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Motzek Evening Latakia
(Pfeifentabak)
| Hersteller: | Motzek (Kiel) |
| Mischung: | Virginia, Latakia, Orient |
| Schnittbreite: | sehr unterschiedlich, bis zu 8 mm / wild cut |
| Typ: | englisch |
| Stärke: | medium |
Sven Königsmann
Erscheinung: Wow, ein wahrlich interessanter Tabak ! Bei der ersten optischen Untersuchung auf einem weißen Blatt Papier stelle ich folgendes fest: Der Tabak weist verschiedene Schnittbreiten auf, das Bild wird getragen von dunklem, fast schwarzem Latakia - dies bestätigt auch die Geruchsprobe, die Schnittbreite liegt so um die 3-4 mm. Dazwischen befinden sich dunkelbraune Tabakteile, so um die 2-4mm. Sehr schön anzusehen sind die breit gerissenen Virginia-Flocken, die einem in einer Breite von bis zu 8mm golden entgegenschimmern. Zu meiner Verblüffung entdecke ich sogar ein schönes, rundes Curly-Scheibchen ! Der Duft des unangezündeten Tabaks ist würzig, natürlich. Man erkennt eindeutig den Duft des Latakia, eine Virginia-Süße und, aber da bin ich nicht sehr geübt, evtl. auch Orient. Ein künstliches Aroma stelle ich nicht fest, der Tabak scheint naturbelassen.
Stopfen und Anzünden: Aufgrund des teilweise groben Schnittes wähle ich meine Bjarne, sie ist den englischen Mischungen vorbehalten und hat einen recht großen Brennraumdurchmesser. Das Stopfen geht gut von der Hand, ich stopfe nicht zu fest aufgrund der groben Virginia-Flocken. Da in meiner Probe nur eine Curly-Scheibe enthalten war, teile ich sie in vier Teile die ich in unterschiedlicher Höhe möglicht nicht weiter aufgerubbelt in den Pfeifenkopf stopfe. Das Anzünden gestaltet sich unter Verwendung von zwei Zündhölzern recht einfach. Wenn die Pfeife erst einmal in Gang gesetzt ist, glimmt der Tabak angenehm kühl anstandslos herunter.
Geschmack: Der Geschmack wird, wie zu vermuten war, getragen vom rauchigen Aroma des Latakia, der dem Tabak die typisch englische Note verleiht. Gleichzeitig schmecke ich eine Säure am Gaumen, was mich in meiner Vermutung es könnte Orient enthalten sein bestätigt. Ganz fein bilde ich mir ein etwas zu schmecken was an das typische Mac Baren Honigaroma erinnert. Leider hinterlässt der Tabak einen irgendwie dumpfen Eindruck am Gaumen, schwer zu beschreiben. Dies wurde jedoch mit jeder Füllung weniger. Zur Raumnote sei erwähnt, dass diese von meiner Lebensabschnittspartnerin als angenehm empfunden wird, wobei sie aber zu der seltenen Gruppe weiblicher Wesen gehört, die gerne Latakia riecht. Der Tabak verleugnet seinen Latakiagehalt nicht und wird deshalb von kritischeren Zeitgenossen sicherlich nicht immer als angenehm empfunden werden - aber man rauch ja schließlich nicht für die Mitmenschen. Die Brandeigenschaften sind hervorragend, die unterschiedlichsten Schnittbreiten lassen den Tabak kühl und ruhig glimmen, die Kondensatbildung ist gering. Die Tabakqualität schätze ich als sehr gut ein. Ich glaube nicht, dass mir dieser Tabak in meinem bisherigen Raucherleben bereits begegnet ist, ich kann ihn keiner mir bekannten Sorte zuordnen.
Ohne Filter: Auch ohne Filter ist dieser Tabak angenehm zu rauchen, ich wählte hierfür eine Stanwell Cad mit Normalbohrung, wobei mir der Kopfdurchmesser hier als etwas zu klein erscheint. Ich habe den Eindruck, dass dieser Tabak sich um so besser entfaltet je größer die Kopfbohrung ist. Allerdings bemerke ich beim Rauchen ohne Filter einen etwas eigenartigen, bitteren Geschmack am Gaumen, der mir nicht angenehm ist. Für diesen Tabak werde ich Pfeifen mit AKF vorziehen, aber das ist nur meine persönliche Einschätzung, andere mögen anders entscheiden.
