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Rattray's Hal O'the Wynd
(Pfeifentabak)
| Hersteller: | Kohlhaase & Kopp |
| Mischung: | Virginia, zumeist Red Virginia |
| Schnittbreite: | Broken Flake bzw. ready rubbed |
| Typ: | naturbelassen |
| Stärke: | medium-stark |
| Verpackung: | Hochdose 100 g |
| Preis: | 15,35 Euro |
Christoph Tangermann
Ein Tabak für Nostalgiker, wie die Escudo-Fans, oder solche, die aus purer Neugier einmal wissen wollen, was schon vor gut 100 Jahren geraucht wurde, als es noch nicht die heutige Unzahl von Pfeifentabaken, die sich aber fast alle immer ähnlicher werden, gab.
Genau genommen handelt es sich entgegen dem oben Gesagten um gar keine Mischung, sondern um einen "Blend", da nur Tabakblätter einer Sorte - aber verschiedener Provienienzen -, nämlich Virginias, verwendet werden. Der Tabak hat eine einheitlich rostrote Färbung, und schon das Bouquet, das er im kalten Zustand unmittelbar nach dem Öffnen der Dose verströmt, ist einzigartig und assoziiert sofort etwas Vollmundiges, "Fettes"...und beim Rauchen bestätigt sich das. Typischer Virginia-Geschmack, aber ungewöhnlich füllig (und doch "weich"); geht IMO so etwas in die Richtung von Ashton Black Parrot (der teurer ist). Passt gut zu einem kräftigen Rotwein. Wie gesagt, kein Leichtgewicht, kann aber sorglos ohne Filter genossen werden. Ist man aber Filterfreund, würde ich hier die aus Balsaholz empfehlen, des leicht süßlichen Beigeschmacks wegen.
Gerade gekauft, präsentiert sich der Tabak vergleichsweise feucht; man sollte dann ruhig über Nacht die Dose offen lassen. Die Raumnote ist - nach Aussagen von "Mitrauchern" - angenehm und wenig aufdringlich. Leider ist der Abbrand resp. das Anzünden nicht gänzlich problemlos. Aus mittleren Pfeifen geraucht, ist dieser Blend dafür ausgesprochen ergiebig, will sagen, die Füllung hält lange an.
BTW:
Der Markenname, ebenso einzigartig wie der Tabak, wurde von Charles Rattray als Reminiszenz an den bärenstarken Perther Schmied (in der mittelalterlichen Zunftsprache ein "Burn-the-wynd", Anspielung auf die Blasebälge) Henry, genannt Hal, gewählt. Näheres kann man der romantischen Erzählung "The Fair Maid of Perth, or St. Valentine's Day" des schottischen Nationaldichters W. Scott nachlesen.
Björn Hollensteiner
Rattrays stellt eine Reihe von reinen Virginiablends her, die in der Stärke und der Voluminösität ansteigen. Beginnend beim Brown Clunee geht es über Old Gowrie und Marlin Flake bis zum Hal o'the Wynd, welcher an der Spitze steht. Bis auf den Marlin Flake sind diese Tabake alle Ready-Rubbed. Um es voran zu schicken: Dieser Tabak ist innerhalb kürzester Zeit mein All-Day-Smoke geworden.
Der Hal o'the Wynd kommt in der Dose als Ready-Rubbed-Flake. Er hat eine dunkelbraune, volle Farbe und verströmt einen sehr aparten Duft, der neben dem Tabakaroma eine leicht pflaumige Note hat, die von einem Casing stammen könnte. Schon der Duft lässt die Vielschichtigkeit und Voluminösität des Tabaks erkennen. Der Weinkenner benutzt dafür den Begriff des "Körpers". Der Hal o'the Wynd hat definitiv Körper. Zum Stopfen sollte man den Tabak einfach in die Pfeife füllen, leicht andrücken und oben eine kleine Schicht ganz zerriebene Ready-Rubbed-Flakes auflegen. Dann geht er problemlos an und glimmt nach dreimaligem Anzünden ruhig und kühl. Der Rauchduft ist voll, aromenreich und weich, ich ertappe mich immer wieder dabei, daran genüsslich zu schnuppern.
Vielschichtigkeit ist das Hauptcharakteristikum des Tabaks. Trotz der eindeutigen Stärke des Tabaks brennt er in keiner Weise auf der Zunge. Es stellt sich ein leichtes Prickeln auf der Zunge ein, das ich als angenehm empfinde. Man kann ihn sowohl mit, als auch ohne Filter rauchen, wobei die o.F.-Variante das Genusserlebnis noch verstärkt . Anfangs sottet der Tabak ein wenig, was bei Flakes aber typisch ist. Will man den Tabak ohne Filter genießen aber das Gesotter abfangen, so empfiehlt sich die Benutzung eines Filters für 20 Minuten (etwa 1/3 der Füllung). Dann sollte man ihn herausnehmen und genießen... In der zweiten Hälfte der Füllung legt der Tabak noch mal zu und ist nun Zug für Zug ein Genuss. Der Tabak brennt langsam und kühl, für ein mittleres Füllvolumen sollte man mit Filter mindestens eine Stunde rechnen, ohne Filter länger. Es bleibt wenig feine, staubförmige weiße Asche übrig.
