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Reiner Long Golden Flake
(Pfeifentabak)
| Hersteller: | Kohlhase & Kopp |
| Mischung: | Virginias, Burley, Perique |
| Schnittbreite: | Flake |
| Typ: | naturbelassen |
| Stärke: | medium |
| Verpackung: | 100 g - Dose |
| Preis: | 20,50 Euro (August 2011) |
Alex Neumann
Da auf der Dose groß "Ein Tabak für Kenner" drauf steht, fühlte sich der eitle Teil meines Ichs gleich angesprochen. Flake, Virginias und "ein Hauch von Perique" kommen mir auch sehr entgegen, also wanderte die Dose wie von selbst in meinen Tankrucksack. Zu Hause angekommen war ich natürlich neugierig, was der "Kenner" in dieser Dose so alles findet und so dauerte es nicht lange, bis die Münze angesetzt wurde.
Als erstes kam die Nase zum Einsatz: Im Vordergrund steht ein leicht heuiger Geruch unterstrichen von einer würzigen Komponente. Im Hintergrund meine ich gerade noch so eben etwas obstiges (pflaumiges?) zu erschnüffeln.
Auch das Auge wird nicht enttäuscht. Der Tabak trägt seinen Namen "Long golden Flake" zurecht. Die goldenen Stränge sind ca. 40 cm lang, 4 cm hoch, 2 mm dick und fein säuberlich in die Dose gerollt.
Dem Gefühl nach scheint der Tabak die optimale Feuchte aufzuweisen. Nicht zu feucht, so das kein großes Gesotter zu erwarten ist, aber auch nicht zu trocken. Die Flake-Stränge fühlen sich angenehm elastisch an und zeigen keine Neigung zu brechen.
So weit so gut, nachdem die erste Neugier des "Kenners" befriedigt war, wolllte ich endlich auch wissen, wie sich der Tabak in der Pfeife macht. Dazu riss ich mir die benötigte Portion von einem Strang ab. Ordentlicheren Naturen sei die Benutzung einer Schere empfohlen um ein häßliches Ausfransen der Enden zu vermeiden. Dann kann man wie bei jedem Flake ausgiebig unterschiedliche Stopftechniken testen. Mir persönlich schmeckt er am besten, wenn ich einen sehr groben "brocken Flake" zubereite und den Tabak dann locker in eine "Pfanne" fülle. Noch etwas "Kleinkram" oben drauf um das Anzünden zu erleichtern und los gehts.
Schon beim ersten Streichholz zeigt sich der Tabak sehr willig, seinen Lebenszweck zu erfüllen. Spätestens nach dem Einsatz des zweiten Streichholzes ist der Ofen am glimmen und eigentlich das Einzige, was ihn dann noch stoppen kann, ist Brennstoffknappheit. Mit einem Minimum an Aufmerksamkeit kann man die ganze Füllung in ein kleines helles Aschehäufchen verwandeln.
Auch geschmacklich hält der Long golden Flake was sein edles Aussehen verspricht. Nur wer bei Virginias etwas süßes, süffiges erwartet, dürfte ein wenig enttäuscht sein, da die verwendeten Virginias wohl nicht zu den besonders zuckerreichen Sorten zählen. Die Säure überwiegt die Süße ganz klar und führt zu einem leichten, durchaus angenehmen Prickeln auf der Zunge. Mit steigender Temperatur in der Brennkammer verstärkt sich das Prickeln bis es unangenehm wird, was allerdings kein Drama ist: Einfach das Rauchgerät bei Seite legen und geduldig warten, bis sich das Temperaturniveau wieder auf ein erträgliches Maß eingeregelt hat.
Dann kann es ohne Geschmackseinbußen weitergehen. Man kann den Tabak zwar nebenbei rauchen und er macht dabei auch keine schlechte Figur, allerdings wird man ihm meiner Meinung nach dadurch nicht ganz gerecht. Konzentriert man sich auf den Rauchvorgang kann man im Hintergrund verschiedene Aromen entdecken so das es immer wieder spannend ist, zu erkunden, wohin die Reise den heute geht. Was bereits die Tastorgane signalisiert haben, bestätigt sich beim Rauchen: Auch bei einem äußerst sparsamen Einsatz von Putzern besteht keine Gefahr, das der edle Holzklotz zu einer Wasserpfeife mutiert.
