füllung hin, wo mir manche Tabake bitter werden... der EMP bleibt schmackhaft wie beim Anzünden.

Er legt im laufe der Pfeifenfüllung ein wenig an Volumen zu - ohne jedoch wirklich mehr als knapp medium zu werden. Meiner Meinung nach trägt er seinen Namen zu recht: er ist der Vormittagstabak in der Reihe mit dem Aperitif und dem Nightcap. Ich habe das Gefühl auf der Zunge, als rauche ich etwas Cremiges, Weiches - ich kann es nicht anders beschreiben. Der Rauch ist dicht und voll ohne jedoch stark (an Nikotin) zu sein. Und die Asche ist ein Hauch in grau-weiß.

Nun gut, ich mag den Geruch der englischen Mischungen - diese Ahnung von Herbstlaub und Kartoffelfeuerrauch. Und unter den Engländern liefert der EMP einen der angenehmsten Raumdüfte. Allerdings mögen das Dritte ganz anders sehen.

Fazit:
Der EMP zählt zu den "Muss-Man-Geraucht-Haben"-Tabaken. Auch wenn der Preis abschreckt, man sollte ihn sich gönnen.
Ich bin mir nicht sicher, ob er anfängertauglich ist (meine zweite Begegnung mit einem Latakia-Blend war der EMP) - denn diese zarten Nuancen können wohl nur geübte Zungen erschmecken. Andererseits ist er rauch(er)freundlich und gut, sa dass es schade wäre, ihn zu versäumen. Für mich zählt er jedenfalls zu den "sehr empfehlenswerten" Tabaken.

(25.06.03)


Maico Schulz

Ich war als Jugendlicher mal einen Monat zu einem Jugendtreffen in Maybole / Schottland. Wir hatten unsre Unterkunft in einem Gemeindegebäude einer anglistischen Kirche. In einem kleinen Raum dieses Gebäudes war eine Art Büro, und darin ein Schrank. Der Hausmeister der Kirche pflegte dort seine "Dienstpfeifen" zu deponieren. Als ich die Dose EMP öffnete, war just genau dieser Duft in meiner Nase, wie er auch in dem Raum herrschte. Damals konnte ich als jugendlicher Zigarettendreher, der mal ab und an etwas Pfefferminztee in den Tabak mischte, natürlich mit dem Geruch in dem Raum ganz und gar nix anfangen.

Geschweige, daß ich eine Pfeife auch nur im Ansatz in Betrieb bekommen hätte. 16 Jahre später sitz ich nun vor der fast leeren Dose EMP und mache mich daran diesen Tabak zu reviewen.

Tabakbild: Wenige helle Sprenkel Virginia, eher ein mittelbraun und recht viel schwarz, dazu in der typischen Dunhillschnittart. (1 - 2mm starke Fäden). Der Tabak kommt in einer genau richtigen Feuchte daher.

Olfaktorisch: Schottland. Torf. Seeluft. Eine kleine Whisky-Destille. Haigis im Kochtopf. Grüne Hügelketten, mit Felsdurchbrüchen. Gedrungene Büsche in den Tälern. Und irgendwo am Ufer eines berühmten Sees sitzt Nessie und raucht: EMP. Nein, geruchsmässig ist für mich der EMP kein Engländer, sondern ein Schotte. Man darf nicht geizig sein, um ihn zu erwerben - er ist kein billiger Bursche, dieser EMP. Slàinte mhath! Das Stopfen und das Rauchverhalten: Der EMP lässt sich verzüglich stopfen und neigt nur zu geringem Aufbäumen. So fair wie er sich anzünden lässt, raucht er sich auch bis zum Ende auf.

Gaumenfeedback: Tabak der bezaubernden Sorte. Der EMP ist ein würziger Tabak, in dem die Mischung aus Latakia, Oriental und Virginia (ist noch mehr drin?) wirklich gelungen ist. Gleich zu Anfang wird einem durch den Latakia eine Grundnote vermittelt, die weder zu lasch noch zu stark ist. Sie läßt dem Virginia und den Orientals genug Platz, um sich zu entfalten. Der Geschmack ist rauchig, kräftig, irgendwie halt auch wie Schottland. Im rauchigen Aroma ist eine "helle" Obernote, die ich in Zigarren (soweit ich die kenne, ich rauche alle Schaltjahre mal eine) kenne und die mir auch nur in englischen Tabaken wiederbegegnet, soweit ich das beurteilen kann. Diese Note finde ich persönlich sehr reizvoll, und im EMP ist sie ausgesprochen stimmig getroffen. Nicht zuviel, nicht zuwenig. Es ist schwierig, diese Facette zu beschreiben, da es keine vergleichbaren Geschmacksnoten in der Nichtrauch-Welt gibt.

Im Verlauf des Rauchens verändert der EMP seinen Charakter fast überhaupt nicht, sondern er behält sein Geschmack bis nahezu zum Ende hin, erst dann wird er säuerlich. Beim typischen provokanten Heißrauchen entwickelt er eine typische Schärfe und Bissigkeit wie viele Tabake - Zungenbrandgefahr läßt grüßen.

Der Nikotingehalt des EMP ist medium, mit einem Tick ins Starke. Geizen tut er nicht wirklich - also doch kein Schotte?

Fazit:
Daumen hoch. Der EMP ist die erste echte Entdeckung auf meiner Abenteuerreise durch die englischen Tabake. Keineswegs ein Alldaysmoke, aber eine leckere Abwechslung mit sympathischem Charakter. Die nächste Dose wird - trotz des Preises - nicht lange auf sich warten lassen. Ein Minuspunkt hab ich aber dennoch: Ich hasse Hellblau. Und die Dose strahlt förmlich in dieser Farbe.

(01.07.03)


Peter Friedl

Aufgrund der obigen sehr ausführlichen Schilderungen möchte ich es kurz machen: ein typischer Engländer, für mich ohne großes Bukett und recht rauh. Kein Vergleich zur gut auffächerbaren Geschmacksfülle und Weichheit eines Balkan Sobranie, der für mich eine ganze Zehnerpotenz höher anzusiedeln ist.

Fazit:
Daumen runter; warum sollte man für mäßigen Durchschnitt einen exorbitanten Preis zahlen ?

(31.03.2004)


Bertram Quadt

Eine Anmerkung: habe mit großem Interesse die Bewertungen zu Dunhill's Early Morning Pipe gelesen. Dabei fiel mir auf, daß immer noch der Irrtum besteht, daß dieser Tabak für den frühen Morgen NACH dem Aufstehen gedacht sei. Nach Aussagen eines Dunhill-Mitarbeiters ist EMP der Tabak für die frühen Morgenstunden NACH der durchzechten/ -brachten/ -arbeiteten Nacht und VOR dem Zu-Bett-Gehen.

(07.07.2006)


Aktuelle Änderungen (alle) | Edit SideBar Letzte Änderung dieser Seite: 29.12.2010 17:51 Uhr bearbeiten | drucken | Versionen