Fazit:
Ein Spitzenprodukt der Tabakherstellung. Für mich einer der besten Tabake auf dem deutschen Markt. Bisher gibt es keinen Tabak von Rattrays, den ich nicht mochte. Unverständlich, warum die Tabake nur so schwer zu bekommen sind. Ich kann diesen Tabak bedenkenlos jedem empfehlen, der Virginiablends mag, bzw. probieren möchte.
(29.05.2000)
Frank Nicolai
Dieser Tabak dürfte allen Langzeitdaftlern wohlbekannt sein. Insofern ist es fast müssig, etwas über dieses großartige Kraut zu schreiben. Andererseits kann es nicht schaden, einen guten Tabak immer wieder auf's Neue zu loben.
Als ich den HOTW das allererste mal probierte, habe ich mir notiert: "ready-rubbed-Version des Marlin Flakes". So einfach stimmt das allerdings meiner Meinung nach nicht. Denn selbst der aktuelle Marlin Flake ist etwas dunkler und "brotiger" in Geruch und Geschmack. Der reviewte Tabak ist den genannten sicherlich verwandt, aber sie unterscheiden sich doch vorneinander. Sie sind sicherlich Brüder; aber keine Zwillinge.
Der Tabak ist in der gekauften Dose perfekt konditioniert. Die oft bemängelte überaus große Feuchte der Rattray's ist hier nicht gegeben. Der Tabak fasst sich elastisch und weich an, ohne jedoch zu kleben. So ist das Stopfen ein Kinderspiel. Das Entzünden braucht schon etwas mehr Mühe, denn der Tabak bäumt sich sehr auf und es bedarf einiger Versuche, ehe die gesamte Oberfläche glimmt. Wenn aber, dann so gleichmäßig, dass man die Pfeife auch mal 5 Minuten zur Seite legen kann, ohne dass die Glut erlischt.
Im Geschmack verrät sich vom ersten bis zum letzten Zug: hier spielen die kombinierten Virginias die allererste Geige. Süffig und vollmundig präsentiert sich der Tabak. Süßlich und wenig rauchig stellt sich der Geschmack dar. Immer präsent und zum Ende hin etwas kräftiger werdend. Ich rauche den HOTW gern aus größeren Pfeifenköpfen da die Geschmacksintensität propotional zur Rauchdauer steigt. Ergo: eine HOTW-Pfeife kann nie groß genug sein :-)
Auch wenn ich denke, dass der Tabak sicherlich kein Einsteiger-Tabak ist, denn es braucht schon ein wenig Übung, die geschmacklichen Nuancen zu entdecken; er ist anfängerfreundlich. Wennauch er mir ohne Filter geraucht bedeutend besser schmeckt. Ich habe das Gefühl, dass der Filter (AKF und Meerschaum) dem Tabak die Spitzen wegnimmt, die ihn aber auszeichnen. Mit Filter wirkt er eher eindimensional.
Wichtig ist auch, dass man sich bewußt bemüht, den Tabak immer sehr kühl zu rauchen. Schnelle, tiefe Züge bestraft er mit Geschmacksverlust. Da kann man sicherlich auch preiswertere Flakes rauchen. Aber kalt und langsam geraucht offenbart der HOTW eine schier unglaubliche Geschmacksfülle.
Ich stopfe den Tabak nicht fest. Er braucht Luft zum Glimmen. Trotzdem genügt eine Füllung in einer mittelgroßen Pfeife für gut eine Stunde Rauchgenuß. Übrig bleibt ein wenig dunkelgraue Asche.
Fazit:
Liebhaber der naturbelassenen Tabake kommen an dem Hal'O The Wynd nicht vorbei. Das ist einer der ganz Großen aus dieser Richtung. Und neben dem Marlin einer, die immer wieder meinen Weg kreuzen wird.
In meiner persönlichen Bewertungsliste bekommt er ein "Sehr empfehlenswert".
(02.11.2002)
Björn Hollensteiner
Es ist nun etwa 3 Jahre her, daß ich Rattrays Hal o' the Wynd erstmals rauchte und schätzen lernte. Anfangs war ich völlig begeistert und habe meine Begeisterung im oben nachzulesenden Review zum Ausdruck gebracht. Doch dann eroberten andere Tabake die Spitzenplätze meiner "Rangliste", kaufte ich den "HOTW" lange nicht mehr.
