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Dunhill Nightcap
(Pfeifentabak)
| Markenname: | Dunhill |
| Hersteller: | Murray in Nord Irland |
| Mischung: | Latakia, Virginia aus Amerika, kleinblättrigen türkischen Tabak, Perique |
| Schnittbreite: | typischer Dunhillschnitt |
| Typ: | englisch |
| Stärke: | stark |
| Verpackung: | 50 g Dose |
| Preis: | 10.25 EUR |
Frank Nicolai
Ich habe noch nie bei einem Tabak über zu viel Nikotin geklagt; weder Accountants noch Three Nuns, nicht einmal The Bankers oder die Probe Brown Twist No. 4 haben mir das Gefühl von Trunkenheit gebracht; Nightcap schaffte es.
Zugegeben: die Pfeife war sehr groß und das Rauchvergnügen dauerte fast 2 Stunden; aber möglicherweise konnte ich die Uhr auch nicht mehr richtig erkennen. Wie Pascal schon schrieb: Es ist nicht der hohe Anteil Latakia, der dem Nightcap-Raucher zwangsweise besser kleine Pfeifen zuweist; es ist die ungeheuere Menge Nikotin, die im Tabak steckt.
Der Tabak ist fast schwarz, duftet fast ausschließlich nach Latakia und schwer. Diese "Schwere" spiegelt sich auch im Geschmack wider. Ich empfinde den Geschmack etwas herb, sehr rauchig und nur wenig süß. Der Tabak würde aufgrund seiner Raucheigenschaften jedem Anfänger zu empfehlen sein, denn er brennt, einmal entzündet, kühl und problemlos ohne Gesotter und mit minimalem Kondensat bis zum Ende durch. Aber wie gesagt: wäre das mein erster Engländer gewesen, hätte ich das Pfeiferauchen sicherlich aufgegeben.
Fazit:
Es fällt mir schwer, den Tabak zu bewerten. Geschmacklich bietet er mir nicht genügend Komplexität und zu wenig Süße; er hat "ein wenig" zuviel Nikotin. Aber: er schmeckt mir trotzdem und gefällt mir wegen seiner guten Abbrandeigenschaften. Sicherlich kein All-Day-Smoke, aber ein Tabak, den ich nicht verschmähe.
Abschließender Tip: Zu Nightcap passt hervorragend eine Tasse Earl-Grey-Tee.
Manfred Arenz
Obwohl ich mich eher für die süßere Seite des Tabakangebotes interessiere, so gönne ich mir ab und an doch abends auch einmal eine würzige Mischung.
Abend ist das Stichwort: Dieser Tabak sollte besser nicht in der Frühe oder auf nüchternen Magen geraucht werden.
Wen die Stärke dieses Tabaks nicht umhaut, dem passiert dies eventuell durch die Ehefrau - womit wir bei der Raumnote wären:
So in etwa wie ein brennender Pferdestall, in dem Schinken geräuchert wurde....
Im Geschmack ist sehr viel Würze enthalten, Töne von Räucherschinken und eine herbe Süße wie das Aroma eines Laubwaldes im Herbst.
Abbrand und Kondensatentwicklung sind vorbildlich, diese Mischung sollte man einfach einmal probiert haben.
Für Vorsichtige und Latakia-Neulinge empfehle ich eine Pfeife mit nicht zu hoher, aber breiter Kopfbohrung oder eine Meerschaum. An dieses Kraut muss man sich erst gewöhnen, aber dann... :-))))
(05.10.2000)
Martin Bleisteiner
Hochgradig Latakia, schon im Duft. Die Feuchtigkeit ist ok, mit dem Anzünden klappt es auf Anhieb. Der Geschmack hat trotz des hohen Latakia-Anteils eine süße Komponente, das deutet auf hohe Qualität der verwendeten Virginias hin. Er ist sehr würzig und kommt mir noch stärker als der EMP vor.
Erstaunlicherweise vertrage ich ihn sogar morgens auf nüchternen Magen.
Das Brandverhalten ist gut, er sottert auch nicht. Er beißt kaum, auch nicht ohne Filter. Ich rauche ihn inzwischen lieber ohne Filter als mit. Die Raumnote ist der Hammer, die Strafe für jeden Normalmenschen.
