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HU Louisiana Broken

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HU Tobacco Louisiana Broken

(Pfeifentabak)

Markenname:HU Tobacco
Hersteller:Kohlhase & Kopp (?) für HU Tobacco (HU-Tobacco@t-online.de)
Mischung:Virginia, Perique sowie ein wenig Kentucky
Schnittbreite:Mixture mit Flakestücken
Typ:naturbelassen
Stärke:medium
Verpackung:100g Druckdeckeldose
Preis:EUR 17,85 (März 2011)

Dirk Schimowsky

Zungenfreundlichkeit: spitze
Abbrandeigenschaften: problemlos (aufgerubbelt)
Kondensatbildung: kaum (oFi)
Aromabeständigkeit: bis zum Schluss
Stopfbarkeit: Lässt sich sehr einfach stopfen (aufgerubbelt)
Feuchtigkeit: sehr gut
Anzünden: einfach

Herstellertext:
„Louisiana Broken“ - ein Name der verpflichtet. Beim „Louisiana Broken“ handelt es sich um einen Virginia Ready Rubbed Flake, deren kräftige und ausdrucksstarke Virginiagrades durch Pressung zur optimalen Reife gelangen. Abgestimmt wird der „Louisiana Broken“ mit einer ordentlichen Portion Perique und einem Hauch Kentucky. Robust, kräftig, ausdrucksstark - aber auch süß und cremig - so lässt sich diese Mischung beschreiben. Dieser charaktervolle Tabak bester Handwerkstradition bietet großen Rauchgenuss für entspannte Stunden. Für Periqueliebhaber ein Muss und für Freunde markanter Tabake ein Traum. Mit dem „Louisiana Broken“ wird der Spirit of Louisiana traditionell, aber auch voller Lebensfreude interpretiert.

Kurzwertung: sehr gut

Beschreibung des Tabakbildes:
Ein wildes Durcheinander aus schokobraunen, kurzen Tabakfasern, teilweise hellbraune Sprenkel und längeren Flakestückchen

Das Stopfen:
Ist wie immer einfach. Der Tabak wird simpel, ohne viel Druck in den Pfeifenkopf eingebracht. Vorsichtiger sollte er unaufgerubbelt gestopft werden, da der Flake ja ein wenig Platz braucht.

Das Anzünden:
Das kann durch die Flakestückchen schon schwieriger sein, da der Flake ja bekanntlich aufquillt. Zerrubbelt gar kein Problem. Anzünden, glätten, anzünden -> glimmt.

Der Tabak so wie er in der Dose ist, kann am Anfang auch nach ein paar Zügen nochmals aufquillen, nämlich dann, wenn recht weit oben ein Flakestückchen ist.

Raucheigenschaften:
Wie ich schon in Lohmar auf der Messe gezeigt habe, bleibt nur ein wenig dunkelgraue Asche zurück (ja, ja und meine Denicool. Die schaffe ich auch nie aufzurauchen :-D )

Raumnote:
Eher dezent. Ein leicht süsslicher Tabakdurft liegt in der Luft.

Gesamtbewertung:

Wenn im Jahr 2010 der Davidoff Flake Medallions meine Entdeckung war, ist es in diesem Jahr (2011) der Louisianer Broken. Er ist einfach eine traumhaft gelungende Komposition. Eine dezente Süsse, welche bis zum Schluss präsent ist, jedoch nie erschlagend, paart sich mit der Fruchtigkeit des Perique.

Die leicht nussige Note schreibe ich dem Kentucky zu, jedoch ist glaube ich der Begriff "nussig" sehr vom Raucher abhängig. Wo ich überall schon nussig gelesen habe (bei Zigarren und Single Malt) und beim besten Willen nichts nussiges geschmeckt habe) gehe ich mal davon aus, dass diese Beschreibung "typabhängig" ist.

Der LB ist aber trotzdem noch anders. Er ist anwesend aber nicht aufdringlich. Süss aber nicht erschlagend. Virginiakribbeln auf der Zunge kann ich gar nicht feststellen und dieses Kribbeln hatte ich eigentlich in den verschiedenen Abstufungen immer.

