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Peters Flake

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Sindelfinger Tabakhaus Peter's Flake

(Pfeifentabak)

Markenname:Sindelfinger Tabakhaus
Hersteller:Kohlhase & Kopp
Mischung:Burley, Orient
Schnittbreite:Flake
Typ:naturbelassen
Stärke:medium
Verpackung:50g Runddose
Preis:8,20 Euro

Alex Neumann

Mangels Beschreibung weiss man bei Peter's Flake nicht, was einen nach dem Öffnen der Dose erwartet. Nachdem man das Vakuum mit einem dezenten Zischen aufgefüllt hat und der Deckel gelüftet wurde, steigt die Spannung. Die Nase verrät schon einmal, das die Mischung ziemlich viel Burley enthalten muß, der Kakao-Duft ist schon fast intensiv. Dahinter spürt man jedoch noch mehr ohne es genauer identifizieren zu können.

Schiebt man das Papier auch noch beiseite, glaubt man fast, eine Tafel Schokolade gekauft zu haben, die Optik passt zum Duft. Ein ca. 3 cm breiter Flake-Streifen wurde als ganzer Strang "aufgewickelt" und in die Dose gepackt. Der Strang ist Schwarz, nur wenige rehbraune Fasern lockern das optische Bild auf. Die Tastsinne vermitteln einen recht hohen Feuchtegrad, dennoch ist der Tabak irgendwie "mürbe" und zerfällt recht schnell in einzelne Fasern. Aufgrund dessen ist das Stopfen nach der klasischen Knick-Falt-Methode etwas schwierig, besser geht es mit einer Art groben "broken Flake" oder einfach einen Zylinder zurechtkneten und den dann in der Pfeife versenken.

Die hohe Feuchte fordert auch beim Anzünden ihren Tribut, 3 Streichhölzer müssen schon mal geopfert werden. Wenn Peter's Flake dann aber mal brennt, sind bis auf gelegentliches Nachstopfen keine größeren Aktionen mehr notwendig. Da die Kondensatentwicklung doch etwas hoch ist, empfehle ich, den Tabak mit Meerschaumfilter zu genießen, dann kann man sich gemütlich im Liegestuhl auf die Terasse setzen, die alten Knochen von der Sonne wärmen lassen, die Augen schließen und entspannt den Rauch untersuchen.

Auch hier schlägt zunächst einmal der Burley voll durch. Der Rauch ist sehr weich und cremig, auch geschmacklich braucht er den Vergleich mit einer Tasse Kakao nicht zu scheuen. Man muß aber echten Kakao zum Vergleich heranziehen, kein Fertigpulver aus der Tüte. Aber irgentwas ist trotzdem komisch. Ich rühre den Rauch mit der Zunge um, entlasse einen Teil durch die Nase, taste mich langsam weiter vor. Irgendwo ist starkes Gewürz präsent. Kommt mir bekannt und auch wieder unbekannt vor. Passt irgendwie nicht zum Kakao, gehört aber doch dazu. Auf einmal fällt mir ein, woran mich das Ganze erinnert. An einen afrikanischen Market oder einen orientalischen Bazar. Einen echten, wo die Einheimischen ihre altäglichen Einkäufe erledigen, nicht diese Touri-Fallen wo man für 50 EUR undichte Wasserpfeifen kaufen kann. Schon fast vergessene Erinnerungen bahnen sich ihren Weg. Aufregung liegt über der kleinen Stadt in Kamerun, in der meine Schwester lebt. Es ist der letzte Market-Day vor Weihnachten, für die Menschen aus der Stadt und von vielen kleinen Dörfern im Umkreis die letzte Möglichkeit, ihre Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Von weit her kommen die Händler, tragen schwere Lasten auf dem Kopf und hoffen auf gute Geschäfte. Auch wir gehen auf den Markt. Überall wird gelacht, gefeilscht, geschimpft, gejammert, erzählt und getratscht. Ein paar Kinder sehen uns mit großen Augen an, wahrscheinlich haben sie noch nie so viele Weiße auf einem Haufen gesehen. Die halben Rinder liegen vor dem Tisch des Metzgers, links davon gibt es Süßigkeiten, rechts Gewürze und gegenüber wird mit Benzin und Motoröl rumgepanscht. 1000 verschiedene Gerüche, die eigentlich gar nicht zusammenpassen, vermischen sich auf wundersame Weise zu etwas unheimlich aufregendem. Man ist ständig am schnuppern, weil sich das Geruchsbild mit jedem Schritt ändert. Eine Marktfrau hält mir eine unkannte Frucht unter die Nase, sofort wird der Geruch dieser Frucht dominant, ohne jedoch die Komposition im Hintergrund komplett verdrängen zu können. Die Kinder haben mittlerweile ihre Scheu abgelegt. Sie tanzen um uns rum und singen fröhlich "White man with the long Noise". Lachend kontern wir mit "Black child with the flat noise" und ziehen weiter. Wir treffen einen Bekannten meiner Schwester und unterhalten uns mit ihm. Nach einer Weile kramt er eine Cola-Nuß raus und verteilt sie unter uns. Ich genieße den bitteren aber nicht unangenehmen Geschmack.

Fast ein wenig unsanft werde ich aus meinen Träumen gerissen. Irgendwas stimmt nicht. Ich brauche einen kurzen Moment, um mich wieder in der Wirklichkeit zu orientieren und dann finde ich den Knackpunkt: In meiner Pfeife ist nur noch ein kleiner Haufen Asche mit ein paar verkohlten Tabakstückchen.

Fazit:
Nach Schulnoten: Sehr gut. Sicher kein All-Day-Smoke oder etwas zum Nebenbei Rauchen. Dafür ist der Tabak zu komplex, ich bin fast geneigt zu sagen "zu anstrengend", da er geradezu auffordert, erforscht zu werden.
Peter's Flake ist ein Tabak, um sich die Sonne auf den Pelz brennen zu lassen und dabei über die großen und die kleinen Probleme dieser Welt zu philosophieren. Man kann auch von fernen Ländern zu träumen oder versunke Erinnerungen heben lassen.

(01.07.2003)

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