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Stanwell Indigo Flake
(Pfeifentabak)
| Hersteller: | Blended for Stanwell |
| Mischung: | Virginia, Burley, Kentucky, Black Cavendish |
| Schnittbreite: | ca. 2,8 mm |
| Typ: | stark aromatisiert |
| Stärke: | ultra-leicht |
| Verpackung: | 50 g Dose |
Thomas Schoke
Beim Öffnen der Packung ein starker Geruch nach Fruchtaromen, ohne dass eine Richtung erkennbar wird. In der Packung ca. 4,5 x 2 cm breite und erstaunlich dicke Flakes von rabenschwarzer Farbe. Kein Wunder, angeblich ist der Tabak dreimal fermentiert. Die Flakes sind schmierig und klebrig. Obwohl Stanwell diese Komposition "Easy Flake" nennt, ist das Aufbröseln der Flakes ein mühsames und langwieriges Geschäft. Der Tabak ist außerdem viel zu feucht.
Der Geschmack (das Wort "Geschmack" verbietet sich fast in diesem Zusammenhang!) wird geprägt von undefinierbaren aber dreist aufdringlichen Fruchtaromen. Vielleicht ein Erdbeer-, Blaubeer-, Himbeer-, Johannisbeer-, Braunbär-Aroma. Stanwell gibt an, der "Indigo Flake" würde aus "Virginia und Zimbabwe Tabaken, White Tennessee Burley und feuergetrocknetem Kentucky bestehen. Mag sein. Zu merken ist davon nichts, der Tabakgeschmack geht im Aroma-Pansch sang-und-klanglos unter. Schon nach wenigen Zügen beginnt es in der Pfeife zu gluckern und zu sotten, schließlich will das viele Wasser ja irgendwo hin. Ist die Pfeife zur Hälfte geraucht, haben die Frucht-Aromen längst das Weite gesucht und es bleibt ein dumpfer, ausdrucksloser Tabakgeschmack mit leicht modriger Komponente. "Indigo Flake" schmeckt aus kleinen und großen Pfeifenköpfen gleich scheußlich und hat das Zeug, auch Lieblingspfeifen zu ruinieren.
Fazit:
Indigo Flake ist extrem leicht, tabakmäßig nichtssagend und besitzt objektive Mängel (Feuchtigkeit). Manfred hat einen der Tabake von Davidoff als "Frechheit" bezeichnet, Indigo Flake legt da noch richtig was drauf und ist ergo die Ober-Frechheit. Einer der wenigen Tabake, die ich weggeworfen habe.
Aber auch Indigo Flake hat eine gute Seite: Er ist das perfekte Weihnachtsgeschenk für Pfeifenraucher, denen man das ganze Jahr über erfolglos die Pest an den Hals gewünscht hat!
Martin Hofmann
Nach gut eineinhalb Dosen Indigo wage ich eine Bewertung des (köstlichen) Tabaks:
Der Tabak kommt in einem Cellophanbeutel daher, welcher in einer schönen dunkelblauen Dose steckt. Das Tabaksbild bezeichne ich als dunkelbunt. (Sehr viel schwarzer und etwas dunkelbrauner und noch weniger hellbrauner Tabak). Der Tabak enthält kaum sperrige Anteile (z.B Stängel) - eine Eigenschaft, die ich bei teureren Tabaken oft vermisse.
Direkt nach dem Öffnen des Cellobeutels strömt mir ein sehr intensives künstlich-fruchtig-süsses Brombeer-Pflaumenaroma entgegen. Hätte man mir den Tabak mit verbundenen Augen vorgehalten, währe er wohl als Dessert in meinem Magen und nicht im Pfeifenkopf gelandet. ;-) Stecke ich meine Nase zu tief in den Cellobeutel, hat der Tabak eine stechende Komponente. Ich musste (keine Ahnung warum) irgendwie an Salmiak denken.