Die Aromabeständigkeit ist einmalig. Egal ob durchgeraucht oder öfter wieder neu entzündet oder mal eine Weile weggelegt und wieder entzündet, das Aroma bleibt. Die letzten Tage hat mich der LB den ganzen Tag über begleitet und ich bin ihn nie überdrüssig geworden. Er ist dezent da, jedoch drängt er sich nie wirklich in den Vordergrund. Er kann als "alleiniger" Genuss genauso bestehen, wie als Begleiter zu anderen Tätigkeiten (z.B. jetzt beim Reviewtippen oder beim Arbeiten).

Und was dem ganzen natürlich die Krone aufsetzt, ist der unschlagbar günstige Preis von knapp 9 € je 50gr. selbst in Deutschland (mit unseren ganzen Steuern und Aufschlägen). Vergleichbare Tabake, also VA/PEs sind da schon einige Prozent teurer.

(21.03.2011)


Markus Jutzi

Ein liebevoll gestaltetes Detail offenbart sich schon beim näheren Betrachten der Dose: Auf deren Boden ist das Herstellungs-, bzw. Abfülldatum gestempelt, was zum einen gewährleistet, daß man den Tabak nicht öffnet, solange er noch zu „jung“, zu heterogen ist, sondern daß er nach kurzer Reife- / Integrationszeit so schmecken wird, wie vom Blender beabsichtigt. Außerdem kann man seine Vorräte so ganz gezielt „agen“.

Meine Dose, gestempelt am 20.05.2011, erwarb ich Anfang Oktober. Nach viereinhalb Monaten sollte der Tabak also hinreichend zur Ruhe gekommen sein um ihn so zu erleben wie von Hans Wiedemann konzipiert.

Beim ersten Schnuppern an der frisch geöffneten Dose bin ich zunächst im positiven Sinne unbeeindruckt. Der Perique spielt sich nicht ellenbogenrempelnd in den Vordergrund, wiewohl er deutlich zu erkennen ist - leicht fruchtig, ohne jedoch die mixed-Pickles - Säurekelle zu schwingen. Auch der Kentucky hält sich angenehm zurück - vorhanden, aber als ein Gewürz, nicht als Hauptbestandteil der Mischung. Ein sehr homogener, ganz dezent schokoladiger Tabakduft.

Homogen ist auch das Aussehen des LB - ein hübscher, mittelbrauner ready-rubbed, der auch bei häufigem Transport nicht die Tendenz hat, sich zu ent-mischen. Seit ich einmal den „Own Mixture“ von John Aylesbury probiert habe, achte ich auf so etwas: Jener eigentlich sehr leckere Tabak bestand bei mir irgendwann aus broken Flakes auf einem Bett aus fein geschnittenem Latakia. Stopf-Frust pur!

Der LB hingegen läßt sich völlig problemlos stopfen, nachdem die entsprechenden Portionen ca. 30 Minuten an der Raumluft getrocknet sind. Nicht falsch verstehen, eigentlich ist der Tabak optimal konditioniert, deutlich trockener als man‘s von einigen anderen K&K - Produkten kennt, und sicherlich perfekt für langes agen - ich persönlich mag‘s halt noch ein bißchen trockener. Nur ein bißchen. Deshalb „lüfte“ ich in diesem Fall auch nur einzelne Portionen, nicht gleich die ganze Dose.

Die ersten zwei, drei Züge nach dem Anzünden (und wirklich nur die) sind häufig ein ganz kleines bißchen harsch, als würde der Kentucky ein wenig zu früh zur Party erscheinen und einen mit herzhaftem Händedruck begrüßen, während man noch dabei ist, die letzten Häppchen hinzustellen.

Spätestens aber nach dem Niederdrücken des sich moderat aufbäumenden Tabaks und einem eventuellen Nachfeuern sind alle Aromakomponenten an ihrem Platz, und sie bleiben dort für die gesamte Dauer des Rauchvorganges. Wie eine große, kraftvolle Maschine, die einen sanft, aber mit Nachdruck voran trägt, brummt der LB durch die Pfeife. Ich laufe Gefahr, mich in meiner Metapher zu verheddern.