Der Nikotingehalt liegt ziemlich genau in der Mitte der Scala: Mann kippt nach dem Frühstück nicht gleich um, hat jedoch für die Feierabendpfeife noch genug Reserven.
Die Raumnote löst normalerweise keine Begeisterungsstürme aus. Besonders weibliche Wesen, die geruchsmäßig mit Pfeife etwas eher süßliches verbinden, sind von dem tabakechten und würzigen Duft
mitunter ein wenig enttäuscht. Allerdings fühlen auch die sich normalerweise nicht gerade belästigt sondern tendieren zu einem "erträglich". Wer gerade auf der Balz ist, sollte also besser etwas anderes stopfen. Alle anderen können aber unbesorgt zugreifen, ein (Ehe-)Krach mit Platzverweis ist nur bei sehr empfindlichen Nasen zu erwarten.
Fazit:
Der "Kenner" ist zufrieden. Der Long golden Flake hat aus dem Stand den Sprung in meine persönlichen Top Ten geschafft. Da er sich sowohl tagsüber zum nebenher rauchen eignet als auch im genüßlichen Feierabendpfeichen nicht langweilig wird, ist er mittlerweile mein "Reisetabak" wenn ich mal zwei oder drei Tage wegfahre und nicht gleich 3 verschiedene Dosen Tabak mitschleppen will. Den Freunden von VA/Perique-Flakes und solchen, die es werden wollen, kann ich nur empfehlen, das Kraut mal auf ihre Einkaufsliste zu setzen.
(06.03.03)
Ralf Ruhenstroth
Das Auge raucht bekanntermaßen mit. So gesehen ist die edel aussehende
goldene Dose von Reiner ein echter Hingucker. Das Famose ist, dass der
Inhalt, der sich präsentiert (anders kann man es gar nicht ausdrücken),
genau da weiter macht. Yeah, was für ein langer, gepresster Tabakstrang.
Hell – mittelbraun, absolut richtige Konsistenz. Und richtig: Nichts
mehr als ein dezentes Schwarzbrotaroma. Das lässt auf Natürlichkeit und
„Ehrlichkeit“ schließen.
Wer in Sachen Handhabung Angst bekommt, dem kann nicht geholfen werden.
Abreißen, knicken, falten und los geht es. Für € 20,50,-/100 g (Stand:
August 2011) will man sich schließlich nicht ärgern. Dass Flake nicht
gleich Flake ist, wissen wir. Dass Virginia nicht gleich Virginia ist,
dürfte auch klar sein, sonst würde es zu langweilig werden. Soll mir ein
Virginia-Tabak als sog. „Allday Smoke“ dienen, dann schwöre ich auf die
mitgebrachte Natursüße. Je nach Herkunft der Tabake fällt die Süße
unterschiedlich aus. Ich erinnere mich diesbezüglich gerne an die
„Tullagremes“ aus dem Hause Magnus Falkum, die eher in absoluter Ruhe
genossen werden und zu einem gutem Glas Weißwein passen. Insofern sind
genau diese Tabake von MF nichts für den ganzen Tag (was die Qualität
natürlich nicht schmälert). Und genauso empfinde ich den „Long Golden
Flake Blend 71“ von Reiner. Eine absolute Spezialität für den Abend, für
tagsüber mir persönlich eine Spur zu nüchtern. Aber das ist
Geschmackssache, wie immer.
Die Raucheigenschaften sind über jeden Zweifel erhaben. Super zu
stopfen, hervorragend anzubrennen und bei gemächlichen Ziehen wird die
Pfeife nicht heiß. Zwischendrin noch mal nachzünden ist zwar angesagt,
aber auch vollkommen normal. Ein bisschen mehr Zeit als gewöhnlich
sollte man sich nehmen, weil dieser Flake seine Stärken nur im
gemütlichen Tempo entfalten kann. Ein kleineres Füllvolumen ist
ausreichend, um so einen mittelstarken Spitzentabak in helle Asche zu
verwandeln. Im Ergebnis: Eine wirkliche Spezialität, die man als
Virginia-Freak geraucht haben MUSS, von der mir aber aus genannten
Gründen 1 – 2 Dosen im Jahr reichen.
(08.09.2011)