Der Tabak fühlt sich, direkt nach dem Öffnen der Packung, recht feucht an, hat aber ein unproblematisches Handling. Man sollte ihn in einer mittelgroßen Pfeife etwas lockerer als "normal" stopfen.
Das Anzünden ist recht trivial. Nach zwei oder maximal drei Streichhölzern, sollte der Tabak vernünftig glimmen.
Jetzt zur wichtigsten Frage: Wie schmeckt Indigo denn ? Um es mit einfachen Worten zu sagen - genauso wie er riecht ! Der Geschmack besticht durch die gleichen künstlich-fruchtig-süssen Brombeer-Pflaumenaromen, wie sie den Geruch des Tabaks bestimmen. Leute mit Hang zum Übergewicht sollten, wegen der immensen Süße, die Finger von dem Kraut lassen ;-) - die Mediziner mögen mir meine fehlende Sachkenntnis verzeihen. ;-) Der Geschmack bleibt bis zum Schluss erhalten. Allerdings wird er im unteren Viertel etwas - mir fällt hier kein passenderer Begriff ein - dumpfer. Das leichte Dumpferwerden des Geschmacks sehe ich hier eher als Vorteil, denn als Nachteil. Dadurch wird man durch die Süße nicht überstrapaziert.
Man sollte die Pfeifenfüllung während des Rauchens hin und wieder mal leicht nachstopfen (Achtung: aber nicht zu fest). Die Füllung lässt sich komplett bis zu Boden durchrauchen. Ein Ausgehen und erneutes Anzünden schaden dem Geschmack nicht sonderlich. Von Zungenbrand kann beim Indigo übrigens keine Rede sein. - Absolut mild und sanft zur Zunge ! Ein Heißrauchen gelang mir nur mit Vorsatz.
Ein kleines Manko ist allerdings die Kondensatbildung, wobei es aber mit "normaler" Rauchgeschwindigkeit nicht zum Sottern kommt. Sehr zu Empfehlen ist es, dem Tabak eine eigene Pfeife zuzuteilen, da sich sein Aroma doch sehr harsch in ihr breit macht. Ich mag ihn zwar nicht immer rauchen, schätze ihn aber öfter mal als "Arbeitstabak", den man aufgrund seiner gutmütigen Raucheigenschaften, nebenbei genießen kann.
Fazit:
Der Indigo ist ein herrlicher Tabak aus der Riege der Hardcore-Aromatics, der im Geschmack das hält, was er im Geruch verspricht. Allerdings muss man diese Art der Aromatisierung schon wirklich mögen. Ich werde mir immer einen kleinen Vorrat Indigo halten.
(16.06.2000)
Wolf-Rüdiger Jürgens
Der Indigo ist wohl einer der häufigsten benutzten Beispiele wenn es darum geht einen Kandidaten dafür zu benennen, was man lieber nicht rauchen sollte. Er steht damit neben den Planta-Aromaten und den Pöschl- Tabaken als der ungekrönte König der Aromaten auf dem Treppchen. Nun ich wollte es wissen ob er wirklich seinen Ruf verdient und habe mir eine Dose Indigo-Flake gekauft. Interessant ist dass die Dose selbst, (ohne Inhalt) recht begehrt ist, aber wohl hauptsächlich von den Ehefrauen des Pfeifenrauchers.
Da liegt sie nun vor mir die Dose und ich weiß nicht mal wann ich mir das antun werde sie zu Öffnen. Zuviel negative Meinungen musste ich schon hören und Lesen. Angefangen von Aromabombe bis Chemiecocktail. Ich bin also auf das Allerschlimmste gefasst, und öffne vorsichtig den Deckel. Sofort erfüllt sich die Luft um mich mit betörend süßem Duft, Schlagsahne mit Früchten ist mein erster Eindruck und ich werde ihn auch nicht los. Das soll man Rauchen ? Ungläubig starre ich auf den Tabak. Dieser ist fast schwarz, nur von leichten Sprenkeln durchzogen. Geruchsmäßig macht er sich nicht bemerkbar, er hat keine Chance gegen die Aromatisierung anzustinken. Der Indigo ist eigentlich nicht zu feucht, anscheinend lag er schon etwas länger bei meinem Händler so dass chemische Reaktionen die Feuchtigkeit mit dem Tabak verbunden haben.
