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Königliche Pfeifentabakmischung

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K.P.M. Königliche Pfeifentabakmischung

(Pfeifentabak)

Markenname:K.P.M.
Hersteller:Stanwell (laut Steuernummer)
Mischung:Laut DanPipe-Katalog: handverlesener goldfarbener Virginia, feines Orient-Blattgut und Black Cavendish
Schnittbreite:Fein bis mittel
Typ:aromatisiert
Stärke:leicht
Verpackung:100g Hochdose
Preis:30,50 DM

Roman Hebert

Wenn man, wie es weiland der Fall ist, in Stichworten wie "Pietismus", "Sparsamkeit" und "Pflichtbewußtsein" nicht unbedingt Sinnbilder des Hedonismus erblickt, dann mag Friedrich Wilhelm I ein nicht allzu sinnenfroher Mensch gewesen sein. Der als "Soldatenkönig" in die Geschichte eingegangene Preuße mit der uns heute ein wenig verdächtig erscheinenden Vorliebe für lange Kerls wird jedenfalls mit solchen Attributen in Verbindung gebracht. Nun, wenn der Enkel des großen Kurfürsten auch nicht, wie manch anderer adliger Potentat, durch orgiastische Gelage und Myriaden von unehelichen Kindern in die Geschichte eingegangen ist, so kann das von der Geschichtsschreibung überlieferte Charakterbild eines mehr oder weniger drögen Buchhalters in herausgehobener Stellung doch auch nicht so voll und ganz seine Richtigkeit haben - denn der Mann sprach offenbar mit Freude dem Tabak zu. So kam es, dass er in dem Jahr seines einzigen, aber bedeutenden außenpolitischen Erfolges - des Erwerbs des östlichen Vorpommerns mit Stettin nach dem zweiten Nordischen Krieg - 1720 in seinem Jagdschloss Königswusterhausen bei Berlin das "Tabakskollegium" aus der Taufe hob, einer regelmäßigen Zusammenkunft, deren Gegenstand der gemeinsame Rauchgenuss war. Wie herrlich es in den Räumen des Tabakskollegiums geduftet haben mag, wenn die versammelten Elite sich über die aktuellen Tagesereignisse austauschte und dabei dem Punch zusprach, können wir nur erahnen; uns bei der Konkretisierung der Ahnung behilflich sein zu können, reklamiert für sich jedoch die heute bei jedem besseren Tabakonisten erhältliche "Königliche Pfeifentabakmischung", wie der Text auf der Hochdose mitteilt:
"Diese außergewöhnliche Mixture wurde anhand alter Aufzeichnungen und Rezepturen hergestellt. Sie entspricht in ihren Basistabaken der historischen königlichen "Tabakskollegium-Mischung" des 18. Jahrhunderts. Durch wertvolle Aromen und eine spezielle Aufbereitung wurde die überlieferte Blend den heutigen Geschmackswünschen angepasst."
So, so, "angepasst." Na ja, ich würde mal annehmen, dass die K.P.M. in ihrer heutigen Gestalt mit der alten Kollegium-Mischung nicht viel gemein hat; denn es handelt sich bei jener um ein sehr lieblich duftendes, keineswegs würziges Tabaksgemisch - worauf wir ja angesichts der versprochenen "wertvollen" Aromen bereits vorbereitet waren. Das Tabakbild ist durchaus unspektakulär, deshalb jedoch nicht weniger ansprechend: eher hellbraune Töne halten sich mit schwarzen die Waage - und um feststellen zu können, dass es sich bei dem schwarzen Tabak nicht um Latakia handelt, dafür muss man kein Halbspaniel sein und auch nicht "Toby" heißen (vgl. Sherlock Holmes - The Sign of the Four).

Die Aromatisierung ist eine solche, die bei anwesenden Nichtrauchern als äußerst angenehm empfunden wird; sie zu beschreiben, fällt mir ein wenig schwer, weshalb ich mir einen einfachen Ausweg gestatte, und diesbezüglich auf den Wappen von Hamburg verweise. Das Aroma beider Tabake scheint mir bis auf Nuancen gleich zu sein - ich empfinde allerdings die der K.P.M. doch als etwas feiner, filigraner, edler, als die des Wappen von Hamburg - Tabak.WappenvonHamburg. Es handelt sich wirklich um eine feine Note, die in ihrer Art - "süß, aber nicht klebrig", doch Beachtung verdient.

Wenn gleichwohl der Tabak zu denjenigen zählt, die ich recht selten aus dem Haufen von Tabaksdosen ziehe, so liegt das einfach daran, dass mir diese Art Aromatisierung nicht (mehr) besonders zusagt und nur noch selten eine Stunde kommt, in der ich genau darauf Lust habe - aber wenn die Stunde mal kommt, dann gibt es auch nur den Griff zur K.P.M., zumal sie es neben dem gefälligeren Aroma einem rauchtechnisch auch nicht so schwierig macht, wie der Wappen von Hamburg- wobei ich mich für letzteren vielleicht auch einfach zu blöd anstelle.

Fazit:
Eine eigenständige Mischung, die die Tabaklandschaft bereichert. Leider nicht ganz billig. Den Orient findet man eher auf einer Landkarte als in dieser Dose.

(22.01.2001)

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