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Kärnbach Jubiläumsmischung
(Pfeifentabak)
Robert Bannert
Als ich bei Kärnbachs in Berlin-Steglitz wieder mal nach neuen Sorten schaute und sie mir ihre (20-Jahre-?) Jubiläumsmischung ("Kärnbachs Jubi") zum Schnuppern gaben, war ich einigermaßen angetan. Dazu muß ich sagen, daß ich durch die (demnächst behobenen) Nasenprobleme in den letzten Jahren zumeist nur eingeschränkt riechen kann - was sich auch auf meine Genußfähigkeit in Sachen Pfeiferauchen auswirkt - und so den Tabak gewissermaßen nur auf Distanz zu beurteilen vermochte; aber er schien mir interessant und angenehm.
Zuhause bei der ersten entzündeten Portion eine Art Ernüchterung: Oh nein, so schrecklich, und Du hast nun 100g gekauft! Warum dies so war, ist mir bis heute ein Rätsel geblieben; vielleicht war der
Widerspruch, köstlich schmeckendes Weihnachtsgebäck zu RAUCHEN, für mich zu irritierend.
Denn die nächste Füllung erlebte ich ganz anders: Ich fiel von einem Zug zum wieder nächsten in wachsende Begeisterung: einen derart vollschmeckenden, warmtonigen, körperhaften, dabei milden und
fast beiläufigen Tabak hatte ich noch nie erlebt! Er erinnerte mich immer wieder an die Pfefferkuchen, die zu backen meine Großmutter so gut verstand (und welche Fähigkeit sie mit ins Grab genommen); dabei war der (recht feine) Schnitt so unproblematisch zu stopfen und zu entzünden wie zu rauchen - es war mir, als ob der Tabak in seinen Eigenschaften als Blatt und Pflanze völlig denaturiert war, im positiven Sinne.
Selbst wenn ich ihn folterte und zu heiß rauchte: Er blieb lange Zeit wohlschmeckend und entfaltete immer wieder sein wunderbares Aroma. Es ist mir fast nicht wie Rauchen, eher wie eine neue unbeschriebene Art von Genuß, so beiläufig und dabei hocharomatisch ohne jede Aufdringlichkeit widerfährt mir dieser Vorgang. Man sieht, ich tue mich schwer mit exakter Geschmacksnuancierung. Ja, er hat wohldosierte Süße und schmeckt auch nach Frucht, aber einer säurearmen, wohl Pflaume; aber da ist so viel mehr, das ich noch nicht auseinanderzuhalten vermag und zu analysieren! Wenn die
Nasenoperation erfolgreich verlaufen ist und ich mich eh wieder mehr meinen Pfeifen widmen werde, kann es sein, daß ich dies nachzuholen das Bedürfnis bekomme. Jetzt aber hoffe ich auf Glaubwürdigkeit und genügend Gewicht meiner etwas hilflosen Beschreibung, auf daß sich jemand besser
Geübter (und weniger Behinderter) mit dem Tabak beschäftige.
Ach ja: irgendwann, vor vielleicht zwei Jahren, gab es den Tabak bei Kärnbachs nicht mehr. Ja, was nun! Da rückten die beiden Inhaber mit dem Geheimnis heraus, daß es einen ähnlichen gebe, den ich, ohne viel Unterschied zu schmecken, ruhig nehmen könne: Reiner Professional.
Aha. Also wohl in Lizenz vertrieben zum Jubelfest, bis das Ereignis genügend lange her war...
Nun, meine Nase hat mich keinen Unterschied erkennen lassen. Und so habe ich Reiner Professional für einige Monate zu meinem Leib-und-Magen-Tabak gemacht. (Mittlerweile sind da noch andere neben ihm von ähnlicher Bevorzugung, und wenn ich mal wieder zu ihm zurückfinde, bringt es mir jedesmal wieder eine Offenbarung: Warum denn nur den bloß so lange nicht mehr geraucht?)
(19.12.2003)