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Samuel Gawith Navy Flake
(Pfeifentabak)
| Hersteller: | Samuel Gawith |
| Mischung: | Virginia, Latakia |
| Schnittbreite: | Flake |
| Typ: | englisch aromatisiert |
| Stärke: | medium |
| Verpackung: | 50g Pouch |
| Preis: | 8,00 CHF |
Adrian Schmidtke
Lothar Winands hat mir freundlicherweise je eine Probe der beiden neuen Gawith Latakia-Flakes zukommen lassen. Den "kleineren Bruder" (Synjeco) habe ich zuerst ausgiebig getestet und wieder etwas dazugelernt: Man kann einen Latakia-Tabak tatasächlich so aromatisieren, dass es immer noch ein "richtiger" Latakia-Tabak bleibt. Dazu gleich mehr.
Der Navy Flake ist von tiefbrauner Farbe mit einigen hellen Einschlüssen. Der Tabak fühlt sich sehr griffig, fast speckig an und hat frisch für meinen Geschmack auch ein wenig zu viel an Feuchtigkeit. Die Aufbereitung ist nicht ganz leicht, man muss den Flake richtig zerreiben, was mich an den Best Brown Flake erinnert, wie ich ihn ursprünglich kennengelernt habe. Der Geruch aus dem Pouch offenbart deutlich den vorhandenen Latakia (lt. Hersteller leidiglich 15%), der kräftiger und ausgesprochen rauchiger Natur zu sein verspricht. Mindestens ebenso kräftig ist die Aromatisierung, die mich persönlich positiv überrascht: Ich mag eigentlich überhaupt keine alkoholischen Aromatisierungen, aber diese ist wirklich ausgesprochen lecker. Meine erste Assoziation war Rosinen, meine zweite Rum-Aroma, wie es beim Backen verwendet wird, also ohne die alkoholische Komponente. Leider verfliegt dieses für Gawith untypische (da überhaupt nicht-soapige) Aroma recht schnell.
Der Tabak ist nicht ganz leicht zu entzünden und geht auch gerne mal aus. Gut so! Denn je mehr man sich konzentriert, desto besser schmeckt er. Man kann ihn selbstverständlich auch nebenher Rauchen ein paar Nachfeuerungen und ungewolltes Heissrauchen machen ihm überhaupt nichts), aber richtig gut ist er erst, wenn man sich ganz auf ihn einlässt. Die Brenndauer ist immens lang und zusammen mit dem sperrigen Anzündverhalten und der rustikalen Konsistenz gibt dies dem Tabak etwas fast anachronistisches, was vollkommen positiv gemeint ist.
Der Geschmack ist voll, rauchig und weich, die Aromatisierung ist zunächst deutlich, zuletzt nur noch hintergründig erschmeckbar und deckt sich vor allem in der ersten Hälfte völlig mit dem Trockengeruch. Im Vordergrund steht eindeutig der Latakia, der von der Süße der Aromatisierung nicht bedrängt, sondern unterstützt und ummalt wird. Der VA ist geschmacklich zwar da, geht aber in der Gesamtkomposition ziemlich unter - auch dies ist durchaus nicht abwertend gemeint, der VA spielt beim Navy Flake im Gegensatz zu den bekannten Gawith VA-Flakes ausnahmsweise mal nur die Begleitung. Das erste Drittel ist sehr leicht, in der Folge legt der Tabak gehörig an Volumen zu und ist zuletzt im oberen Bereich von Medium. Vor allem die Dominanz des Latakias unterscheidet ihn dann auch von vielen anderen aromatisierten Flakes und Mixtures, die Latakia nur als "Dreingabe" oder würzendes Element haben, was dem Navy Flake eine sehr eigenständige Note gibt. Gegen Ende überwiegen die rauchigen und leicht bitteren Töne, so dass der Tabak nun gar keine Zweifel mehr an seinem zutiefst britsischen Charakter mehr lässt.
Fazit:
Ein eigenständiger, sehr ausgereifter Tabak, der trotz Aromatiserung ein "richtiger" Latakia-Flake ist. Meine Empfehlung hat er!
Erhältlich bei http://www.synjeco.ch
(29.11.2003)
Fritz Pöppler
"In der Tradition der englischen Seeleute wurde dieser Flake aus Virginia
und etwas Latakia mit reichlich Rum veredelt. Vollwürzig und süß."
Soweit die Herstellerinfo.
Als ich den Tabak kaufte und direkt öffnete, war ich zunächst erschreckt bis
angeekelt.
Dies lag vor allem an der extremen Feuchtigkeit der ziemlich dick geratenen
Flakes. Dadurch entstieg der Dose eine grauenhafte Duftkomposition aus
schwer- süßem Rum und gammeligen Leder. Obwohl ich gerne und oft Latakias
rauche, war ich hier ratlos.
In diesem Zustand lässt sich der Tabak kaum rauchen, es sei denn man ist
bereit, pro mittlerer Füllung mindestens ein Päckchen Streichhölzer zu
verheizen. Geschmacklich kommt kaum etwas rüber.
Also musste der Tabak erst einmal umgefüllt werden, um so nach einigen
Wochen einigermaßen rauchbar konditioniert zu sein. Dadurch hat sich das
"Duftproblem" auch erledigt; süßer Alkohol und leicht rauchiger Ledergeruch
entfalten sich nun dezent und lecker.
Die Dicke der Flakes macht die Knick- und- Falt- Methode eher unpraktisch,
so dass ich ein leichtes Aufreiben der fast schwarzen Scheiben empfehlen
kann. Aber auch so ist ein kühler und sehr sanfter Rauch gesichert.
Nach dem, nun recht einfachen, Entzünden werden die ersten paar Züge vom
ziemlich süßen Rumaroma geprägt, bevor sich der Latakia langsam an seinen
Platz kämpft. Doch auch dann bleibt der Navy Flake ein klarer Aromat, der
auch für die Umgebung erträglich, ja sogar interessant sein kann, was vor
allem an seiner Süße und dem wenig intensiven Latakia liegen mag. Der Duft
des ungerauchten Tabaks ist im weichen Rauch deutlich wieder erkennbar.
Mit Erreichen der Halbzeit wird das Flavour unaufdringlicher, prägt aber
weiterhin den Geschmack, der nun merklich an Leder erinnert. Die
beschriebene "Vollwürze" ist nur bedingt gegen Ende der Füllung zu erkennen,
dann aber sanft und wenig facettenreich. Daher auch mein Urteil "gerade
medium", was sich auch auf den Nikotingehalt bezieht.
Der Tabak raucht sich unkompliziert und Bedarf nur wenig Aufmerksamkeit des
Rauchers.
Abschließend kann ich sagen, dass ich vom S.G. Navy Flake mehr erwartet
habe. Zwar werde ich den Tabak aufrauchen, mir aber so bald keinen neuen
kaufen. Einsteigern kann ich den Flake schon aufgrund seines sperrigen
Auftretens nicht empfehlen.
Ich habe den Tabak bisher ausschließlich mit Stanwell AKF geraucht.
(21.04.2009)