Nichts für jeden Tag, aber für zwischendurch ein Hochgenuss. Ein Tabak, den jeder Pfeifenraucher kennen sollte. Einer von den "starken" Dunhills oder Balkan Sobranie muss bei mir immer im Regal stehen.
(10.10.2000)
Sven Königsmann
Drogenkonsum ist verboten.
Wie gut, dass sich dem Pfeifenraucher die Alternative des Nightcap von Dunhill bietet. Ist er doch auf angenehme Weise in der Lage, die Sinneswahrnehmungen des Rauchers in derart günstiger Art und Weise zu beeinflussen, dass er den Blick für die realen Dinge recht zuverlässig trübt und damit Platz schafft für die höheren Sphären des Denkens.
Bevormundungen der Art, zu welcher Tages- oder Nachtzeit dieser Tabak zu genießen sei, möchte ich mir ersparen - ist es doch jedem selbst überlassen, wann er auf eine vollkommene Selbstkontrolle verzichten kann.
Dem Experimentierfreudigen sei hier noch die Kombination des Nightcap mit einem guten Whisky ans Herz gelegt. Mein persönlicher Favorit zu diesem Tabak ist eindeutig der "Talisker" mit seinem torfigen Volumen. Mit abnehmendem Pegelstand in der Flasche und fortschreitendem Verglimmen dieses gewaltigen Krautes in der Pfeife wird sich, je noch Kondition früher oder später, ein recht wohliges Körpergefühl einstellen. Jetzt heißt es durchhalten, nur nicht aufgeben und schon in wenigen Momenten wird man sich dem Himmel ein gutes Stück näher fühlen - man wird Dinge sehen, deren Beurteilung sich dem nüchternen Geiste entzieht.
Das Aufwachen freilich wird in der Hölle stattfinden - aber man muss bereit sein, gelegentliche Opfer zu bringen.
(17.02.2002)
Ingo Gebert
Der Nightcap gilt ja für viele Pfeifenfreunde als der Inbegriff eines englischen Tabaks schlechthin. Auf der Dose steht sinngemäß übersetzt, dass der Tabak für das Rauchvergnügen und entspannenden Stunden am Abend genau der Richtige sei. Nach dem Öffnen erblicke ich eine dunkle, ja fast schwarze Tabakmischung mit einem sehr hohen Latakiaanteil, der Geruch hiervon ist auch in einigem Schnüffelabstand gut wahrnehmbar. Gut erkennbar sind in dem Tabakbild ebenfalls die kurzen, dunkelbraunen Tabakfasern des Orients. Eines steht jedenfalls nach der Geruchsprobe fest: eine zusätzlich hinzugefügte Aromatisierung besitzt dieser Tabak nicht. Das Kraut lässt sich ohne weitere Vorbereitung problemlos in die Pfeife einbringen, und einmal in Brand gesetzt, ist das Abbrandverhalten auch durchaus in Ordnung. In der Pfeife entwickelt sich ein sehr kräftiger Latakiageschmack, der noch durch die gut wahrnehmbare Würze der Orienttabake unterstrichen wird. Dieses Geschmacksbild bleibt bis zum Ende des Schmauchens erhalten. Irgendwie habe ich aber noch eine ergänzende Geschmackskomponente vermisst, „Gewürze“ allein machen halt nicht den ganzen Genuss aus. Der Nightcap hat einen gut wahrnehmbares Crossover in meinen Pfeifen hinterlassen, welches erst nach ein oder zwei Füllungen einer anderen Marke verschwunden ist.
Als so stark, wie manch andere Raucher diesen Tabak beschreiben, empfinde ich ihn nicht. An die Stärke der Three Nuns oder des University Flakes kommt er längst nicht heran.
Fazit:
Daumen runter, als eigenständige Mischung ist mir der Nightcap einfach zu einfallslos, er hat nicht die geschmackliche Abwechslung eines Highland-Targes oder der Early-Morning-Pipe aus dem gleichem Hause.
(18.02.2003)