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Jocks Mixture

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Rattray's Jock's Mixture

(Pfeifentabak)

Markenname:Rattray's
Hersteller:Kohlhase & Kopp, Rellingen
Mischung:Ready Rubbed Virginia, schwarzer Cavendish, syr. Latakia
Schnittbreite:unterschiedlich
Typ:naturbelassen
Stärke:leicht-medium
Verpackung:Hochdose 100 g
Preis:15,35 Euro

Christoph Tangermann

Jock's - eine Bezeichnung der Engländer für schottische Soldaten und Seeleute - ist einer meiner Favoriten - von Charles Rattray. Und leider gibt es eben da ein grundsätzliches Problem: die Beschaffbarkeit. Selbst in solchen Fachgeschäften, die Rattray's-Tabake führen, ist Jock's nur selten auffindbar; ich habe sogar erlebt, dass ein Händler ihn nicht einmal dem Namen nach kannte, und mich ein anderer davon überzeugen wollte, die Produktion dieser Spezialität wäre vor einigen Jahren eingestellt worden. Es handelt sich um eine "British Style" Black Cavendish-Mischung, d.h. mit hohem B.C.-Anteil, der allerdings im Unterschied zu dänischen Tabakmischungen nicht mittels eines Casings künstlich aromatisiert wird; sie ist dunkel, vollmundig und für eine britische Mixture recht wohlriechend. Letzteres dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass wirklich nur eine Andeutung von Latakia enthalten ist. Manchmal scheint es mir, als sei auch eine Spur Perique dabei. In der Geschmacksrichtung ist Jock's dem aus demselben Hause kommenden Dark Fragrant nicht unähnlich - z.T. an gedörrte Rosinen erinnernd. Nur am Rande sei in diesem Zusammenhang erwähnt, dass besagter Dark Fragrant im direkten Vergleich IMO zwar etwas "besser", aber leider auch irgendwie "eindimensionaler" schmeckt. Der (immer noch langsame) Abbrand ist bei Jock's besser.
Im Geschmack, wie gesagt, kann Jock's den hohen Cavendish-Anteil nicht verleugnen, trotzdem ist er durchaus würzig. Er gehört zu den seltenen Mischungen, die - wie guter Wein - mit der Zeit, sachgerechte Lagerung vorausgesetzt, besser werden. Ich habe letztes Jahr einmal eine Dose erstanden, die bestimmt schon über zwei Jahre "Dornröschenschlaf" im Händlerregal gehalten hatte: teils dunkelbraune, teils pechschwarze Farbe, mit Spuren von auskristallisiertem Zucker - ein Traum. Ich würde diese Mixture auch all denen empfehlen (was ich auch im Namen meiner Eheliebsten sagen darf), die das Stichwort "Latakia" sonst eher abschreckt. Meines Erachtens stellt Jock's eine perfekte Synthese von "dänischen" und "schottischen" Vorzügen dar.


Christof Burger

Vorweg: Jock's ist für mich ein Tabak, über den ich nur sehr schwer ein Urteil fällen kann. Seit wir und begegnet sind, haben Jock Rattray und ich alle Grade des Genusses von "das Süßkraut zieht einem ja die Socken aus" und "die Pampe brennt noch nicht mal mit dem Schweißbrenner" über "na, ja, ist mal was anders" bis zu "ja, doch, der ist was Besonders" durchlebt. Die erste Dose Jock's kaufte ich, nachdem ich damit begonnen hatte, mir die Welt des Latakias und der ungeflavourten Tabake zu erschließen. Vom Jock's erwartete ich einen typischen Engländer vom Kaliber eines RRR, EMP oder BS. Meine Erwartungen wurden schon beim ersten Schnuppern an der offenen Dose zu Nichte gemacht...

