zurück
G.L. Pease Renaissance
(Pfeifentabak)
| Hersteller: | G.L. Pease |
| Mischung: | Virginia, Oriental, Latakia |
| Schnittbreite: | schmal / Mixture |
| Typ: | englisch |
| Stärke: | leicht-medium |
| Verpackung: | 50 gr. Dose |
Frank Nicolai
Vorweg - wie immer - die Herstellerbeschreibung: "Renaissance is a classic medium English mixture, rich in oriental tobaccos, a good measure of Cyprian and Syrian Latakias, and just enough golden, red and matured Virginias to provide substance to the smoke. The nutty flavors of the oriental tobaccos are the main focus, with the Latakias providing an almost leathery spiciness. These flavors are perfectly balanced by the subtle sweetness of the Virginas to complete this elegant mixture."
Es gibt nur wenige Tabak, für die ich so lange brauchte, um 50 Gramm aufzurauchen wie hier. Wenn das allerdings bei anderen Tabaken daran lag, dass sie mir nicht schmeckten, so hier daran, dass der Tabak in Europa nicht erhältlich ist und ich von jenseits des großen Teiches nicht bestellen kann und so auf "milde Gaben" von jenen angewiesen bin, die das können. Und: der Tabak hat es einfach nicht verdient, dass man ihn raucht, ohne sich voll darauf zu konzentrieren. Wenn ich beim Review des Peter Heinrich 211 beschrieben habe, was für mich ein All-Day-Smoke ist; der Renaissance könnte nicht gegensätzlicher sein.
Der Tabak ist verhältnismäßig locker und luftig in der Dose verpackt. Gregory Pease liefert seinen Tabak nur in diesen Dosen aus - nicht in größeren Abpackungen; damit der Tabak beim Kunden immer frisch ist. (So sagte man mir.) Und der Tabak war frisch. Wohlkonditioniert, genau auf der schmalen Grenze zwischen nass und trocken.
Schon der Anblick des eher graubraunen Tabaks, der durchzogen ist von hellgelben Anteilen und wenigen dunkelbraunen ist ein Augenschmaus. Der Geruch ist eher nichtssagend; der auf der Dose angepriesene Latakia ist kaum vernehmbar. Das Stopfen und Entzünden ist einfach und problemlos.
Doch dann: die ersten Züge. Nun heißt es zurücklehnen und genießen. Denn was da auf die Zunge kommt ist unbeschreiblich. Ein milder Genuss - wobei Milde nicht zu verwechseln ist mit dem, was z.B. Mac Baren bei seinen neuen Tabaken mild nennt: nämlich Geschmack- und Charakterlosigkeit. Milde bedeutet hier, dass die verschiedenen Aromen so subtil sind, dass man schon eine geübte Zunge benötigt, um sie wirklich alle zu erschmecken - und ich bin mir sicher, dass ich noch nicht alle Nuancen ergründet habe. Hier schmeckt man ein bisschen Säure der Orientals (die dem Tabak insgesamt den Grundcharakter geben), ohne hier aber wirklich sauer zu wirken. eher so, als trägt jemand eine Zitrone an Dir vorüber und Dir läuft der Speichel, weil du weißt, was sauer ist; ohne es wirklich erschmecken zu müssen. Der Latakia ist von ganz besonderer Art: er schmeckt nur wenig rauchig, ist aber permanent vorhanden und man erschmeckt ihn nur dann, wenn man sich gerade auf diesen Anteil in der Gesamtkombination konzentriert - so, als versuche man in einem Sinfonie-Orchester sich auf die Bässe zu konzentrieren. Der Virginia hingegen wickelt das alles in eine Decke aus Wohlgeschmack und Süße ein.
Der Tabak ist insgesamt recht leicht, was es sicherlich schwerer macht, die Gesamtstimme des Orchesters zu erkennen (weil es so leise ist), aber so jeder Stimme eine Innigkeit zuteil wird, die aus jedem Tabakteil einen Solisten werden lässt, dem man sein Gehör schenken muss.
Was interessiert es da, dass die Asche puderfein ist und das die Reiniger auch beim filterlosen Rauchen nicht bemüht werden müssen. Das lenkt nur ab.
Fazit:
Allein der Renaissance und ein noch zu blendender kräftigerer Bruder würden genügen, um mich zeitlebens an die Pfeife zu binden. (Na gut, und noch der eine oder andere VA-Flake.)
Bewertung: Bei einer Skala von 1 (Kompost) bis 5 (Spitzentabak) bekäme der Renaissance eine 10.
(04.10.2001)