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Petersen & Sørensen The Bankers
(Pfeifentabak)
| Markenname: | Petersen & Sørensen |
| Hersteller: | Planta |
| Mischung: | Virginia, Latakia, Havanna |
| Schnittbreite: | Mixture |
| Typ: | englisch |
| Stärke: | medium |
| Verpackung: | 50g-Dose |
| Preis: | 7,40 Euro |
Roman Hebert
Als ich den Tabak, nachdem ich ihn bei Kiwus in Berlin-Charlottenburg bestellt hatte, im Laden in Empfang nahm, zwinkerte mir Herr Rohde ob der etwas längeren Lieferzeit zu und sagte, der Tabak käme immerhin aus Kreuzberg - wo er bei Planta gemischt werde. Anscheinend also eine Lizenzherstellung für die auf der Dose erscheinenden Petersen & Sørensen. Unverhofft hatte ich also ein richtiges Berliner Kraut in der Pibe.
Die Dose fällt schon beim ersten Öffnen dadurch auf, dass der Deckel nicht einmal annähernd dicht schließt: er ist einfach ein bisschen zu groß für den Boden der Dose. Des weiteren ist ungewöhnlich, dass eine eher klassische englische Mixture in der Dose in eine Folie statt in Papier gebettet wird; aber da auch noch eine Pappscheibe beiliegt, mit der das Herauskrümeln des Tabaks in der verschlossenen Dose verhindert werden kann, finde ich die Folien-Gewandung nicht nachteilig (nebenbei: die Pappe ist nun ihrerseits wieder zu groß für den Dosenboden).
Der Tabak riecht aus der Dose nicht besonders streng; der Latakia scheint gemildert zu werden durch einen malzigen Ton. Das Stopfen und Anzünden geht leicht von der Hand. Und die ersten Rauchkringel bestätigen den anfänglichen Eindruck: eine zwar beileibe nicht schwächliche Mixture, die aber doch ihren Gehalt sehr milde an den Raucher weitergibt. Der Malzgeschmack tritt nun deutlich hervor - möglicherweise stammt er auch von dem Havanna, da kann ich mir kein Urteil erlauben, weil ich Havanna sonst noch nicht geraucht habe. Der Latakia ist nicht dominant, auch nicht hell oder sonst hervorstechend, sondern stimmig eingewoben in die Gesamterscheinung der Mischung. Dies bestätigt auch meine (unfreiwillige) nichtrauchende Testperson in Form meines allsonntäglichen Schachpartners: während er mir Charles Fairmons Sundowner Mixture zu meinem großen Unverständnis doch in der Kategorie "Ugly Winning" ankreidete, fand der Banker´s eine deutlich mildere Beurteilung, und auch andernorts kamen keine Klagen über die Raumnote. Im Gegenteil, es kam sogar vor, dass mich Leute beglückwünschten, nicht so einen "penetrantes Vanillezeugs", sondern einen "richtigen Pfeifentabak" zu rauchen!
Mit dem anfänglichen Wohlwollen der Nichtraucher ging meine ebenso anfängliche Enttäuschung einher: ich hatte auf eine bärenstarke Mixture gehofft, in deren Nebel ich die Engel singen hören würde und durch die alsbald etwas vom Kaliber mindestens der Duineser Elegien aus mir hervorsprudeln würde - was beides leider nicht erfolgte. Aber die Enttäuschung hielt doch nicht lange vor, denn wer einem Irish Setter vorwirft, dass er keine Dogge ist, dürfte zwar viel Spaß im Leben überhaupt und an RTL 2 im besonderen haben, jedoch ansonsten eher zu den intellektuell unbedarften Naturen gerechnet werden dürfen. Will sagen: der Tabak ist eben auf seine Art eine wirklich sehr gelungene Sache. Ich sehe ihn ein bisschen als den großen, dunklen Bruder des Solent: mit dieser meint ihn das eher vielschichtige, aber doch deutlich englische Flavour. Im Vergleich zum Solent ist er aber im Geschmack beträchtlich stärker und gleichzeitig im gleichen Maße zur Zunge zarter.