Fazit:
Für mich eindeutig der Favorit unter den Proben von Eric. Wüsste ich, um welchen Tabak es sich handelt, würde ich ihn kaufen - vielleicht nicht als alldaysmoke, aber einen festen Platz in meiner Tabakbar würde er schon bekommen. Im Übrigen habe ich im selbstlosen Selbstversuch festgestellt, dass ein Scotch Whisky ganz gut mit diesem Tabak zusammenarbeitet, genauso wie ein kräftiger Rotwein oder starker Kaffee. Der Daumen zeigt nach oben, wer englische Tabake mag, sollte diesen versuchen.
(15.03.2002)
Jörg Bellinghausen
Dies ist der vom Tabakbild her interessanteste Tabak, den ich bis dato geraucht habe. Neben hell- und dunkelbraunem Tabak im typischen Mixture-Schnitt enthält er teilweise recht große Curlies, die ihrerseits aus verschiedenen Tabaken bestehen. Außerdem sind sehr helle gerissene Blattanteile enthalten, etwas RR- Tabak ist auch dabei, ebenso leicht grünliche Blattanteile und wohl etwas Latakia. Ein schön anzusehendes Potpourri also.
Testpfeifen waren hierbei sowohl die GJ als auch die db, Filter kamen mangels Verfügbarkeit keine zum Einsatz.
Beim Stopfen muss man aufgrund der vorhandenen Presstabake ziemlich aufpassen, man hat schnell zu fest gestopft, was den Abbrand nicht gerade begünstigt. Auch sollte man in der obersten Lage der Füllung befindliche RR- oder Curly-Anteile aufrubben, bzw. mit dem Räumdorn etwas ausfransen, sonst dauert das Anzünden ewig und der Tabak quillt so stark auf, dass man Gefahr läuft, sich Hose oder Schreibtischunterlage anzukokeln. Außerdem entwickelt sich dann einiges an Kondensat. Ich bin am besten gefahren, wenn ich die zur Kugel gerollten Curlies in der mittleren Lage der Füllung deponiere, die Zwischenräume mit kürzeren Abschnitten auffülle und gaaanz leicht andrücke. Das Anzünden ist danach meist kein größeres Problem, aber mindestens 3 Streichhölzer brauche ich trotzdem, es ist fast so, als würde ich einen reinen Curly- oder Flaketabak rauchen.
Der Abbrand von Probe 3 schwankt je nach Stopftechnik und zwischen "Scharping-Langsam" und "unter aller Sau" und bedarf der konstanten Aufmerksamkeit. Der Tabak eignet sich in keinster Weise für das von mir favorisierte "Breath-Smoking". Einen leidlich guten Erfolg hatte ich mit 3-5 schnellen, flachen "Nipp- Zügen" direkt nacheinander, gefolgt von 30 -45 Sekunden Pause. Dabei muss man aber höllisch aufpassen, auf dem schmalen Grat zwischen Heißrauchen und Ausgehen nicht zur erstgenannten Seite abzurutschen, denn das geht schnell. Ausgehen und Wiederanzünden schadet allerdings nicht. Zurück bleibt mittelgraue Asche mit unverbrannten, respektive verkohlten, Anteilen an Presstabak.
Wie der geneigte Leser vielleicht bemerkt hat, drücke ich mich ziemlich darum, etwas zum Geschmack von Probe 3 zu sagen. Ganz ehrlich gesagt hatte ich derartig mit dem Abbrandverhalten zu kämpfen, das es mir arg schwerfiel, mich auf den Geschmack zu konzentrieren. Und der gleicht m.E. dem Tabakbild: total chaotisch. Der Geschmack ist völlig unstet. Aber darin völlig konstant. Mal süß, mal pfeffrig-nussig, mal säuerlich-bitter, mal kakao-schokoladig, mal von ledriger Schärfe (ob da auch Burley und Perique drin ist?), aber keine 3 Züge nacheinander gleich. Die Stärke des Tabaks würde ich als mittelkräftig bezeichnen.