Jock's Mixture wird in der Rattray-typischen, gelben Hochdose für 15,35 EUR verkauft. Der Tabak besteht aus hell- und dunkelbraunem Ready rubbed Virginia sowie ungeflavourtem Black Cavendish und syrischem Latakia. Das Ganze ergibt ein bunt gemischtes Tabaksbild, das von hellbraunen über dunkelbraune bis zu schwarzen Tabakfäden sowie Flakestücken mit unterschiedlicher Breite reicht. Sofort nach dem Öffnen entströmt der Dose ein durchdringender Duft nach Dörrobst begleitet von einer derberen Duftkomponente, die Assoziationen von feuchtem Herbstlaub bei mir erweckt. Ganz dezent rieche ich noch die Ansätzen einer heuigen Virginianote. Ein künstliches Casing wurde nicht zugesetzt. Die sehr süße Komponente des Black Cavendish macht das natürliche Topflavour dieses Tabaks aus, zu dem sich der Heuduft des Virginias und das rauchige Aroma des Latakias gesellen. Wie alle Rattray's, die ich bisher hatte, ist auch die Jock's Mixture nach dem Öffnen noch sehr feucht. Ich lasse daher Rattray-Tabake zunächst eine Nacht geöffnet stehen, schließe danach wieder den Deckel der Dose und warte (wenn ich es aushalte) nach Möglichkeit 14 Tage bis einen Monat. In dieser Zeit hat der Tabak die richtige Konsistenz erlangt, um die erste Pfeife aus der frischen Dose zu stopfen. Die bevorzugten Pfeifen für den Jock's sind meine beiden Petersons mit Lippenbissmundstück.
Den Grund dafür werde ich später erläutern. Jock's Mixture ist IMO, entgegen der Meinung eines weiteren Rewiews, das ich zu diesem Tabak gelesen habe, alles andere als einfach zu handhaben. Die erste Besonderheit muss man schon beim Stopfen beachten: Der Jock's mag es überhaupt nicht, wenn er zu fest gestopft wird. Der Zug wird dann extrem schwer mit allen Konsequenzen, die daraus entstehen: Der Tabak glimmt nicht, geht ständig aus und die Pfeife ist nach wenigen Zügen heiß geraucht. Aus dieser anfänglichen Erfahrung klug geworden, stopfe ich den Jock's eigentlich gar nicht; ich "bringe ihn in die Pfeife in drei Schichten ein". Die obere Schicht drücke ich leicht mit dem Pfeifenstopfer an. Nach dieser Vorarbeit lässt sich der Tabak mit einer Zündung zum Leben erwecken. Rattray's Jock's Mixture ist ein sehr süßer Tabak mittlerer Stärke. Zur Zeit habe ich nichts in meiner Tabakbar, das an die Süße des Jock's heranreicht. Geschmacklich erinnert mich dieser Tabak an getrocknete Datteln. Der BC dringt auf breiter Front durch und überlagert den Virginia. Nach den ersten Eindruck macht sich bald eine sehr würzige Latakiakomponente bemerkbar, welche die Süße des BC deutlich in Schach hält. Ferner treten etwas fruchtigere, leicht säuerlicher Nuancen auf, wie ich sie öfter bei BC-geprägten Tabaken bemerke. Gekoppelt an diese leichte Säure dringt eine pfeffrige Latakiaspitze durch, die auf der Zunge, am Gaumen und in der Nase prickelt; nach einer Weile ist meine Zuge fast schon betäubt - eine Wirkung, die ich so nur von Periquetabaken, wie dem DH DLNR und Elizabethan Mixture kenne. Der Jock's verzeiht keine Ungeduld! Zu hastiges Ziehen quittiert er umgehend mit einer heißen Pfeife und gegrillten Zunge. Raucht man den Jock's aber langsam und konzentriert, dann entwickelt er eine ungeahnte Dichte und ist sehr ergiebig. Seine Raumnote würde ich als schwer, derb und süß charakterisieren. Beschwerden kamen bisher nicht; allerdings auch keine positiven Reaktionen. Im Restaurant würde ich ihn aber dennoch nicht anzünden.

Fazit:
Rattray's Jock's Mixture raucht sich schwierig und fordert viel Konzentration und Aufmerksamkeit. Man muss sich auf Jock's einlassen, sich Zeit für ihn nehmen und ganz bewusst genießen. Als Allday-Tabak ist er mir zu schwierig. Aber er ist auf jeden Fall empfehlenswert, wenn man ganz bewusst etwas Außergewöhnliches genießen möchte. Seine enorme natürliche Süße macht ihn einzigartig. Jock Rattray würde ich nicht als meinen besten Freund bezeichnen. Trotzdem möchte ich ihn immer in meiner Nähe wissen.

(24.10.2003)

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