Fazit:
Ein begrüßenswertes schwarzes Schaf im Wolfspelz, das aufgrund seiner Unaufdringlichkeit die Voraussetzungen zur täglichen Verköstigung aufweist. Will sagen: an den Banker´s kann man sich gewöhnen.
(28.11.2000)
Hinweis: In der Newsgroup wurde nach diesem Review die Vermutung geäußert, dass der Tabak in der Dose nicht "The Bankers" war, da jener eigentlich recht kräftig ist.
Roman Hebert
The Banker´s, Ireland
Höret, ich habe die Englein gesehn,
Sah ihr güldenes Haar, ihre zarte Gestalt.
Die Stunde fleht, die Tage ziehn -
Die Seele flirrt mir und das Herz wird kalt.
Im Taumel der Monaden
Dringt zu mir ferne Melodie.
In schweren, schwarzen Schwaden
Umfängt mich ihre Elegie.
Ich harre zitternd ihres Hauches,
Dem Kuß von ihrem Mund -
Doch ach!, die Macht des Rauches
Flieht Adern, Blick und Schlund.
Meine Augen sehn die Schemen sich entfernen,
Unendlich weg ein letztes, warmes Glühen -
Vorbei. Ich schütte Staub von toten Sternen
In die Irische See. Und ihre wilden Wellen sprühen.
(05.12.2000)
Frank Nicolai
Den Bankers habe ich vor langer Zeit schon einmal probiert und fand ihn einfach zu stark für mich. Aber im laufe der Zeit habe ich ein anderes Empfinden für Tabakstärke entwickelt und so wagte ich es, eine Dose zu öffnen und zu rauchen.
Der Bankers hat ja einen gewissen Bekanntheitsgrad dadurch erfahren, dass er einer der wenigen Tabake ist, in dem ein erschmeckbarer Anteil an Havanna-Blattgut eine Rolle spielt. Mir fällt dazu eigentlich nur noch der Havanna von Peter Heinrichs ein. Und es ist nicht zu bestreiten, der Tabak hat etwas Strenges. Und - weil er inzwischen von Planta hergestellt wird - auch Dumpfes, dass die Planta-Produkte so einmalig macht. Dieses - hier glücklicherweise nur hintergründige - plantanische wertet für mich den Tabak ab. So kann man gute Tabakmixturen verschlimmbessern (das gilt in gewissem Maße auch für die "34th Mixture" von Fribourg & Treyer, der ja auch von Planta hergestellt wird).
Der Bankers kommt in einem Plastebeutel in der Dose daher. Leider schließt weder die Dose noch der Beutel sonderlich gut so dass der Tabak leicht austrocknet. Der Geruch ist herb, völlig frei von Virginia-Süße. Das Tabakbild wird bestimmt von einem dunklen Braun und besteht aus geschnittenem und gerissenem Blattgut verschiedener Breiten und Längen. Der Latakia ist in recht groben Strünken vertreten, die man besser zerbrechen oder knicken sollte, um sie in die Pfeife zu stopfen.
Das Stopfen ist einfach vollziehbar. Der Tabak ist in dieser Hinsicht anfängergeeignet: 3 mal Stopfen und Entzünden. The Bankers brennt spätestens beim zweiten Entzünden und glimmt dann bis zum Ende herunter. Allerdings gewinnt der Tabak zum Ende der Füllung hin an Schärfe und Bitterkeit - er produziert selbst beim filterlosen (und das heißt für mich: kühlem) Rauchen eine Menge Kondensat - was mich bei einem "Engländer" schon verwundert. Ich empfehle, für den Bankers gerade Pfeifen zu benutzen, in Bents verstärkt sich das Suppen. Auch sollte man den Tabak aus eher großvolumigen Pfeifenköpfen rauchen - es schmeckt einfach besser.