Ich nehme vorsichtig eine Scheibe Indigo und zerbrösele sie in eine flache Oldenkott Pfeife. (Hinterher weiß ich "das hat sie nicht verdient"). Der Indigo ist anscheinend ein Crumble Flake den er zerfällt sofort zu mehr oder weniger großen Krümeln. Die Oberfläche ein wenig planiert, und schon kann es mit dem Anzünden weitergehen. Dabei sträubt er sich doch etwas , ich muss zum Feuerzeug greifen, mit Hölzern bekomme ich keine gleichmäßig glimmende Oberfläche. Wie sich später herausstellen wird , gelingt es auch mit dem Feuerzeug nicht befriedigend.
Ganz langsam nehme ich einen Zug, auf das Schlimmste gefasst. Nichts, kein Rauch spürbar, nur etwas warme Luft die allerdings genauso schmeckt wie der Indigo aus der Dose riecht. Ich ziehe heftiger, nichts, nur warme Luft. Verdammt, das soll doch eigentlich Tabak sein , was brennt da eigentlich in der Pfeife ? Irgendwie bin ich im falschen Film, der Indigo soll doch laut Beschreibung einiger Pfeifenraucher Würgen und Brechreiz auslösen ? Tut er nicht. Aber er erzeugt auch keinen Geschmack, außer dem von Fruchttorte mit viel Schlagsahne. Wenige Züge später ist er aus, Neu anzünden, weiter geht's, keine Änderung im Geschmack. So alle 10-15 Züge geht der Indigo regelmäßig aus. Solch schlechtes Abbrandverhalten habe ich doch noch nie bei einem Tabak erlebt. Zudem verklebt er mittlerweile zu einem Klumpen Tabak, den ich vor jedem Anzünden erst mal mit dem Besteck auflockern muss. So geht das weiter bis nichts mehr in der Pfeife zum Abfackeln da ist.
Zurück bleiben ein paar Tabakreste und ganz wenig Asche. Vermutlich hat das vollständige Tränken des Indigo mit der Aromatisierung sein Abbrandverhalten so verschlechtert das er sich nur mit Mühe rauchen lässt. Auch an den folgenden Tagen gelingt es mir nicht durch Änderung der Konsistenz, mehr oder weniger Aufrubben bzw. die ganze Scheibe in die Pfeife, daran was zu ändern. Er will nicht gleichmäßig und ohne ständiges Wiederanzünden in der Pfeife glimmen.
Ob man ihn nicht doch lieber essen sollte ? Die Raumnote löst bei meiner Familie leichte Begeisterung aus, sie empfindet den Geruch als angenehm. Ich selbst mag ihn nicht sonderlich, er bekommt mit der Zeit etwas penetrantes. Ein negativer Effekt des Indigo noch, er verklebt für den Rest des Tages die Geschmacksnerven, selbst der Bulldog Golden Flake (nicht gerade schwach aromatisiert) schmeckt plötzlich nach Indigo. Nach einer Woche ist er aufgeraucht, oder besser gesagt verbrannt, und die arme Oldenkott muss zur Kur. Salz und Alkohol sollen ihre Konstitution wiederherstellen.
Fazit:
Ich musste ihn probieren, ich wollte wissen was es mit dem Indigo auf sich hat. Nun weiß ich es, es ist kein Tabak, denn Tabak schmeckt auch bei starker Aromatisierung nach Tabak. Siehe G&H Aromatics. Es ist aber auch nichts Essbares wie der Geruch annehmen lässt. Tja was ist es dann ? Nicht Ess/Rauchbare Materie, die wunderbar riecht. Vielleicht eine Vorstufe in der Wunderkerzen-Herstellung ? Selbst bei gutmeinender und unvoreingenommener Betrachtung, ich bin zu dem Schluss gelangt er verdient seinen Platz auf dem Treppchen zu Recht. Nicht genießbar, denn unter Genuss stelle ich mir was anderes vor, daher meinerseits nicht empfehlenswert.