Nun hat wieder eine Dose den Weg in meinen Tabakschrank gefunden. Beim ersten Öffnen muße ich leider feststellen, daß der Tabak derart feucht konfektioniert war, daß er nur eingeschränkt rauchbar schien. Nun, nach etwa 2 Monaten Ruhe ist er etwas trockener und glimmfähiger geworden.
Leider kann ich mein damaliges Urteil über Hal o' the Wynd nicht mehr aufrecht erhalten. Entweder hat sich mein Geschmacksempfinden geändert, oder es ist nicht mehr das in der Dose, was vor 3 Jahren noch darin war.
Geschmacklich hat der Tabak weit weniger von der Tiefe, von dem Körper übrig behalten, den ich damals schätzte. Er ist im Gegenteil vor allem beim Anrauchen recht harsch und bissig im Geschmack, daß es einem das Weiterrauchen fast verleidet. Ist er einmal zufriedenstellend entzündet, kommt im Verlaufe der Füllung nur in Anklängen so etwas wie der Geschmack eines vollreifen Virginias auf. Vor allem zum Ende der Füllung hin geht er aber wieder verloren und macht dem harsch-bitteren Geschmack vom Anfang Platz. Man darf den Tabak nicht einen Deut zu schnell rauchen, wenn der Geschmack nicht vollends verloren gehen soll.
Es tut mir fast leid um den HOTW, daß ich ein solches Urteil über ihn fällen muß, zumal er mir in sehr guter Erinnerung geblieben war. Einschränkend muß ich allerdings sagen, daß ich durchaus wieder Pech gehabt haben kann, was den Doseninhalt angeht. Dergleichen ist mit mit dem selben Tabak vor drei Jahren schon einmal passiert. Damals war die dritte Dose, die ich kaufte, fast unrauchbar, die vierte aber wieder in Ordnung.
Fazit:
Leider nicht mehr das, was er einmal war. Selbst wenn es sich um eine Chargenschwankung handelt oder um eine "Restedose", kann ich die uneingeschränkte Empfehlung so nicht mehr aufrecht erhalten.
(18.01.2003)
Klaus Buhles
Nach dem Öffnen der Dose bietet sich dem Liebhaber reiner VA-Blends ein herrliches Bild - goldbraune Broken Flakes, gepaart mit einem samtigen, brotartigem Geruch. Der Tabak ist perfekt konditioniert, von zu hoher Feuchtigkeit oder gar Klebrigkeit ist nichts zu spüren.
Das Stopfen der Pfeife ist ob der Konditionierung und Konsistenz des Tabaks ein Kinderspiel, das Anzünden gestaltet sich, da sich der Tabak stark aufbäumt, nicht ganz so einfach, aber man hat den Bogen schnell raus - die oberste Lage sehr fest gestopft, hält sich auch dieses in Grenzen.
Dann kommt der Geschmack - reiner VA-Geschmack und nichts sonst. Voluminös und samtweich umschmeichelt der Tabak Gaumen und Zunge, nichts brennt oder kratzt. Er läßt sich kühl und trocken, unter gelegentlichem leichten Nachstopfen bis zum letzten Krümel aufrauchen, ebenso hält der Geschmack von VA begleitet von einer natürlichen Süße von Anfang bis zum Ende der Füllung an. Auch ein erneutes Anzünden, sollte die Pfeife trotz allem mal ausgegangen sein, ist kein Problem, es geht einfach so weiter wie vorher, ohne daß der Tabak an Geschmack verliert und bitter wird. Auch ein versehentliches Heißrauchen wird nicht gleich mit Zungenbiß bestraft, lediglich die Kondensatproduktion steigt überproportional an. Mit Gefühl weitergeraucht erledigt sich auch dieses Problem von selbst. Am Ende der Füllung rieselt ein Häufchen hellgrauer Asche aus dem Pfeifenkopf und man bedauert, daß schon alles vorbei ist. Aber es gibt ja schließlich Nachschub :-)
Fazit:
Naturbelassener VA at its best. Der Tabak schaffte es aus dem Stand auf Platz eins meiner Hitliste und wurde zu meinem Allday-Smoke, den man zu jeder Tageszeit in einer meiner Pfeifen findet. Ein ehrlicher, gleichzeitig geschmacklich gehaltvoller Tabak, den man dem Liebhaber von reinen VA's
bedenkenlos empfehlen kann. Ich empfehle diesen Tabak aufgrund seiner guten Rauch- und Abbrandeigenschaften auch dem Anfänger uneingeschränkt.
BTW: Das oben gesagte gilt für die, aus gleichem Hause stammenden, Marken "OLD GOWRIE" und "BROWN CLUNEE" entsprechend, Für mich unterscheiden sich die drei Tabake lediglich im Nikotingehalt voneinander. Wer einen etwas leichteren VA-Tabak bevorzugt, der sollte sich die beiden anderen Sorten mal gönnen.