Insgesamt bleibt der Geschmack bis kurz vor dem Ende der Füllung relativ konstant: sehr vorherrschend ein von mir als streng und dumpf wahrgenommener Geschmack, dem jegliche Tabaksüße fehlt. Und immer begleitet vom Planta-Aroma, das mich abstößt. (Wenn ich nur wüsste, *was* das ist, das ich als Planta- typischen Geschmack bezeichne. Die tun irgendwas an die Tabake - wahrscheinlich produktionsbedingt - das bisher so ziemlich jedem Planta-Tabak anhaftete. - Aber ich weiß, dass es Raucher gibt, die gerade dieses Aroma schätzen.) Aber an Zigarre erinnert mich der Geschmack überhaupt nicht - auch der Raumduft nicht. Der ist auch für mich eher unangenehm. Der Bankers ist meiner Meinung nach sowieso eher ein "Out-Door"-Tabak - an der frischen Luft, bei einem Spaziergang im Wald schmeckt er einfach besser als im geschlossenen Zimmer. Was ihn auszeichnet ist, dass er bis auf das letzte Viertel, sehr konstant im Geschmack bleibt. Die Asche ist hier auch immer eher hellgrau - während er zum Ende hin scharf und bissig wird und die Asche entsprechend feucht und schwarz.
Fazit:
The Bankers ist ein rauchbarer Tabak, der sicherlich manche Freunde findet. Mir ist er zu wenig süß (und das meint nicht Aroma-Süß). Auch stört mich sein Abbrandverhalten im letzten Viertel der Pfeifenfüllung. Ich habe noch eine Dose im Schrank zu stehen und werde die sicherlich auch aufrauchen; aber nachkaufen werde ich ihn nicht. Da sind mir andere "Engländer" einfach lieber. Ich bewerte den Tabak eher als neutral - kann man rauchen, muss man aber nicht.
(07.11.2001)
Ingo Gebert
"Eine Mixture bester Virginia- und Orient-Provenienzen mit reichlich Latakia. Durch die Veredelung mit Havanna-Blattgut erhält diese Tabakspezialität ihr reiches, unvergleichliches Aroma."
Vom Geruch ist der Banker's sicherlich tabakecht und typisch englisch. Allerdings erscheint mir der Latakiaanteil zwar vorhanden, aber doch nicht allzu hoch zu sein. Hinzu kommt noch eine zitrusfruchartige, leicht herbe Note. Dies könnte von dem Havannablatt stammen, aber dieses hat nichts mit dem Havannatabak zu tun, welcher für die Zigarrenverarbeitung verwendet wird. Stopfen und Anzünden sind mit dem Banker's kein Problem, und nach den ersten Zügen kann ich den Latakia, allerdings nicht allzu stark schmecken. Später kommt noch diese zitrusartige- leicht herbe - Note hinzu, und trotz Orienttabaken fehlt dem Tabak für mich doch irgendwie eine Spur an Würze. Ich habe diesen Tabak nur ohne AKF geraucht, da dieser ihm wohl doch zu viel von seinem Geschmack nimmt, und dies war auch aus zungentechnischen Gründen nicht erforderlich.
Fazit:
Daumen waagrecht, mir ist diese Mixture auf Dauer doch etwas zu flach, aber für denjenigen, der sich an die Welt der Latakiatabake herantasten möchte, ist er sicherlich geeignet.
(06.01.2005)
Johann Meyer
Grundsätzlich möchte ich mein Review mit dem Hinweis beginnen, den schon Roman Ende 2000 hatte. Der Deckel ist beim Banker's immer noch nicht dicht und der Karton immer noch zu groß für die Dose .
Nach dem Öffnen der Dose, von wegen 'Insert Coin', stellt sich bei mir, der ich eher Süßkram gewöhnt bin, ein Aha-Effekt ein. Latakia, wesentlich deutlicher als bei meinem letzten Engländer: Profession von Götz. Die Farbe ist ein mittleres Braun mit schwarzem Akzent. Der Havanah ist deutlich sichtbar. Der Tabak fasst sich trocken an, ohne zu bröseln, also eigentlich richtig gut um sofort eine Pfeife damit zu füllen.