(25.04.2001)
Markus Herrmann
Ich habe nichts gegen Aromaten - auch nicht gegen starke. Mehr noch: Ich mag sie sogar. Aber Indigo? Das ist der Feind!
Wie kam ich überhaupt dazu, das Zeug in meine Pfeife zu stopfen? Nachdem man hier diesen "Tabak" mit wüsten Schmähungen bedenkt, seinen Namen nicht einmal laut auszusprechen wagt und ihn als Strafe für Fehlverhalten bisweilen nennt, kam mir ein Dictum des guten Goethe in den Sinn: "Macht mir den Teufel nicht zu klein! Ein Kerl, den alle hassen, der muss was sein!", und vermutete nur rituelle Unkerei mit nichts als heißer Luft dahinter.
Wie naiv ich doch war!
Bald schon gelang es mir an eine Flakescheibe zu kommen. Mit den Äußerlichkeiten will ich mich nicht lange aufhalten: Es ist ein Flake. Er ist von dunkler Farbe. Er riecht nach stark fruchtiger Aromatisierung. Jedes weitere Wort ist Verschwendung.
Zur Wurzel des Übels: Ich stopfe den Tabak in eine mir nicht sonderlich teure Pfeife, die zuvor den Larsen Signature gesehen hat. Ich zünde an. Aha! Schmeckt doch ganz formidabel! Also doch nur das Gleiche hier wie bei der Erlösungsrhetorik der militanten oFi-Fraktion... ;-)
Ich rauche die Pfeife nebenher, während ich im daft-eigenen Chat mich angeregt unterhalte. Und da passiert es: Langsam schiebt sich so ein unsäglicher, penetranter Brausegeschmack in den Vordergrund. Ich frage mich, was das ist, und ziehe nochmals. Es wird schlimmer. Langsam dämmert in mir der Verdacht, dass die ersten, wohlschmeckenden Züge wohl noch ein Crossover vom vormaligen Larsen gewesen sein könnten. Egal: Kein Urteil ohne mindestens eine Pfeife ganz geraucht zu haben! Aber es wird immer schlimmer. Ich bin schon im letzten Drittel, alles blubbert nur noch wie wild auf
meiner Zunge. Ich gebe auf: Noträumung! (höhnisches Gelächter im Chat)
Wenn ich allerdings dachte, damit hätte ich mich der Sache entledigt, so hatte ich mich dabei tief geschnitten. Ein saftiges Mundhöhlencrossover ist die Folge, dem ich auch nicht durch intensives Zähneputzen beizukommen vermag (das Gelächter im Chat wird lauter).
Ich ließ die arme Pfeife erstmal ein paar Tage liegen. Als nächstes sah sie den MB Vanilla Cream Flake. Ich dachte mir, dass so ein starker Aromat wie dieser Vanillearomat sich schon seinen Platz schaffen wird. Folge: Crossover das nach Indigo light schmeckte. Gleiches auch beim nächsten Mal. Ich griff letztendlich zu Salz & Wodka.
Heute stopfte ich mir in meine generalgereinigte Pfeife den MB Mix zum erneuten Einrauchen. Und dann kam, was mich zum Schreiben dieses Review veranlasste: Noch immer Indigo-Geschmack. Selbst Wodka mit 40% hat dieser Soße nichts anzuhaben vermocht!
Fazit:
Auf Goethe hör' ich nimmermehr und den Tabak kann ich nur denen Empfehlen, die in ihrer Kindheit auch an Ahoi-Brause pur Gefallen fanden. Für alle anderen: Man würde sogar noch den Stolz einer Corn Cob-Pfeife verletzen, füllte man sie mit Indigo an.
(04.07.2004)