Fazit:
Es gibt keins. Mein Eindruck von Probe 3 ist extrem uneinheitlich. Bei den ersten zwei Füllungen war ich am Ende froh, das es vorbei war, aber bei der letzten Füllung war ich am Ende eher enttäuscht, meine Erkundung der Geschmacks-Vielfalt dieses Tabaks schon beenden zu müssen. Vielleicht komme ich auch einfach nur mit dem Stopf- und Abbrandverhalten nicht klar, aber ich kann nicht wirklich sagen, ob mir der Tabak zusagt oder nicht...
(15.03.2002)
Rainer Duesmann
A. Nase:
Engländer. Kaminfeuer. Rauchig. Torfig. Zimt.
B. Optik:
Typische Latakia Blend. In der Probe befand sich eine Scheibe Flake?! die eigentlich nicht in die Mischung paßt.
C. Geschmack:
Erster Gedanke: der selbe Hersteller wie 3. Derselbe muffige Unterton. Aufgerüstet mit ein wenig Latakia und Orient. Jetzt geht die Reise Richtung Nuss und Kaminfeuer. Das ganze allerdings auf flachem Pegel. Für eine Balkan Mischung zu eindimensional, für eine Latakia Blend zu schwach auf der Brust.
Vielleicht als Über Tag Tabak? Mir fehlt der Körper, die Räumlichkeit eines G.L.P. Ravens Wing. Leg eine gute Live CD ein. Alles da: Höhen, Mitten, tolle Bässe. Dieselbe Aufnahme auf einem gleich teurem analogen Plattenspieler: Rumms, der Vorhang ist weg! Ah, so groß ist die Sängerin.
Interessant welch unterschiedliche Saiten benutzt werden. Mehr Information, mehr Details. Mir geht es nicht um eine Latakia Keule. Aber ich möchte Geschmacksbandbreite.
Enttäuschend.
(17.09.2002)
Jörg Bellinghausen
Beim Öffnen des Probentütchens fiel mir als erstes ein einsamer Curly auf, den ich komplett aufgerubbelt und sorgfältig mit dem restlichen Tabak vermischt habe. Die Probe besteht ansonsten aus recht kurzem dunkelbraunen Tabak, m.E. Virgina, Orient und ein wenig Latakia. Der Duft ist dezent würzig, wenig süß und ein bißchen "erdig" so wie ein Wald im Herbst, mit fällt leider kein passenderer Begriff ein. Ein Top-Flavour ist für mich nicht erkennbar.
Testpfeife war meine altgediente GJ #91 "Sand", die Latakia-Blends vorbehalten ist. Ich habe Probe No. 2 nur oFi und mit PaFi geraucht.
Das Stopfen ist ob des kurzen Schnittes sehr einfach, leidglich bei den Curly-"Fäden" musste ich etwas mehr Aufmersamkeit aufwenden, ich habe sie kreisförmig an den Rand gelegt, und dann mit den kurzen Streifen aufgefüllt. Etwas fester stopfen schadet dem Tabak nicht. Der Abbrand ist tadellos, Kondensat entsteht nicht allzu viel und zurück bleibt nur wenig helle Asche.
Der Geschmack ist im positiven Sinne "voll" und "breit", keine komplexen Spitzen und Nuancen wie etwa beim "Ravens Wing" von G.L. Pease, die alle Aufmerksamkeit des Rauchers fordern; herbe Geschmacksnoten wie z.B. bei Dunhill's "My Mixture 965" (den ich insgesamt etwas kratziger und weniger angenehm zu rauchen finde) finde ich bei Probe No. 2 ebensowenig. Einfach würziger Tabakgeschmack mit ein bißchen Süße, bei dem alle Komponenten ineinandergreifen und sich IMO wunderbar ergänzen.
Fazit:
Gut, richtig gut! Den werde ich mir auf jeden Fall zulegen, ein prima "Nebenher- und-Überall" Tabak, den man aber auch ganz bewußt und mit Muße geniessen kann, ohne das er langweilig wird.
Bezüglich des Herstellers würde ich auf einen deutschen Blender tippen, vielleicht Motzek?
(17.09.2002)