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The Balkan Sobranie Mixture 759

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Gallaher The Balkan Sobranie Mixture 759

(Pfeifentabak)

Markenname:Gallaher
Hersteller:Sobranie of London, 13 Old Bond Street, London W1,
Mischung:Virginia, Orient, Latakia
Schnittbreite:schmal und kurz
Typ:englisch
Stärke:medium-stark
Verpackung:50 g
Preis:18,00 DM (ca. 1998)

Detlev Büscher

Anfang 2000, ich hatte nach langjähriger, bewusster Vermeidung von Latakia kürzlich einen zweiten Anlauf gestartet diese vornehmlich uns Pfeifenrauchern vorbehaltene Würze in mein Repertoire aufzunehmen, fiel mir ein schwarz-goldenes Päckchen des nur noch mit viel Glück erhältlichen Balkan Sobranie No.759 in die Hände. Dank des Internets wusste ich, dass dieser absolute Klassiker aus dem Reich der englischen Latakiamixturen im Jahr 1998 wohl zum letzen Mal gemischt worden war.
Obwohl ich inzwischen bereits über, mit Tabaken dieser Art eingerauchte Pfeifen verfügte, den Fehler, Latakia aus Aromahölzern zu rauchen, konnte ich dank d.a.f.t. bei diesem zweiten Anlauf zum Glück vermeiden, lastete die Verantwortung doch etwas auf mir, diesen Tabak eines Tages auch mal adäquat beschreiben zu müssen. Ich finde ohnehin, dass uns die Sprache, wenn es um die Beschreibung der differenzierten Aromen von naturbelassenen Tabaken geht, im Stich lässt. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass die Inuit über mehr als sechzig verschiedene Worte für Schnee verfügen. Wenn wir Pfeifenraucher ein entsprechend großes Vokabular in bezug auf Tabakaromen hätten, wäre es sicher leichter, immer die passenden Worte zu finden. Doch beim gegebenen Stand der Dinge kann man bei einer Tabakbeschreibung nur mit Vergleichen und Assoziationen arbeiten, kann dem Leser allenfalls ein schwaches Abbild der Eindrücke des jeweiligen Raucherlebnisses verschaffen, bestenfalls Interesse wecken oder andernfalls auch mal von einem Tabak abraten.
Jedenfalls habe ich seinerzeit etwa zwei Drittel des Päckchens geraucht und den Rest erst mal in ein luftdicht schließendes Glas (Gummidichtung, Schnappbügelverschluss) verfrachtet. Insgesamt habe ich mittlerweile fünfzehn verschiedene Tabake mit Latakia probiert, u.a. natürlich auch den "normalen" Balkan Sobranie, und will nun versuchen aufgrund meiner alten Aufzeichnungen und mit Hilfe der verbleibenden fünf oder sechs Füllungen meine Eindrücke zu schildern.
Ich fange mal mit den einfacheren Sachen an. Laut Herstellerbeschreibung soll sich der No.759 durch einen größeren Anteil von Orienttabaken vom herkömmlichen Balkan Sobranie unterscheiden. Hierzu sei aber angemerkt, dass auch Latakia aus Orienttabaken gemacht wird. Auf der Dose der London Mixture von Dunhill ist beispielsweise nur etwas von Virginia und Orienttabaken zu lesen, obwohl dieser Tabak sicherlich einen Latakiaanteil von schätzungsweise zwanzig Prozent besitzt. Die schwarzen und sehr dunkelbraunen Farbanteile dominieren auf jeden Fall das Mischungsbild, aufgelockert durch einige mittelbraune Tabakfasern. Optisch sind sich der Balkan Sobranie und der No.759 recht ähnlich. Auch der Schnitt, mixturtypisch schmal und nicht allzu lang, dürfte nahezu identisch sein, evtl. ist der No.759 noch etwas kürzer geschnitten. Beim Geruch hören die Gemeinsamkeiten aber bereits auf. Während der Balkan Sobranie in erster Linie rauchig und interessant modrig riecht, hat der No.759 einen ganz anderen Charakter. Man erkennt zwar, es mit Latakia zu tun zu haben, doch die Rauchigkeit steht geruchsmässig nicht im Vordergrund. Ihm fehlt auch der "cremige" Geruch, der den Dunhill Latakias zu eigen ist und er ist auch nicht so anbiedernd freundlich wie z.B. der Accountants' von Rattray. Im Grunde ist der Geruch genauso appetitlich wie die Aussicht eine rohe, frisch geschälte Kartoffel verspeisen zu müssen. Doch der Freund englischer Naturtabake freut sich bereits jetzt auf eine eigenständige Facette der dunklen Seite des Tabakgenusses.