Die treffendsten Adjektive zur Beschreibung dieses Tabaks stehen tatsächlich schon in der Dosenprosa, daher bleibt mir keine Wahl, als sie mir hier zu eigen zu machen: „Robust […] aber auch süß und cremig“, heißt es dort, völlig zutreffend. Virginia und Perique sind hier miteinander verwoben, wie ich es selten erlebt habe - besser nur beim Reiner Long Golden Flake, welcher aber keine Konkurrenz zum Louisiana Broken darstellt, da er mit seiner eher „hellen“, butterigen Süße eine ganz andere Nische in meiner Tabakbar füllt.

„Dunkel - süß“ ist die Kategorie, in der ich den LB einordne. Auch der Kentucky verhält sich nach dem Anzünden über die gesamte Rauchdauer hinweg vorbildlich, erweist sich als echter Teamplayer, der sich nie in den Vordergrund drängt sondern das Spiel von Virginia und Perique sozusagen erdet und dem Geschmack eine lobenswert konstante (aber immer dezente) Würze verleiht.

Was den Nikotingehalt angeht, finde ich persönlich den Louisiana Broken ziemlich kräftig, was aber sicherlich damit zusammenhängt, daß Perique mich wesentlich schneller ausknockt als andere Tabaksorten. Ich bin da ein bißchen sensibel. Daß mir der LB zu kräftig wurde, ist allerdings bisher nur einmal vorgekommen; als ich nämlich meine neu erworbene Stanwell „Cherrywood“ (Shape 207) mit ihm geraucht habe. Die Pfeife hat ein (wiederum subjektiv) ziemlich großes Füllvolumen in einer recht hohen Brennkammer, und während sich der Geschmack des LB im Verlauf ganz fabelhaft vertieft und intensiviert hat, hatte ich doch nach etwa 1 ¼ Stunden einen deutlichen „Kloß im Hals“… konnte aber immer noch nicht von diesem fantastischen Geschmack lassen! Aber dann bleiben eben in Zukunft die „Wildschweinkeulen“ im Schrank, wenn der LB mich ruft und ich greife stattdessen zu normal dimensionierten Pfeifen. Wiederum, kein Kritikpunkt am Tabak an sich.

Nur einen Widerspruch muß ich (augenzwinkernd) einlegen: Das Motto des Louisiana Broken, „take a walk on the wild side“, paßt meiner Meinung nach nicht ganz zu ihm, der seine immense geschmackliche Tiefe und Power doch so ausgesprochen wohlerzogen und kultiviert entfaltet.

Zur Raumnote kann ich mich eigentlich nicht qualifiziert äußern, da ich nie gut in deren Wahrnehmung bin und den LB in Gegenwart meiner Freundin nur draußen geraucht habe.

Noch ein paar Vergleiche zu anderen, gerne von mir gerauchten Tabaken gefällig? Bitte sehr (bitte beachten, daß ich hier keine Wertung anstellen möchte, lediglich Unterschiede und Ähnlichkeiten aufzeigen):

Samuel Gawith‘s Full Virginia Flake fällt mir da ein; der LB ist jedoch transparenter, i.S.v. „zugänglicher“; er offenbart seine Qualitäten freimütiger als jener.

Rattray‘s Marlin Flake ist der „dunkelsüße Referenz - Virginia“; im Vergleich dazu ist der LB mit einem zusätzlichen Kellergeschoß an Würze und Tiefe versehen.

Vage ähnlich, wenn auch in einem anderem Genre daheim, ist der LB auch dem Black and White von Solani, dessen (Latakia-) Würze jedoch dominanter ist als hier vom Kentucky dargeboten.

Fazit: Ein kräftiger, aber sehr zivilisierter Blend, der das Zeug zum Allday - Tabak hat, wenn man denn den ganzen Tag das gleiche rauchen möchte. Ich tue das normalerweise nicht, habe mich aber dabei ertappt, immer wieder zum Louisiana Broken zu greifen.

(19.10.2011)

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