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Stanwell Edition 2004
(Pfeifentabak)
| Hersteller: | A.&C. Petersen |
| Mischung: | Black Cavendish, Virginia, Burley |
| Schnittbreite: | wild cut mit schmaler geschnittenen Anteilen |
| Typ: | stark aromatisiert |
| Stärke: | leicht |
| Verpackung: | 100 g Schmuckdose |
| Preis: | 18,50 Euro (!) |
Björn Hollensteiner
Herstellertext: "Edition 2004. Die Schönheit liegt im Augenblick. Danish Black Cavendish, erlesenens Virginia - Blattgut und feiner Tennessee Burley ergänzen sich zur einem kontrastreichen Mixed Cut, langfaserig und extrem breit geschnitten. Veredelt mit den fruchtigen Aromen von Mirabelle, Orange und Vanille beschert dieser Jahrestabak eine feine, besondere Geschmackswelt und eine angenehme Raumnote."
Ich zitiere Herstellertexte ja eigentlich selten. Eigentlich tue ich das nur, wenn sie brauchbare Informationen enthalten, oder wenn sie wirklich abstrus und schon fast unfreiwillig komisch von der Wirklichkeit abweichen. Hier ist Ersteres nicht der Fall.
Es war ja schon öfter die Rede davon: Die Damen und Herren, die für solche blumigen Werbetexte verantwortlich zeichnen, haben entweder niemals selbst eine Pfeife geraucht, oder müssen ein diebisches Vergnügen daran haben, Pfeifenraucher und ihre Angehörigen übers Ohr zu hauen.
In letzter Zeit rauche ich ganz gerne wieder süß. Als ich kürzlich bei Fincke den Aylesbury 9elf erwarb, konnte ich dem Reflex nicht wiederstehen, einmal wieder einen Schmuckdosentabak zu probieren. Der Tabak in der wirklich hübschen Dose besteht aus recht breit gerissenen hellbraunen bis beigen Tabakblättern, gemischt mit schmal geschnittenem Black Cavendish und dunkelbraunem Blattgut. Es riecht betörend aus der Dose. Wen das Aroma interessiert, der kann es in einer Tüte Haribo Tutti - Frutti deutlich billiger bekommen, das aber nur am Rande.
Beim Anfassen des Tabaks fällt eigentlich sofort auf, daß die breiter geschnittenen Tabakanteile trocken wie Stroh scheinen, irgendwie fehlt ihnen Substanz. In die Pfeife, die man allerdings sorgfältig aussuchen sollte, damit man kein Lieblingsstück verdirbt, kann man ihn einfach reinstopfen, es ist weder besondere Sorgfalt erforderlich noch wäre eine solche dem Geschmack dienlich.
Anzünden kann man ihn leicht, brennen tut er hervorragend. Das ist aber schon alles, was man diesem Machwerk zugute halten kann. Geschmacklich kommt weder das Aroma über, noch ist auch nur ein Anklang davon zu spüren, daß man einen Tabak raucht. Weh oh weh, was hat man dem Blattgut bloß angetan, daß es nur noch nach verbrennendem Papier schmeckt? Die Raumnote ist erwartungsgemäß klasse und beständig. Ich machte den Fehler, eine Füllung dieses Tabaks in meinem Auto zu rauchen, ein Duftbäumchen brauche ich wohl in den nächsten Monaten nicht mehr. Ob dieser Tabak wenigstens mit Aktivkohlefiltern erträglich ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da mir entsprechende Pfeifen fehlen.
Fazit:
Das einzige, wozu dieses Machwerk taugt, scheint mir das Füllen der Kassen der Stanwell-Vertriebsgesellschaft im Vorweihnachtsgeschäft zu sein. Ich ärgere mich jetzt schon schwarz, daß ich mein sauer verdientes Geld für diesen wirklich miesen Tabak verschwendet habe. Einen solchen Preis für diese Mischung zu verlangen ist Wuchererei und hochgradige Frechheit. Ich kann also nur warnen und Euch empfehlen, Euer Geld lieber für etwas anderes auszugeben.
(17.12.2003)