(13.04.2003)
Ingo Gebert
Diesen Tabak habe ich schon oft geraucht, bis mir letztens aufgefallen ist, dass ich hierzu noch keine Beurteilung abgegeben habe. Dieses möchte ich hiermit nachholen. Der Tabak wird bei einem Händler mit den nachfolgenden Worten zum Kauf angeboten:
"Hal o' the wynd - dieser Name wurde abgeleitet von dem Schmied der Sage "Die schöne Maid von Perth", der von Scott als "ein Mann von höchst ungewöhnlicher Stärke" beschrieben wurde. Aber hier, wie bei allen anderen, wird der Begriff Stärke im Sinne von Vollmundigkeit oder angenehmen Raucheigenschaften verwendet."
Schon der Geruch ist verheißungsvoll: Meine Nase umschmeichelt ein Duft aus frischem Brot und echten, leicht süßlichem Tabaksgeruch. Der Ready-Rubbed setzt sich aus dunkel- und hellbraunen Tabakfasern zusammen. Ich habe den Tabak ohne weitere Vorbereitungen in die Pfeife eingebracht, und auch das in Brand setzen und halten ist auch kein Hindernis. Nach den ersten Zügen kann ich eine würzige, vollmundigen Tabakgeschmack mit einer naturechten Virginiasüße erschmecken, wobei die Zusammensetzung der einzelnen Geschmackskomponenten von Zug zu Zug leicht variiert. Direkt nach dem Frühstück würde ich diesen a Tabak allerdings nicht rauchen wollen, dafür ist mir zu kräftig, aber aller Stärke ist der Tabak ein echter Zungenschmeichler, ich habe ihn nur aus oFi-Pfeifen genossen.
Fazit:
Daumen hoch: Virginia at it's best. Dieser Tabak ist fester Bestandteil meiner Tabaksbar.
(17.10.2003)
Manuel Evertz
Vor ca. einer Woche habe ich aus dem Keller eine ca. 1 Jahr lang gelagerte 100g Dose des Hal O' The Wynd geholt und geöffnet. Normalerweise riecht dieser Tabak beim Öffnen etwas süsslich brotig, ähnlich wie der Marlin Flake aus gleichem Hause und man findet rötlich braune aufgerubbelte Flake Stücke. Ich weiss jetzt natürlich nicht, ob es am Aging liegt, oder ob es Chargenschwankungen sind, aber diese Dose enthält "anderen" Tabak, als wie wenn ich ihn frisch im Laden kaufe. Von dem brotigem Aroma beim riechen ist nichts mehr übrig, es riecht eher süsslich nach leicht vergärten Pflaumen, ja man meint schon fast, eine alkoholische Note zu erkennen. Ich hab mir aufgrund des Zungenprickelns, das der Tabak bei mir verursacht, schon immer gedacht, daß er eine Spur Perique enthält, jetzt bin ich mir so gut wie sicher. Auch das Tabakbild ist gegenüber der frischen Variante etwas dunkler. Die Konsistenz bzw. Feuchtigkeit hat sich nicht geändert.
Beim Anzünden bäumt sich der Tabak stark auf und ich muss mehrmals nachzünden und immer wieder nachstopfen. Ich rauche den HotW aufgrund seines vollmundigen Geschmacks eh schon sehr gerne, aber diese 100g Dose habe ich innerhalb einer Woche sozusagen verschlungen. Ziehe ich an der Pfeife, habe ich das Gefühl, greifbare Masse in den Mund zu bekommen, so voluminös kommen die Virginias rüber. Süsslich, kräftig und mit einer Nuance von eben diesen Pflaumen, wenn man ihn durch die Nase wieder ausatmet. Das Ganze erfährt noch eine leichte Steigerung umso mehr sich die Füllung dem Ende zuneigt. Er wird auch (noch) kräftiger und das Prickeln auf der Zunge nimmt zu, so richtig schön um sich am Abend satt zu rauchen. Das wird mich aber nicht davon abhalten, die jetzt ;bis auf einen kleinen grauen Ascherest, leere Pfeife beiseite zu legen und mir noch eine letzte für diesen Tag (und diese Flasche Spätburgunder) mit dem Hal O' The Wynd zu stopfen.
Als Fazit bin ich traurig, daß ich die Dose so schnell aufgeraucht habe. Das Warten hat sich gelohnt und wurde mit einem sehr leckerem Raucherlebniss belohnt. Ich werde nächste Woche 2 neue Dosen kaufen und eine wieder verbunkern. Man sollte das eigentlich bei jedem Neukauf des Hal O' The Wynd tun ;-)
(25.04.2004)