Das Stopfen geht problemlos von der Hand, ebenso das Anfeuern. Einmal Zünden reicht. Der Abbrand ist ein schönes Grau, wobei der Havanah auch hier klar zu erkennen ist. Die Asche hat einfach eine eigene Farbe, die ich sonst nur bei einer Cohiba sehe.
Der Latakia ist für mich, eben Süßkramschmecker, sofort auf der Zunge, nicht unangenehm, nicht aufdringlich, leicht vordergründig. Virginia und Orient runden den Geschmack ab. Ein Tabak von mittlerer Stärke, der sich problemlos bis zum Ende durchrauchen lässt, wobei ich auch keine Bissigkeit oder ein Zunehmen der Stärke feststellen kann. Nach dem Rauchopfer bleibt ein grauer Aschehaufen, den es zu Entsorgen gibt.
Fazit:
Ein Engländer , der wegen des unaufdringlichen Latakia-Anteiles und des runden Geschmacks durchaus zu einem Rauchopfer verführt. Die Gutmütigkeit beim Abbrand lässt den Banker's auch für Einsteiger in Sachen Engländer eine gute Wahl sein.
(24.02.2006)
Stephan Beeck
Was ich als Latakia-Raucher durchaus nach Öffnen der Dose feststellen mußte ist, daß der Havanna dem Latakia deutlich den Rang abläuft.
Man assoiziert beim öffnen und ersten Schnuppern, spätestens jedoch bei den ersten Zügen schon im Geiste Banken in England um die Jahrhundertwende des letzten Jahrhunderts und fühlt sich gleich in ehrwürdige, dunkle mit grünem und roten Samt ausgelegte Marmorhallen versetzt wo ein dicklicher Aristokrat seine Havanna, resp. seine Pfeife schmaucht.
Das Feuchtigkeitsproblem stellte mich nicht vor größere Probleme (schlecht schließende Dose), da ich generell Engländer etwas trockener mag. Der Havanna hat - soweit ich das sagen konnte - auch keinen Schaden genommen. Der Doseninhalt hat sich auch sehr schnell minimiert zumal ich ihn auch immer zusammen mit einem Bekannten geraucht habe, der auch eher der Zigarren-Freund ist und dem er sehr gut schmeckte.
Dennoch hatte ich Probleme, gerade wegen des Havanna-Anteils. Da ich generell - warum auch immer - mit Zigarren jeglicher Art und Qualität Probleme habe und sofort Kopfschmerzen bekomme, war es auch beim Bankers nicht anders. Der Havanna ist deutlich zu schmecken!
Was den Geruch und die Raumnote angeht, so ist es IMO und auch den Berichten seinerzeit, als ich den rauchte zufolge eher ein Zigarrenduft, denn ein Pfeifentabaksduft der den Raum schwängert.
Was aber zugleich auch ein Nachteil (IMO) des Bankers ist, ist halt eben die Tatsache, daß er eher einer Zigarre ähnelt was den Raumduft angeht und so hat man viel länger was von dem Geruch in der Bude, als es bei jedem Pfeifentabak der Fall ist.
Für mich ist kalte Zigarre und auch kalte Zigarette ein absolutes Gräuel, deswegen habe ich ihn dann nur noch draußen beim spazieren gehen etc. geraucht, bis ich ihn schließlich auch an den besagten Bekannten verschenkt habe.
Dennoch würde ich generell sagen: Der Tabak hat was eigenes, "uriges" und wirkt wie ein Relikt aus der viktorianischen Zeit. Und trotz aller persönlichen Schwierigkeiten auf Grund des Havannas:
Daumen hoch, für jeden der Zigarren und kräftigen Pfeifentabak zu schätzen weiß...
(14.03.2006)