Der Inhalt meines aromaversiegelten, vermutlich etwa zwei Jahre alten Päckchens war schon einigermaßen trocken, allerdings noch nicht ausgetrocknet. In diesem Zustand habe ich ihn anfangs auch geraucht. Der eingelagerte Rest wurde vor dem Rauchen ganz leicht angefeuchtet. In beiden Fällen waren die Raucheigenschaften einwandfrei. Über das Stopfen und Anzuenden englischer Latakiamixturen brauche ich wohl weiter keine Worte zu machen, auch die Kondensatbildung war in beiden Fällen extrem niedrig. Wenn der Reiniger ein einziges Mal zum Einsatz kommt, sollte das in den meisten Fällen ausreichen. Manchmal kann man sogar völlig darauf verzichten. Angemerkt sei auch, dass dieser Tabak trotz seiner Kraft und Fülle auf der Zunge viel milder empfunden wird, als die modernen, mehr oder weniger stark aromatisierten Mischungen.
Der Balkan Sobranie No.759 erzeugt einen dichten, gehaltvollen Rauch, wobei die Pfeife recht lange auffallend kühl bleibt. Auch die Abbrandeigenschaften sind hervorragend. Meist geht die Pfeife erst aus, wenn der Tabak komplett aufgeraucht und in einen kleinen Rest sehr hellgrauer, fast weißer Asche verwandelt worden ist. Wenn ich diesen Tabak mit wenigen Worten klassifizieren sollte, würde ich sagen, dass er zu den herben Orient/Latakia-Vertretern gehört. Doch so einfach sollte man es sich nicht machen. Ich kann nicht behaupten, dass sich bei jedem Rauchopfer präzise die selben Geschmackseindrücke einstellten. Als grobe Richtschnur kann man zuerst mal an die bitter-herben Lakritzpastillen denken, die man nur in der Apotheke bekommt, was aber nicht heißen soll, dass der Tabak in irgendeiner Form bitter schmeckt. Dazu tritt meist eine mehr oder weniger stark empfundene Salmiaknote, die gelegentlich mit einer an Minze erinnernden Frische einhergeht. Wenn man zwischendurch mal durch den Mund einatmet (natürlich nicht den Rauch), hat man im Mund ein ähnlich kühles Gefühl wie nach dem Genuss von Salmiaklakritz oder Pfefferminz. Manches Mal empfand ich zusätzlich eine ruhige und ausgeglichene, vor allem sehr hintergründige Süße, ein anderes Mal blieb sie kaum auffindbar. Gelegentlich, wenn auch eher selten, fühlte ich mich an einen im positiven Sinne stark gesalzenen, würzigen Schinken erinnert. Dabei kann es auch vorkommen, dass der Speichelfluss etwas angeregt wird. Auch ganz dezente, Florale Aromen, von Seifigkeit sprechen wir ja nicht mehr ;-), scheinen eine Rolle zu spielen, verschwinden oft aber schon wieder aus dem Bereich der Wahrnehmung, bevor man sie richtig erfassen kann. Wahrscheinlich wird dieses Konglomerat aus geschmacklichen Eindrücken von anderen Autoren gelegentlich auch als Komplexität bezeichnet.
Wenn der Raucher seinem Genuss in Gesellschaft von Pfeifenlosen frönt, kann er sich mit Hilfe der Raumnote an der ganzen Bandbreite der Unmutsäußerungen, von fassungslosen Gesichtern bis zu böswilligen Kommentaren, unter Umständen sogar Platzverweis, erfreuen. Latakiafreunde, die am liebsten den etwas herberen Mischungen, wie z.B. Nightcap oder Discovery den Vorzug geben, würden sicher auch gut mit dem No.759 zurechtkommen. Womit ich natürlich nicht sagen will, das diese drei Tabake sich ähneln würden. Die Gemeinsamkeiten erschöpfen sich darin, dass man wohl keinen von ihnen als "lieblich" bezeichnen würde.

Fazit:
Der "normale" Balkan Sobranie ist geschmacklich gefälliger und sicher auch massenkompatibler, will sagen: hat mehr Freunde gefunden. Aber trotzdem finde ich es schade, wenn die Produktion eines Stuecks Tabakgeschichte so einfach eingestellt wird.

(07.10.2000)

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